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Rommel-Denkmal aus Protest verhüllt

Peinliches Dokument geschichtlicher Ahnungslosigkeit

In Heidenheim verhüllten gestern Aktivisten das Denkmal für Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Ihr Protest richtet sich gegen das Denkmal, aber auch gegen eine von der Stadtverwaltung angebrachte Tafel.

14.11.2011

Von SILJA KUMMER

Heidenheim Der Streit in Heidenheim schwelt schon länger, seit einem halben Jahr wird in Leserbriefen über das Für und Wider des vor 50 Jahren aufgestellten Denkmals debattiert. Ausgelöst hat die neuerliche Auseinandersetzung um das Rommel-Denkmal Wolfgang Proske, ein lokaler Historiker, der unter dem Titel "Täter, Helfer, Trittbrettfahrer" ein Buch über Nationalsozialisten aus dem Landkreis Heidenheim veröffentlicht hat. Proske hatte bereits im Frühjahr die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats angeschrieben und darum gebeten, über eine Umwidmung oder den Abbau des Denkmals nachzudenken.

Zu einer öffentlichen Diskussion der Gemeinderäte kam es bislang nicht. Die Stadtverwaltung legte stattdessen dem Stadtparlament in nichtöffentlicher Sitzung einen Text für eine ergänzende Tafel vor, abgestimmt wurde darüber nicht. Mittlerweile ist der Text, der laut dem Sprecher der Stadt "verbindende Worte zwischen den Kriegs-Veteranen und den Antimilitaristen" finden soll, auf einer Stele neben dem Denkmal angebracht. Bei den Mitgliedern der "Geschichtswerkstatt" stößt dieser Text, in dem von "Tapferkeit und Heldenmut, Schuld und Verbrechen" die Rede ist, auf großes Unverständnis, sie nennen ihn ein "peinliches Dokument geschichtlicher Ahnungslosigkeit".

Nicht zuletzt deshalb wurde gestern in der Protestaktion der Muschelkalk-Quader mit einer Plastikplane verhüllt, auf der zu lesen war: "Kein Denkmal mehr für den Nazigeneral!" "Dieses Denkmal ist aus der Zeit gefallen", sagt Manfred Maier, der zum kleinen Kreis der "Geschichtswerkstatt" gehört. Es gehe nicht um die gefühlte Rolle Erwin Rommels im Nationalsozialismus, sondern um die geschichtlichen Fakten. Und die legen zumindest eines ganz klar dar: Rommel, der Lieblingsgeneral Adolf Hitlers, gehörte nicht zu den Widerstandskämpfern gegen das Nazi-Regime. Auf dem Denkmal indes wird er als "Opfer der Gewaltherrschaft" bezeichnet.

Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt verteilen ein Flugblatt, auf dem unter anderem zu lesen ist: "Niemand sollte Heidenheim künftig in diesen überflüssigen Zusammenhang mit dem Nazihelden bringen können." Vorerst tritt jedoch das Gegenteil ein, die Diskussion um das Denkmal schlägt bundesweit Wellen, der Berliner "Tagesspiegel" berichtete groß über den Heidenheimer Aufstand.

Nach der Demonstration am Denkmal baute die "Geschichtswerkstatt" ihre Installation wieder ab, auch deshalb, damit sie wieder verwendet werden kann. "Es ist mit dieser Aktion nicht zuende", kündigt Maier an, man werde, wenn nötig, wieder öffentlich protestieren.

Ironischerweise hatten die Aktivisten der "Geschichtswerkstatt" mit ihrer Plane auch eine erst kurz zuvor aufgetragene Schmiererei am Denkmal verhüllt, die Rommel mithilfe der Buchstaben verschmäht, die ihm eigentlich zum Nachruhm verhelfen sollen. Diese ist nun wieder zu sehen.

Verhülltes Rommel-Denkmal, Aktivisten der "Geschichtswerkstatt "Niemand sollte Heidenheim künftig in diesen überflüssigen Zusammenhang mit dem Nazi-Helden bringen können." Foto: Silja Kummer

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Erstellt:
14. November 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. November 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. November 2011, 12:00 Uhr

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