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Krach unter Bischöfen ist einkalkuliert

Papst Franziskus eröffnet dreiwöchige Familiensynode mit Messe im Petersdom - Wirbel nach Outing eines homosexuellen Vatikan-Theologen

Spannung ist garantiert: Die gestern eröffnete Bischofssynode im Vatikan behandelt heikle Themen. Das Treffen ist auch eine Bewährungsprobe für Papst Franziskus und seine Idee von einer offenen Kirche.

05.10.2015
  • MIRIAM SCHMIDT KLAUS BLUME, BEIDE DPA

Zum Auftakt wird es noch einmal feierlich. Mit einer Messe eröffnet Papst Franziskus an diesem Sonntag die Familiensynode im Vatikan. Der Argentinier betont die Unauflöslichkeit der Ehe zwischen Mann und Frau. "Für Gott ist die Ehe keine Utopie der Jugend, sondern ein Traum, ohne den seine Geschöpfe zur Einsamkeit bestimmt sind", sagt das Kirchenoberhaupt in seiner Predigt und erinnert an die im Markus-Evangelium überlieferten Worte Jesu, wonach der Mensch nicht trennen dürfe, was Gott verbunden habe.

Zugleich geht Franziskus aber auch auf die Möglichkeit des Scheiterns ein und warnt vor einer "Kirche mit verschlossenen Türen", die sich selbst verrate. Der Mensch, der falle oder einen Fehler mache, müsse verstanden und geliebt werden, zitiert Franziskus seinen Vorvorgänger Johannes Paul II.

So harmonisch wird es in den kommenden drei Wochen in Rom selten zugehen: Bei der Bischofssynode stehen heikle Themen rund um Ehe und Familie auf der Tagesordnung. Um nicht weniger als den zukünftigen Kurs der katholischen Kirche unter Papst Franziskus geht es in diesen Wochen. Darüber werden die aus aller Welt angereisten 270 Bischöfe diskutieren und streiten. Dass es dabei zu Meinungsverschiedenheiten unter den Synodenvätern kommen wird, ist einkalkuliert und sogar gewollt. "Wir freuen uns, wenn es Turbulenzen gibt. Wir sind auf See, da sind Turbulenzen ganz normal", sagte der Generalsekretär der Synode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, im Vorfeld.

Auch Papst Franziskus hatte mehrmals betont, er wolle eine lebendige Kirche mit Diskussionen. Die Bischofssynode ist eine echte Bewährungsprobe für Franziskus' Idee von einer offenen Kirche. Anstatt allein zu entscheiden, wünscht sich der 78-Jährige einen Diskussionsprozess, der aber auch zu Ergebnissen führen soll.

Doch die Fronten zwischen Traditionalisten und Reformern scheinen verhärtet, die Aussichten auf einen breiten Konsens sind eher gering. Die Diskussionen eskalierten teilweise schon vor Beginn der Synode, einige warnten gar vor einer möglichen "Spaltung" der Kirche. Streitthemen gibt es genug: Scheidung, Abtreibung, Verhütung, den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und Homosexuellen.

Vor zwei Jahren, relativ kurz nach dem Beginn seines Pontifikats, hatte Papst Franziskus den Prozess der Diskussion angestoßen. Damals wurde ein erster Fragebogen an Gläubige in aller Welt verschickt - mit klarem Ergebnis: Viele von ihnen finden sich in den Vorstellungen der Kirche nicht mehr wieder. Zwischen ihrer Lebensrealität und der Lehre zu Ehe, Familie und Sexualität klafft eine große Lücke.

Wie also soll die katholische Kirche damit umgehen, wie darauf reagieren? Um diese Antwort wird nun seit fast zwei Jahren gerungen. Die Erwartungen an die Synode als vorläufigen Schlusspunkt des Prozesses sind daher hoch. Werden sich die Synodenväter dieses Mal auf einen Konsens einigen können? Gibt es eine vorsichtige Öffnung - oder wird die konservative Linie gestärkt? Einige Fragen dürften allerdings offen bleiben, denn die Synode will dem Papst zwar einen Abschlussbericht übergeben, doch was davon tatsächlich öffentlich wird und was sich innerhalb der Kirche ändert, das entscheidet am Ende ganz alleine Papst Franziskus.

Alle Anliegen wird die Synode nie befriedigen können. Zu unterschiedlich sind die Situationen auf den fünf Kontinenten und die Fragen, die die weltweit 1,2 Milliarden Katholiken umtreiben, davon 23,9 Millionen in Deutschland.

Für zusätzlichen Sprengstoff sorgte vor Beginn der Synode der Vatikan-Theologe Krzysztof Charamsa. "Ich möchte, dass die Kirche und meine Gemeinschaft wissen, wer ich bin: ein homosexueller Priester, glücklich und stolz auf eine eigene Identität", sagte der 43-Jährige in der Samstagsausgabe der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Der am selben Tag erscheinenden polnischen Ausgabe des Magazins "Newsweek" sagte der Pole, der Klerus sei "überwiegend homosexuell und traurigerweise auch homophob". Charamsa lebt seit 17 Jahren in Rom und war bisher Assistenzsekretär der Internationalen Theologischen Kommission im Vatikan, die an die Glaubenskongregation der Kurie angegliedert ist. Er unterrichtete Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Die Kirchenführung reagierte erbost. Sie enthob den Geistlichen prompt seiner Ämter im Vatikan.

Papst Franziskus eröffnet dreiwöchige Familiensynode mit Messe im Petersdom - Wirbel nach Outing
Papst Franziskus gestern im Petersdom bei der Auftaktmesse zur Familiensynode: Wochen voller kontroverser Diskussionen stehen dem Argentinier bevor. Foto: dpa

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05.10.2015, 12:00 Uhr
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