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Sportlich, stylisch, elektrisch

Pedelec-Käufer werden immer jünger, die Räder immer schneller und renntauglicher

„Die Verkaufszahlen gehen durch die Decke“, sagt Miriam Werner von „Transvelo“ in Tübingen. Pedelecs, Fahrräder mit elektrischer Unterstützung, sind der Renner, machen bis zu zwei Drittel des Umsatzes aus. Die Hersteller kommen mit der Lieferung kaum nach. Der Hilfsmotor lockt nicht nur die Senioren wieder aufs Rad, die Kundschaft wird immer jünger und sportlicher, die Rad-Modelle stylischer. Und beim Mountainbike-Event in Münsingen gab’s erstmals eine Konkurrenz für E-Bikes.

10.10.2015
  • Bernhard Schmidt

Tübingen. Über 50 Prozent des Umsatzes mache auch Trautwein, Tübingens größter Fahrradhändler, mittlerweile mit Pedelecs, sagt Fachverkäufer Volker Ordowski, einst Profi im Team Gerolsteiner. Gar zwei Drittel der Kundschaft habe in dieser Saison bei „Transvelo“ ein Rad mit elektrischem Assistenten gekauft, schätzt Fachverkäuferin Miriam Werner: „Pedelecs – das geht wie Butterbrezel.“

Der unterstützende Motor hat Senioren wieder in den Sattel geholfen, die mit dem Thema Radfahren längst abgeschlossen hatten. Und die Pedelecs erhalten und fördern das Zusammenleben, sagt Miriam Werner: „Wer nicht mehr in der Gruppe mitfahren konnte, ist jetzt mit dem Pedelec wieder dabei.“ Der E-Antrieb rettet sogar Beziehungen und Ehen, ergänzt Ordowski. Denn: Mit dem Pedelec fährt frau nicht mehr hinterher.

Auch Rekonvaleszenten, Menschen mit Hüftprothesen, mit arthrotischen Schäden, Knieproblemen oder Herzbeschwerden könnten dank des Antriebsassistenten im Sattel wieder Muskulatur aufbauen und den Kreislauf auf Trapp bringen, sagt Ordowski. Immer mehr Menschen pendeln mit dem Pedelec zur Arbeit. Ordowski, zehn Jahre Profi auf dem Rennrad, zwei Jahre auf dem Mountainbike, verzichtet auf der Fahrt von der Haustür in Ofterdingen zur Arbeit in den Tübinger Steinlachwasen auf die Hilfe aus der Steckdose. Denn bei seinem Dreißiger-Schnitt auf weitgehend ebener Strecke bringt ihm das handelsübliche, auf 25 Stundenkilometer gedrosselte Pedelec nicht viel. Ordowski kennt aber Kunden, die längst umgestiegen sind, die mit dem Pedelec von Tübingen über den Schönbuch zum Daimler nach Sindelfingen genauso lange brauchen wie die Kollegen im Auto, die auf dem Weg vom Parkplatz zum Firmentor noch viel Zeit lassen.

Die Kundschaft werde immer jünger und sportlicher, haben beide Radverkäufer festgestellt. Die Hersteller haben sich darauf eingestellt und liefern flotte E-Bikes. „Das sportliche E-Mountainbike ist schwer im Kommen. Die Modelle werden immer stylischer“, sagt Ordowski. Der Antrieb, sagt Miriam Werner, kommt meist vom deutschen Marktführer Bosch, immer häufiger auch vom japanischen Hersteller Yamaha.

Krafteinsatz bis sich das Zahnrad biegt

Beim populären Mountainbike-Cup in Münsingen am Wochenende wurde erstmals eine von Bosch gesponserte E-MTB-Challenge ausgetragen. Insgesamt 42 Fahrer waren auf Mountainbikes mit E-Antrieb am Start der 38 Kilometer-Schleife über Stock und Stein. „Alle sind im roten Puls-Bereich gefahren. Es war ein heißes Rennen“, erzählt Matthias Klumpp, einst Triathlon-Profi, heute Marketing-Leiter beim Hauptsponsor Alb-Gold. Vorne platziert haben sich letztlich die Fahrer, der am besten mit der Akku-Unterstützung haushalteten.

Der Sieger im E-Bike-Rennen war mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 30 Stundenkilometer zehn Minuten früher im Ziel als der Gewinner im Rennen der MTBs ohne Hilfsaggregat. Dabei, erzählt Klumpp, hätten vor allem beim Antritt die potenzierten Wattzahlen zu einigen Defekten geführt. Ein Fahrer habe dabei sein Kettenblatt verbogen – um fast neunzig Grad.

Während normale Rennräder zu Ladenhütern verkommen, hat ein Hersteller bei der Rad-Messe in Friedrichshafen erstmals eine Rennmaschine mit kaum mehr sichtbarem Akku und Motor präsentiert. Ob das dem Rennrad-Verkauf neues Leben einhaucht, ist ungewiss. Im Profi-Sport waren sie da möglicherweise schon wieder ein Stückchen weiter. Stichwort „gedoptes Rad“. Vor fünf Jahren soll der Schweizer Fabio Cancellara dank eines im Rahmen versteckten Motors die Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix und die Flandernrundfahrt gewonnen haben. Wenn’s so war, eine üble Sache, findet Ex-Profi Ordowski, aber technisch absolut machbar. Deshalb hat die UCI bei den großen Rennen längst Kontrollen organisiert. Mit einem Röntgengerät werden seither die Rennmaschinen durchleuchtet.

Pedelec-Käufer werden immer jünger, die Räder immer schneller und renntauglicher
Ein Bild, an das man sich gewöhnen wird: MTB-Rennfahrer auf dem E-Bike, wie hier beim Münsinger Alb-Gold-Cup. Bild: Sterr

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10.10.2015, 12:00 Uhr
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