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Leitartikel · Trump

Peinliches Spiel

Wie immer beim gelernten Selbstdarsteller Donald Trump stand die Show im Zentrum.

17.07.2018

Von GUIDO BOHSEM

Was er wirklich im Gespräch mit seinem russischen Counterpart Wladimir Putin erreicht hat, interessiert den amerikanischen Präsidenten nicht. Wirklich wichtig scheint ihm nur der Effekt des Augenblicks, das Gefühl, die Welt in Atem gehalten und seine politischen Gegner zum Schäumen gebracht zu haben. Seine Äußerungen nach dem Treffen sind nichts wert, können nichts wert sein, weil er die eigenen Aussagen nach Belieben dementiert, widerruft oder leugnet. Die Welt schaut diesem ebenso durchsichtigen wie peinlichen Spiel fassungslos zu und fragt sich: Wie konnte es soweit kommen?

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion schien die amerikanische Machtfülle grenzenlos. Die USA gingen als Sieger aus dem Kalten Krieg hervor. Die wirtschaftliche, kulturelle und militärische Macht der Vereinigten Staaten stellte jede andere Nation weit in den Schatten. Das bipolare Herrschaftssystem des Planeten hatte sich in ein unipolares verwandelt. Die Möglichkeiten der USA, obwohl eingebettet in eine Vielzahl von Bündnissen und Verträgen, schienen unbegrenzt.

Doch konnten die Vereinigten Staaten diesen unipolaren Moment nicht nutzen. Das Land war erschöpft nach dem Wettlauf mit dem kommunistischen Gegner in Moskau, seine politische Führung hatte kein Konzept für eine dauerhafte Sicherung der einzigartigen Macht und die Gesellschaft war auch immer weniger bereit dazu. Die Anschläge vom 11. September provozierten zwar noch einmal eine starke, globale Reaktion Amerikas. Doch zeigte sich, dass auch im Krieg gegen den Terrorismus ein politisches Konzept zur Gestaltung der Welt fehlte.

In der Amtszeit Trumps tritt die Ratlosigkeit des einstigen Hegemons in brutaler Deutlichkeit zutage. Mit ihm ist sie zum System der amerikanischen Politik geworden. Weniger Konzept und Idee als dieser Präsident hatte in den vergangenen 100 Jahren wohl keiner seiner Vorgänger. Zwar will Trump Amerika bekanntlich wieder groß machen. Doch groß definiert sich in seinen Augen ausschließlich über die Wirtschaft. Was nicht in Scheinen und Münzen aufzuwiegen ist, verachtet dieser Präsident – internationale Verträge, multilaterale Bündnisse, gute Beziehungen zu den engsten Verbündeten und Diplomatie im Allgemeinen. Nur so lässt sich erklären, dass er Kanada zum Sicherheitsrisiko für die USA abstempelt, die Nato in den Krisenmodus versetzt, die EU als Gegner darstellt und in einen internationalen Handelskrieg von gigantischem Ausmaß hineinstolpert.

Tatsächlich erreicht er mit seinen Vorstößen auch immer wieder das ein oder andere Zugeständnis und manches davon ist nicht unberechtigt. In seiner grenzenlosen Egomanie zertrampelt er dabei jedoch langfristig mehr, als er herausbekommt. Damit beschleunigt ausgerechnet Trump den Niedergang der USA, obwohl sein erklärtes Ziel doch die Rückkehr zu verlorener Größe ist.

leitartikel@swp.de

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Erstellt:
17. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2018, 06:00 Uhr

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