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Pop

Party mit Powerfrau Pink

44 000 Fans bejubeln die US-Sängerin auf ihrer „Beautiful Trauma“-Welttournee mit Band und Tänzern in der ausverkauften Stuttgarter Arena.

12.07.2019

Von CLAUDIA REICHERTER

Pop-Rock-Sängerin Pink startet die Konzerte ihrer „Beautiful-Trauma“-Tour vom pinken Trapez über der Bühne aus. Foto: Henning Kaiser/dpa

Stuttgart. Die Frage lautet eigentlich nur: Ist sie wirklich so gut? Immer noch? Nach 28 Jahren auf der Bühne? Denn mit öffentlichen Auftritten angefangen hatte Alecia Moore schon 1993. Und sich dazu Steve Buscemis „Reservoir-Dogs“-Film-Farbe Pink als Künstlernamen zugelegt. Ihr Debütalbum „Can't Take Me Home“ ist im Februar 2000 erschienen. Damit ging es für die damals 20-Jährige aus dem Stand ab durch die Decke.

Da, also ganz oben, befindet sich die US-amerikanische Sängerin mit katholisch-jüdischen sowie deutsch-irisch-litauischen Wurzeln bis heute. Durchgängig, anhaltend und unbestritten, obwohl sie schon von der zweiten Platte an konsequent ihr eigenes Ding gemacht hat. Zum Missfallen manch eines Musik-Moguls.

Von dort, also von der Decke, schwebt sie zu Beginn des mit 44 000 Fans ausverkauften Konzerts ihrer nun schon zwei Jahre andauernden „Beautiful Trauma World Tour“ am Mittwoch in Stuttgart anfangs auch herab.

Bei einem Open Air fehlt das Dach, aber Decken-Streben gibt es im Mercedes-Benz-Stadion durchaus, und von denen seilt sich die heute 39-Jährige im schwarzen Glitzer-Catsuit lustvoll an einem pinkfarbenen Trapez turnend und an Bungee-Bändern immer wieder hoch- und runterhüpfend auf die mit siebenköpfiger Band, zwölf Tänzern und Alice-im-Wunderland-mäßig verdrehten pinken Straßenlaternen ausgestattete Bühne ab. Dazu singt die Frau mit dem hochgebürsteten blonden Undercut, programmatisch perfekt passend: „Get The Party Started“.

Danach räkelt sie sich zu „Beautiful Trauma“ vom gleichnamigen nun schon vorletzten Album – zuletzt erschien im April „Hurts 2B Human“ – auf einem pinkfarbenen Sofa, wirft sich einen schwarz-pinken Langmantel über und begrüßt zu „Just Like A Pill“, erneut vom frühen Hammer-Album „M!Ssundaztood“, auf dem ins Publikum hineinreichenden Laufsteg ihre Fans. Mit einem salvenschnell, aber zart wiederholten „Dankedankedanke“. Und: „Wie geht es euch allen?“ Darauf folgen zwei Stunden frenetisch umjubelte und lauthals mitgesungene Pop-Hits von sechs ihrer acht Erfolgsalben, die sich bislang weltweit insgesamt mehr als 90 Millionen Mal verkauften: „Funhouse“ mit No Doubts „Just A Girl“-Einsprengsel. „Just Give Me A Reason.“ „Just Like Fire“, umrahmt von himmelhohen Feuerfontänen. Bis zum ganz schlicht in weiten Jeans und T-Shirt vorgetragenen „Glitter In The Air“.

Dann stürzt ihr das zweieinhalbjährige Söhnchen Jameson Moon in die Arme. Victory-Zeichen aussendend und winkend verlassen beide um elf zusammen die Bühne.

Davor hatte Pink, die sich selbst mit einem Ausrufezeichen anstelle des i schreibt, aber noch ein Akustik-Set mit Gitarrist Justin Derrico und Duett-Partner Wrabel eingelegt. Cyndi Lauper und Bishop Briggs würdigt sie mit Coverversionen und kommt in Bild- und Video-Einspielern immer wieder auf ihr wichtigstes Anliegen zurück. Allen, die sich hässlich, übersehen, zornig fühlen, will sie Mut machen: Kämpft um euch selbst, seid gut zueinander, macht einen Unterschied.

Sie selbst gelte als zu maskulin und zu kräftig. „Soll ich meine Haare wachsen lassen? Soll ich meinen Körper verändern?“ – „Nein, Mama“, sage da ihre sechsjährige Tochter Willow Sage stets. Klar, steht doch gerade Powerfrau Pink, diese eigenwillige No-Shit-Popsängerin, die uns im beginnenden 21. Jahrhundert einen gangbaren Weg durch den Post-Emanzen-Dschungel der Prä-„MeToo“- und Vor-Liv-Strömquist-Ära wies, für den entscheidenden Unterschied.

Im 20. Jahr ihrer Weltkarriere sticht sie nicht nur durch gekonnten Ausdruckstanz zu „Try“ hervor, oder die akrobatisch-energetisch-bunte Show, die im gut dreieinhalbminütigen horizontalen Bungee-Flug zum rockigen „So What“ durchs Stadion gipfelt. Sondern durch „kindness“ und „compassion“, Herzlichkeit oder Güte und Mitgefühl. Werte, die sie einfordert und selbst überzeugend verkörpert – auch als bestbezahlter weiblicher Promi des Jahres, zu dem sie 2018 aufgrund von angeblich mehr als 46 Millionen Euro Einnahmen das Forbes Magazin gekürt hatte.

Die Antwort auf unsere Eingangsfrage kann also nur lauten: Ja, sie ist. So gut. Umwerfend, einzigartig. Immer noch.

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Erstellt:
12. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 06:00 Uhr

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