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Kommentar

Palmer schwingt die Reitgerte

Mit dem Interview in der jüngsten Ausgabe des Wochenmagazins „Spiegel“ hat sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer endgültig als Politiker entlarvt, der vor keinem Grenzzaun Halt macht und die „urgrünen“ Ideale allenfalls dann vertritt, wenn es um das Einsparen von Parkraum, um möglichst niedrige CO2-Werte oder um energetisch perfekte Häuschen geht.

15.02.2016

Von Christiane Hoyer

Ansonsten steht auf seinem Hof nur noch ein einziges Pony: Palmer selber hat sich einen Ponyhof aufgebaut, in dem er selber die Reitgerte schwingt. Und wer ihm mit Gegenargumenten zu nahe kommt, ist „unrealistisch“ und gehört in die Welt der Pippi Langstrumpf.

Mag sein, dass er sich als Vater gerade öfters mit den genialen Kinderbüchern der schwedischen Autorin Astrid Lindgren beschäftigt und seiner kleinen Tochter aus der Welt von Pippi und ihren Freunden Annika und Thomas vorliest. Doch was hat Pippi Langstrumpf und ihr Pony mit der Not von Flüchtlingen zu tun, die aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland kommen? Was ist an Palmers Vergleich realpolitisch? Und wo verlässt er da nicht selber die Bühne des Realpolitikers?

Gegen die Bundes-Grünen teilt Palmer kräftig aus. Er unterstellt ihnen, die Flüchtlings-Situation zu unterschätzen. Er dagegen hat die Folgen der Zuwanderung aus dem Nahen Osten als OB zu tragen. Diese Position ist hinlänglich bekannt. Sie wird nicht dadurch besser, dass Tübingens OB sie gebetsmühlenartig in jedem Interview wiederholt. Und: Sie ist gefährlich. Wenn er von „grünen „Professoren“ spricht, die Angst um ihre „blonden Töchter“ haben, weil die Stadt in der Nachbarschaft ein Flüchtlingsheim bauen wolle, spielt Palmer damit auf der Klaviatur der Rechtspopulisten. Er ist sich nicht zu schade, allen männlichen Flüchtlingen aus Nahost (latenten) Sexismus zu unterstellen und bedient damit gängige Parolen von Pegida- und AfD-Anhängern.

Verrückte Welt, auf Palmers Ponyhof! Wo ist sein scharfer Verstand geblieben? Und wo sein uneingeschränkter Einsatz für die Grundrechte der Verfolgten auf Asyl? Allein an dem enormen Druck, den der Oberbürgermeister verspürt, um Wohnraum zu schaffen, kann es nicht liegen, dass er sich jetzt schon wieder auf eine Art und Weise aus dem Fenster lehnt, die niemandem nutzt. Seiner Partei nicht, eher der CDU, seiner Stadt nicht, und schon gar nicht den Flüchtlingen. Das Gestrüpp von Verordnungen, das Palmer beklagt, weil er möglicherweise wegen eines Juchtenkäfers keine Flüchtlingsunterkunft bauen kann, haben die Grünen mit ihren Umwelt-und Naturschutzbestimmungen ja selbst mitzuverantworten.

Und so wie man Palmer kennt, ist er der erste, der einen Weg findet, trotz Juchtenkäfer zu bauen. Dann soll er das bitte ohne öffentlichen Aufschrei auf Kosten von Flüchtlingen machen und sein Pony im Stall lassen.

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Erstellt:
15. Februar 2016, 14:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Februar 2016, 14:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2016, 14:00 Uhr

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