Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Paradies

Paradies

Im zweiten Weltkrieg berühren sich die Lebenswege einer Widerstandskämpferin, eines Kollaborateurs und eines SS-Offiziers.

Paradies

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

Ray
Russland 2016

Regie: Andrey Konchalovskiy
Mit: Yuliya Vysotskaya, Christian Clauß, Philippe Duquesne

132 Min.

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
04.06.2017
  • Klaus-Peter Eichele

Der SS-Offizier Helmut (Christian Clauss) hat eine klare Vorstellung vom Paradies auf Erden. Es ist eine harmonische Gemeinschaft aller Arier auf Kosten der restlichen, in seinen Augen rassisch minderwertigen Menschheit, die versklavt oder vernichtet wird. Dass der Spross eines alten deutschen Adelsgeschlechts die Literatur, speziell die russische, liebt, tut seiner glühenden Hitler-Verehrung keinen Abbruch. Leicht irritiert wird sein Weltbild erst, als er bei der Inspektion eines Vernichtungslagers die dorthin deportierte Exil-Russin Olga (Yuliya Vysotskaya) wiedertrifft, mit der er vor dem Krieg eine Affäre hatte und die er immer noch begehrt.

Die einst vor den Bolschewisten nach Frankreich geflohene Aristokratin hat sich nach dem Einmarsch der Deutschen in Paris der Résistance angeschlossen und zwei jüdische Kinder versteckt. Nach ihrer Verhaftung wird sie von dem französischen Polizisten Jules (Philippe Duquesne) verhört, einem biederen Familienvater, der seinen Dienst unter der Diktatur genauso pflichtschuldig und gelegentlich korrupt verrichtet, wie zuvor in der Demokratie.

Konventionell erzählt, wäre diese Geschichte dreier Europäer in der Zeit des Nationalsozialismus, deren Lebenswege sich an entscheidenden Stellen berühren, wohl ein schwülstiges Melodrama geworden. Diese Blöße gibt sich der russische Regie-Veteran Andrei Konchalovsky („Runaway Train“) jedoch nicht. So lässt er den Überzeugungstäter, den Opportunisten und die Humanistin einen Großteil ihrer Lebensgeschichten frontal in die Kamera sprechen, als säßen sie in einem Verhör oder vor einem imaginären Gericht.

Die gespielten Szenen wiederum sperren sich in ihren formstrengen Arrangements und den kühlen Schwarz-weiß-Bildern gegen jeden Anflug von Rührseligkeit. Mit diesen Kunstgriffen macht der Regisseur deutlich, dass es ihm weniger um individuelle Schicksalverstrickungen geht als um das Exemplarische der drei Lebensläufe. Letzten Endes stellt „Paradies“ die zeitlosen Fragen: Warum wird der Mensch zum Wolf seiner Spezies‘ und wie kann er sich andererseits inmitten der Barbarei seine Menschlichkeit bewahren?

Drei Biografien fügen sich subtil zum Epochenporträt Europas unter der Barbarei des Nationalsozialismus.

Spielplan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.06.2017, 11:11 Uhr
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Zuschauer-Stimmen
Ein herausragender Film, zu Recht wird er als ein "deutscher Kaurismäki" bezeichnet. Als "Liebesfilm" würde ich ihn allerdings in keinster Weise bezeichnen, diese Szenen sind nur ein kleiner Teil. In erster Linie wird ohne viele Worte die aussichtslose Lage der prekär beschäftigen Menschen gezeigt, die beispielsweise trotz Verbots weggeworfene Lebensmittel direkt am Container im wahresten Sinne des Wortes "verschlingen". Sie versuchen, sich ihre Würde und auch ihren Humor zu bewahren. Interessant ist es, die Kurzgeschichte von Clemens Meyer zu lesen, sie umfasst nur 25 Seiten. Die Umsetzung im Film ist hervorragend gelungen, einige wenige Szenen wurden verändert bzw. hinzugefügt.
Elli Emann über In den Gängen
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Neue Trailer
Neueste
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram

Kino Suche im Bereich
nach Begriff

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular