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"Keinen Frieden mit weiterem Siedlungsbau"

Palästinensische Friedensaktivistin Faten Mukarker hat wenig Hoffnung für den Nahen Osten

Die Palästinenserin Faten Mukarker sieht in der Rückzugsdrohung von Mahmud Abbas ein Signal. Lange sei über Frieden gesprochen worden, ohne den Siedlungsbau zu stoppen. Das passe nicht zusammen.

14.11.2009
  • ELISABETH ZOLL

Mahmud Abbas sagt, dass er sich nicht mehr als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen will. Ist der Friedensprozess damit zu Ende?

FATEN MUKARKER: Abbas hat ein Zeichen gesetzt. Seit 1993 leben wir in einem so genannten Friedensprozess und seitdem hat man uns so oft enteignet und unzählige illegale israelische Siedlungen gebaut. Abbas hat jetzt gesagt, wenn Israel nicht aufhört uns Land zu nehmen, brauchen wir keinen Friedensprozess. Denn Siedlungsbau und Frieden gehen nicht auf einen Nenner.

Abbas ist auch unter den Palästinensern umstritten. Was bedeutet seine Drohung für die Palästinenser?

MUKARKER: Viele haben erst jetzt bemerkt, was sie an ihm haben. Es gibt keine Alternative zu ihm.

War das dann nur ein Taktieren?

MUKARKER: Nein. Abbas hat US-Präsident Obama und dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu Bedingungen für eine erneute Kandidatur gestellt. Nun wird spekuliert, dass die ganze Autonomiebehörde zurücktreten könnte.

Das wäre ein Desaster . . .

MUKARKER: Ja und Nein. Warum sollen wir uns was vormachen: Wir haben Minister, wir haben einen Präsidenten, aber wir haben keinen Staat. Nur so tun als ob, das macht doch keinen Sinn.

Zu einer Annäherung zwischen der gemäßigten Fatah und der radikalislamischen Hamas hat die Drohung nicht geführt. Ist nicht auch der Bruderkrieg eine entscheidende Hürde?

MUKARKER: Abbas möchte mit einer Stimme reden, aber die Hamas dreht sich wie sie will. Wenn Abbas zurücktritt und keine Wahl stattfinden, hat nach dem Gesetz Parlamentsvorsitzender Aziz Dweik das Sagen - ein Hamas-Mann. Netanjahu hätte dann mit ihm zu tun.

Die Palästinenser setzten auf US-Präsident Barack Obama. Was ist aus dieser Hoffnung geworden?

MUKARKER: Obama sagte, es würden keine Siedlungen mehr gebaut. Wir hofften so, dass er dabei bleibt. Danach sieht es nicht mehr aus. Doch wenn nicht einmal Amerika Israel zwingen kann, mit dem Siedlungsbau aufzuhören, was sollen wir dann hoffen? Das macht mir Angst. Diese Entwicklung macht extreme Stimmen stark. Die sagen, was man uns mit Gewalt genommen hat, können wir uns nur mit Gewalt holen.

Glauben Sie selbst noch an eine gerechte Lösung für Palästina?

MUKARKER: Wie soll ich die Frage beantworten - von meinem Kopf her, von meinem Herzen oder von meiner Religion? Ehrlich gesagt, ich habe Angst vor der Antwort, die aus meinem Mund herauskommt. Deswegen gebe ich nur meine Religiöse: Als Christin darf man die Hoffnung nicht aufgeben - auch wenn man dafür die Realität manchmal beiseite schieben muss.

Sie sind vor 31 Jahren nach Palästina zurückgekehrt. Wie hat sich ihr Leben verändert in dieser Zeit?

MUKARKER: Wir haben keinen normalen Alltag. Bis 1987 war es ruhig, dann kam die erste Intifada. Es folgte der Golf-Krieg. Für die Israeli gab es Gasmasken, für uns nichts. Wir hatten Todesangst. Dann das Auf und Ab des Friedensprozesses mit dem absoluten Tiefschlag der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Rabbin. Dann die zweite Intifada. Der Tod kam ins Haus. Schließlich der brutale Krieg in Gaza. Ich will die israelischen Opfer nicht kleinreden, den Beschuss israelischer Siedlungen durch die Kassam-Raketen. Doch die Bombardierung Gazas durch die israelische Armee stand in keinem Verhältnis. Al-Dschasira übertrug: 21 Tage 24 Stunden lang. Wie soll ich die Bilder vergessen? Das Gesetz Auge um Auge, Zahn um Zahn diente ursprünglich nicht der Rache, sondern der Verhältnismäßigkeit in der Gewalt. Das hat man vergessen.

Sie kommen nach Deutschland. Was bedeutet Reisen für Sie?

MUKARKER: Der nächstgelegene Flughafen in Tel Aviv liegt 40 Autominuten von uns entfernt. Wir dürfen ihn seit neun Jahren nicht benutzen, sondern müssen über Jordanien ausreisen - nicht direkt, sondern über die ägäische Wüste. Dazu müssen wir auf unserem Land unzählige israelische Checkpoints passieren. Wir warten stundenlang, werden schikaniert von jungen Männern, die sich wegen ihrer Waffen allmächtig fühlen. Doch eine andere Möglichkeit haben wir nicht.

Info

Faten Mukarker

wird am Donnerstag um 19.30 Uhr in Ulm im Gemeindehaus St. Georg sprechen.

Palästinensische Friedensaktivistin Faten Mukarker hat wenig Hoffnung für den Nahen Osten
Faten Mukarker. Foto: Zoll

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14.11.2009, 12:00 Uhr
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