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Oster-Blutbad in Frankreich verhindert?
Zwischen Trauer und Wut: Am Sonntag störten demonstrierende Hooligans das Gedenken an die Terror-Opfer in der Brüsseler Innenstadt. Foto: dpa
Antiterror-Einsätze und Verhaftungen in mehreren Ländern

Oster-Blutbad in Frankreich verhindert?

Die Terroristen von Brüssel hatten internationale Kontakte. Frankreichs Sicherheitskräfte sind überzeugt, dass durch die Festnahme des Islamisten Reda Kriket in letzter Minute ein Attentat verhindert wurde.

29.03.2016
  • PETER HEUSCH (MIT AGENTUREN)

"Die Lunte brannte schon, wir haben sie im allerletzten Moment ausgetreten", meint ein Pariser Ermittler. Frankreichs Sicherheitskräfte sind überzeugt, dass im Großraum Paris am Osterwochenende eine weitere Terrorattacke drohte. Verhindert wurde sie ihnen zufolge allein durch die Festnahme des Islamisten Reda Kriket im Pariser Vorort Argenteuil. In der Wohnung des 34-jährigen Franzosen wurden am Donnerstag fünf Kalaschnikows, sieben Revolver, ein Maschinengewehr und jede Menge Munition sowie mehrere hundert Gramm TATP-Sprengstoff sichergestellt.

Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve hatte Krikets Festnahme persönlich bekanntgegeben und betont, der Fahndungserfolg habe ein "im fortgeschrittenen Stadium geplantes Attentat in Frankreich vereitelt". Offenbar wurde Kriket bereits seit mindestens zwei Wochen überwacht. Die Ermittler, die ihn als Kopf einer operativen Terrorzelle ansahen, hofften ursprünglich, durch diese Beschattung auch seine mutmaßlichen Komplizen zu identifizieren.

Doch da die Anschläge in Brüssel die Befürchtung wachsen ließ, dass auch Krikets Zelle unmittelbar vor dem Zuschlagen stehen könnte, entschloss man sich am Donnerstag zum Zugriff. Seither ist es - offenbar auf Drängen der französischen Dienste - zu weiteren Festnahmen in Belgien und den Niederlanden gekommen. Bei mindestens 13 Razzien in mehreren belgischen Städten wurden am Sonntag drei mittlerweile der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation angeklagte Männer verhaftet. Auch in Rotterdam griffen Fahnder am Sonntag zu und nahmen vier Männer fest. Unter ihnen befindet sich ein 32-jähriger Franzose, der in engem Kontakt zu Kriket stehen soll.

Eine Spur verlief aber im Sand: Belgische Ermittler ließen den am Freitag unter Terrorverdacht verhafteten Fayçal C. wieder frei. Eine Tatbeteiligung habe sich nicht bestätigt. C. ist offenbar nicht der gesuchte dritte Terrorverdächtige vom Brüsseler Flughafen, der auf Fahndungsbildern mit heller Jacke und Mütze zu sehen ist.

Gut gekannt hat Kriket auch Abdelhamid Abaaoud, den mutmaßlichen Drahtzieher der Pariser Anschlagsserie am 13. November. Beide Männer haben in Syrien für den IS gekämpft, beide wurden im vergangenen Sommer in Brüssel wegen Mitgliedschaft in einer Islamistenzelle zu langen Haftstrafen verurteilt - allerdings in Abwesenheit.

2011 war der in Frankreich mehrfach vorbestrafte und als äußerst gewalttätig geltende Kriket in den Brüsseler Stadtteil Ixelles gezogen. Dort schloss sich der Franzose einer von dem Islamisten Khalid Zerkani geführten Zelle an, die Kandidaten für den Dschihad anwarb und unter anderem Abaaoud sowie einen weiteren Pariser Attentäter, Chakib Akrouh, nach Syrien schleuste. Kriket soll die Zelle durch eine Reihe von Raubüberfällen mit Geld versorgt haben. Als 2014 ein internationaler Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, setzte er sich nach Syrien ab.

Innenminister Cazeneuve wollte dennoch nicht von "einer direkten Verbindung" zwischen den Attacken in Paris sowie Brüssel und dem nun durch die Festnahme Krikets vereitelten Anschlag sprechen. Noch nicht jedenfalls, denn in Ermittlerkreisen neigt man durchaus zu der "bislang zwar nicht bewiesenen, aber naheliegenden Annahme", es mit einem einzigen belgisch-französischen "IS-Tochterunternehmen" zu tun zu haben, das sich in mehrere Zellen geteilt habe.

Während die Sicherheitsbehörden ermitteln, trauern die Bürger. In Brüssel ist der Platz vor der alten Börse in den vergangenen Tagen zum zentralen Gedenkort geworden. Doch der Ort, an den Tausende zum Trauern kamen, wurde auch zu einem Ort der Wut. Am Sonntag störten aggressive Hooligans - schwarz gekleidet, kurz geschoren und teils vermummt - das Gedenken. Mehrere Hundert der teils Rechtsradikalen waren gekommen, vermeintlich, um gegen islamistische Terroristen zu protestieren. In kaum einer Stunde drängte ein massives Polizeiaufgebot die randalierende Gruppe mit Hilfe von Wasserwerfern zurück zum Bahnhof. Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur kritisierte, dass die Polizei des Ortes Vilvoorde nördlich der Hauptstadt die Hooligans nicht aufgehalten habe, von denen ein Großteil aus Flandern anreiste.

So wirft die gewalttätige Randale auf dem Börsenplatz ein Schlaglicht auf die Zerrissenheit Belgiens. Sofort entwickelte sich politische Polemik entlang der Sprachgrenze zwischen den niederländisch sprechenden Flamen und den französischsprachigen Wallonen. Trauer, Unsicherheit, Terroralarm - Belgien steht noch ein langer Weg bis zur Normalität bevor.

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29.03.2016, 08:30 Uhr
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