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Der Senat diskutierte über ein neues Universitäts-Logo

Palme schlägt Staubwedel

Die Grieshaber’sche Attempto-Palme musste schon viel Spott ertragen. Die einen nennen sie liebevoll „Hundeknochen“, auch als „Steinzeitkeule“ wird sie mitunter bezeichnet. Und doch haben sie viele irgendwie ins Herz geschlossen.

22.07.2009

Sie gehört halt zur Universität.

Seit dem Jahr 2000 sogar als offizielles Logo. In blauer Farbe (siehe unten) ziert sie derzeit noch die universitären Dokumente. Auch für das Internet ist sich die Palme nicht zu schade: Ruft man die Uni-Homepage auf, wird vor der www-Adresse eine klitzekleine Palme eingeblendet. Oder zumindest wissen die meisten Tübinger, dass das, was dort blau zu sehen ist, die Attempto-Palme sein soll. Genau das ist das Problem: Je kleiner die Palme dargestellt wird, desto schlechter ist sie zu erkennen. Das ist ein Grund dafür, warum das Rektorat sich überlegt, ob die Universität sich nicht lieber ein neues Logo zulegen sollte. Es hat deshalb eine Agentur beauftragt, Entwürfe auszuarbeiten. Die Ergebnisse wurden kürzlich nicht öffentlich im Senat vorgestellt.

Mit ihrem Vorschlag, künftig gänzlich auf die Palme zu verzichten, stieß die Agentur jedoch auf wenig Gegenliebe. „Die Palme knüpft an eine Tradition der Universität an“, sagt etwa der Radiologe und langjährige Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Claus Claussen. „Die Palme ist ein einmaliges Markenzeichen der Universität und man sollte sie nicht gegen ein nichtssagendes Logo eintauschen.“ Auch Prof. Joachim Ostwald bekennt sich zu der „Palmen-Fraktion“. „Sie hat einen guten Wiedererkennungswert.“

Der Medizinethiker Urban Wiesen hängt zwar nicht allzu sehr an der Palme. Will sie aber nur abgelöst wissen, wenn etwas wirklich Überzeugendes an ihre Stelle tritt. Am Ende sei es ohnehin nur „ein Streit um Symbole“, den man nicht mit unnötigem Zorn führen sollte.

Statt der Palme wollte die Agentur das mittelalterliche Universitäts-Wappen mit den gekreuzten Zeptern reaktivieren. Vielleicht, weil sich andere alte Universitäten ebenfalls mit einem Siegel oder Wappen präsentieren?

Doch Wappen mit gekreuzten Zeptern gibt es zuhauf. Weshalb die Agentur versuchte, die Uni-Zepter etwas unverwechselbarer zu machen. Zu diesem Zwecke kreuzte sie das Wappen mit der Grieshaber’schen Palme und heftete den Zeptern kurzerhand Palmwedel an. Das Ergebnis ähnelte frappierend einem Staubwedel, kommentiert Senats-Mitglied Thomas Nielebock, der sich ohnehin angesichts der ganzen Diskussion fragt: Braucht die Universität wirklich ein neues Logo?

Beträgt die Halbwertszeit universitärer Identität nicht mal mehr ein Jahrzehnt? Es war Uni-Rektor Hans-Werner Ludwig, der die letzte Image-Reform der Universität in Gang gebracht und zum ersten Mal den Begriff „corporate identity“ ins Spiel gebracht hat. Unter seinem Nachfolger Eberhard Schaich wurde dann 2000 der Image-Wechsel vollzogen. Die Palme löste die gekreuzten Zepter als offizielles Logo der Eberhard Karls Universität ab. Sie habe nämlich unter anderem den Vorzug, dass sie sich „in idealer Weise von den Logos aller traditionsreichen Universitäten weltweit abhebt“, so wurde damals argumentiert.

Auch neue Farben zogen ein: Dunkelblau mit weißer Binde, aufgepeppt durch orange Akzente. Jetzt schlägt die Agentur ein ins Braune tendierendes behäbiges Weinrot vor, das einen leicht muffigen Duft von Talaren verströmt.

Dem Uni-Rektor Bernd Engler, der derzeit auf einer Auslandsreise ist, bereitet die Attempto-Palme noch aus ganz anderen Gründen Magenschmerzen, wie er im Senat sagte: In der arabischen Welt könne es durchaus kritisch gesehen werden, wenn sich eine Universität dieses Symbol anhefte, das mit der Pilgerfahrt eines europäischen Herrschers in Heilige Land verbunden ist. Mit europäischen Herrschern hat man dort nicht nur gute Erfahrungen gemacht.

Die Agentur indes dachte bei der Palme weniger an Graf Eberhard und dessen Pilgerfahrt. Bei einer Palme, so kritisierte sie, assoziiere man Urlaub und Südsee. Sie sei deshalb das gänzlich falsche Symbol für eine Universität. „Aus meiner Sicht hat diese Agentur kein Gespür für eine Universität und ihr Logo“, meint Thomas Nielebock dazu.

Das Thema wurde jetzt über die Sommerpause vertagt. Die Entscheidungsbefugnis in dieser Sache liegt ohnehin nicht beim Senat, sondern beim Rektorat. Die Agentur wurde mit der Überarbeitung der Vorschläge beauftragt. Die bisherigen Entwürfe gelten noch als Verschlusssache . Am ehesten sieht es derzeit so aus, als könne man sich auf einen Kompromiss-Vorschlag einigen, den die Agentur ausgearbeitet hat: eine leicht veränderte Attempto-Palme, die einem Face-Lifting unterzogen wurde, um sie besser druckbar zu machen (siehe links). Herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten, Herr Grieshaber!

Angelika Bachmann

Palme schlägt Staubwedel

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22.07.2009, 12:00 Uhr
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