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Festtag für über hundert Ehepaare

Paare aus allen Landesteilen feierten mit dem Bischof ihre Liebe

Über hundert Ehepaare aus allen Landesteilen folgten am Samstag einer Einladung von Bischof Gebhard Fürst zu einem erstmals von der Diözese veranstalteten „Tag der Hochzeitsjubilare“. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Da berühren sich Himmel und Erde“.

24.09.2012

Von Fred Keicher

Rottenburg. „Die Heiligkeit“ des Festgottesdienstes beeindruckte Maria Chiriak, 84, ganz besonders. Sie war mit ihrem Mann Bachus, 88, aus Bietigheim-Bissingen gekommen, der Heimatstadt des Bischofs. Enkel Immanuel chauffierte die beiden nach Rottenburg. 63 Jahre sind sie schon verheiratet. 1949 schlossen sie in Bukarest den Bund der Ehe. 1979 kamen sie nach Deutschland. In Rumänien haben beide als Buchhalter im „Innenhandel“ gearbeitet, erzählt Maria Chiriak. Trotz mancher Einschränkung infolge ihres Alters machen die beiden Eheleute einen zurückhaltenden und eleganten Eindruck. Von Marias Handschrift auf dem Anmeldeformular waren die Frauen vom Organisationsteam hingerissen.

Der Bischof hatte für jedes Paar ein persönliches Wort und einen Segen. Der Festgottesdienst am Samstagvormittag dauerte denn auch gut zwei Stunden. Für viele Besucher aus liturgisch abgemagerten Seelsorgeeinheiten ein starkes Erlebnis, vor allem musikalisch. Die Altistin Carle sang eine Bach-Arie und eines von Dvoráks Biblischen Liedern. Domorganist Ruben Sturm begleitete geduldig den Gemeindegesang und verzierte Atempausen mit brillanten Improvisationen. Aus dem Choral „Großer Gott wir loben dich“ entwickelte er ein so faszinierendes Orgelnachspiel, dass mancher auf dem Weg nach draußen innehielt. Am Ende stürmischer Applaus.

Stürmischer Applaus für den Domorganisten

„Ohne Ehe ist kein Staat zu machen, aber auch keine Kirche“, bekräftige Pfarrer Michael von Rottkay. Der Leiter der in Stuttgart angesiedelten Ordinariatsabteilung „Kirche und Gesellschaft“ wollte das aber nicht so verstanden wissen, dass die Kirche nur diejenigen feiert, die den schwierigen Weg der Ehe lange und erfolgreich gegangen sind. „Wir haben alle eingeladen, die für sich etwas zu feiern haben. Vielleicht, dass sie das verflixte siebente Jahr gut hinter sich gebracht haben.“

Seelsorgerlich kümmere sich die Kirche um „alle familiale Formen“. Das seien Alleinerziehende und die unverheirateten Paare, die Sehnsucht nach „Nähe, Vertrauen und Verlässlichkeit“ leben würden. Und Wiederverheiratete gehören dazu, denen Rom die Teilnahme an den Sakramenten verbietet. „Da ist die orthodoxe Kirche viel weiter“, meinte von Rottkay. „Die definieren die Ehe zwar viel strenger als wir. Wir sagen ,bis der Tod euch scheidet?. Die sagen ,bis in alle Ewigkeit? und haben doch pragmatischere Lösungen für ein Scheitern gefunden.“

Zum Mittagessen spazierten die Paare hinauf in die Festhalle. Dort platzierten sie sich zufällig, so wie sie eingetroffen waren. So saßen etwa Paare aus Donzdorf neben denen aus Leutkirch. Auch die 14 Paare aus Heidenheim, die zusammen 611 Ehejahre auf dem Buckel und sich einen Bus gechartert hatten, gluckten nicht zusammen. Kunigunde Roll aus Donzdorf war ganz begeistert von den Begegnungen am Mittagstisch. Heiterkeit kam bei der Durchsage auf, die „Bild“-Zeitung suche Freiwillige für ein Bild mit dem Bischof.

Nachmittags schwärmten die Gäste aus. Hinunter in die Stadt. Pfarrer Michael Schneider führte durch die Morizkirche, Kustos Wolfgang Urban durchs Diözesanmuseum, und in die Musikschule lud Direktor Karlheinz Heiss zum gemeinsamen Schlagersingen ein. Ein Gesprächskreis im St. Meinrad-Gymnasium ging dem Geheimnis glücklicher Paare nach, ein anderer versuchte „in Zärtlichkeit und Erotik das Geheimnis Gottes zu erspüren“.

Eine Gruppe pilgerte auf der Spur biblischer Paargeschichten Richtung Weggental entlang einer Route mit sprechenden Namen: Schelmen (da wo der Bischof wohnt), Paradeisstraße und natürlich Ehehalde. Gerade dort kam die Theologin Mechthild Alber auf David und Bathseba zu sprechen, die Ungeheuerlichkeit des Begehrens und das Verbrechen der Hartherzigkeit. „Die Kirche hat ja immer versucht, die Liebe unter den Schutz des Rechts zu stellen.“ Leider, sagt Alber, erzähle die Bibel nur die ganz und gar unfrommen Geschichten von König David, der zum Ehebrecher, Lügner und zum Mörder wird, aber Einsicht zeigt. Aber nicht die von Bathseba.

Einfache, aber festlich gedeckte Kaffeetafel

Gegen vier Uhr kamen alle wieder zurück in die Festhalle. Eine einfache, aber festlich gedeckte Kaffeetafel wartete auf sie. Ein Hit muss das Schlagersingen gewesen sein, denn Hildegard Fauser aus Heidenheim trällerte immer noch „Wir wollen niemals auseinander geh?n“. Aus dem runden Saal der Festhalle kamen die Paare, die in Claudia Dreiers Tanzworkshop waren: Schweißperlen und Seligkeit auf den Gesichtern. Dreier, sie ist Pastoralreferentin in Tettnang, hatte im Schnelldurchgang zehn Tänze mit den Tanzwilligen geübt, vom Walzer bis Disco-Fox. „Für viele Paare“, hat sie beobachtet, „ist der Hochzeitstanz etwas ganz Wichtiges in ihrem Leben. So zeigen sie allen: Wir gehören zusammen.“

Die Heidenheimer freuten sich auf die Rückfahrt. „Dann zählen wir Kinder und Enkel zusammen.“ So wie es aussieht, wird der Bischof seine Einladung wiederholen müssen.

Nicht nur ältere, sondern auch jüngere Paare waren am Samstag zur Ehepaarfeier in den Rottenburger Dom gekommen.Bild: Keicher

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Erstellt:
24. September 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
24. September 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. September 2012, 12:00 Uhr

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