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Anpfiff

Pedelec

Die Nummer ist Ihnen bekannt, oder? Austrainiert wie ich bin, schon einige hundert Trainingskilometer auf dem Rennrad in den Beinen, fahre ich das Neckartal lang, weit vor mir eine Hausfrau mittleren Alters mit Einkaufstasche auf dem Hinterrad. Der biete ich für eine paar Meter Windschatten, denke ich generös. Doch eigenartig: Der Abstand wird nicht kleiner.

10.10.2015
  • Bernhard Schmidt

Es braucht einen höchst kraftraubenden Zwischensprint, um ans Hinterrad der Radlerin zu kommen. Ein kurzer Blick aufs Unterrohr gibt Auskunft – alles klar, die Dame setzt auf elektrische Unterstützung.

Und die stetig wachsende Fraktion der E-Biker scheut auch nicht den steilsten Anstieg. Unlängst wagte ich mich mal wieder auf die Lichtensteiner Kalkofen-Rampe. Ein sechs Kilometer langer Alb-Aufstieg, der es immerhin ins Grusel-Kabinett von „quaeldich.de“ geschafft hat. Der bietet dem ehrgeizigen Radsportler die Gelegenheit, dank je eines Automaten am Einstieg und am Ziel die gefahrene Zeit zu messen – und, von nichts kommt nichts, auch stetig zu verbessern. Zwei Kilometer vor der Passhöhe höre ich über mir Stimmen. Mit großer Mühe kämpfe ich mich an die fröhliche Senioren-Ausflugsgruppe ran. „Wo geht’s denn hier zur Nebelhöhle?“ so die freundliche wie entspannte Frage. „Immer geradeaus, dann sehen Sie schon die Parkplätze“, stoße ich aus, schwer nach Luft ringend.

Schon in der vor-elektrischen Zeit verschaffte dem Rennradler ein Blick auf des Radlers Unterrohr Klarheit. Ein Fahrer mit definierter Wadenmuskulatur und rasierten Beinen vermittelte nur ein Signal: kein guter Windschatten, lass ihn ziehen. Heute sind es weniger die strammen Waden als das dicke Unterrohr, das alles klärt. Bei der wachsenden Zahl der sportlichen E-Biker ist das Signal das gleiche wie einst bei den rasierten Semi-Profis: Lass Sie fahren.

Früher hat sich der Radsport-Purist noch die Nase über die E-Biker gerümpft, über die „elektrisch-gedopten Weicheier“ gekrumpelt. Doch längst gilt auf den Radwegen das Prinzip der friedlichen Koexistenz. Mitunter ist allerdings auch Vorsicht geboten. Die Kombination graue Haare und Akku-Verdickung kann auch Warnsignal sein. Denn Dank Elektro-Hilfsmotor trauen sich wieder Senioren auf die Straße, die Jahrzehnte nicht mehr im Sattel saßen – und die, nach Gleichgewicht suchend, die ganze Radwegbreite brauchen.

Die überzeugten Rennradler haben längst ihren Frieden mit der E-Bike-Konkurrenz gefunden. „Besser ist es doch, wenn mich mehr E-Bikes überholen als Autos“, sagt Volker Ordowski, zwölf Jahre als Profi unterwegs. Der 42-Jährige, der mittlerweile bei Trautwein Fahrräder verkauft, hält angesichts der unbestreitbaren ökologischen wie ökonomischen Vorteile den Dünkel der Radsportler für überholt. Immer sportlicher sei die E-Bike-Kundschaft. „Wenn mich dann mal einer überholt, dann finde ich das nicht dramatisch, da stehe ich doch drüber.“ Und für Miriam Werner, aktive Radsportlerin und Rad-Verkäuferin bei Transvelo, fährt zweigleisig. Neben dem Rennrad für die langen und gebirgigen Touren steht ein Pedelec in der Garage: „Gibt’s was Besseres, um einkaufen zu gehen oder zur Arbeit zu fahren? Ich bin oft schneller als mit dem Auto und kann auch noch Geld sparen.“

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10.10.2015, 12:00 Uhr
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