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Auch in Baden-Württemberg ist der Verbrauch relativ hoch

Ostdeutsche schlucken besonders viele Pillen

Die Kassenpatienten in Ostdeutschland bekommen besonders häufig Medikamente verschrieben, weil dort relativ viele Kranke wohnen. Aber auch in Baden-Württemberg sind die Ausgaben hoch.

24.07.2009
  • DIETER KELLER

In Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt zücken die Ärzte besonders häufig den Verschreibungsblock: 2008 verordneten sie ihren Patienten im Schnitt Medikamente für fast 500 EUR. In Bayern war es dagegen mit 387 EUR fast ein Viertel weniger. Baden-Württemberg liegt mit 414 EUR noch unter dem Bundesdurchschnitt. Das zeigt der Arzneimittel-Atlas 2009, den das Berliner Iges-Institut für den Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) erstellt hat. Schlucken die Ostdeutschen also übermäßig viele Pillen? Iges-Chef Bertram Häussler relativiert das: Eine wesentliche Rolle spielt, dass die Menschen dort relativ alt und häufiger krank sind. Berücksichtigt man dies, stehen die Patienten in Baden-Württemberg beim Pro-Kopf-Verbrauch an erster Stelle. Allerdings ist der Abstand zu Bremen, das nach dieser Analyse den letzten Platz belegt, mit 40 EUR nicht so groß. Für die Unterschiede zwischen den Regionen nennt Häussler noch einen anderen Grund: Neue Medikamente werden sehr unterschiedlich verordnet. Auf sie entfallen zwar in der Grundversorgung im Schnitt nur 1 Prozent aller Rezepte. Aber sie sind besonders teuer, weil die Hersteller während der Laufzeit der Patente keine Konkurrenz haben. Sie werden in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt fast dreimal so häufig verschrieben wie in Bremen. Baden-Württemberg und Bayern liegen hier nur leicht über dem Bundesdurchschnitt. Ist der Patentschutz abgelaufen, werden die Medikamente also deutlich billiger, dann werden sie in Bremen besonders häufig verordnet. Daraus schließt der VFA-Vorsitzende Wolfgang Plischke, dass die Ärzte dort den Patienten neue Mittel lange vorenthalten. Die Lebenserwartung bestätigt allerdings diese These nicht: Sie ist in Bremen genau so hoch wie in Ostdeutschland. Spezialisten wie Rheumatologen und Neurologen verordnen neue Medikamente zwar wesentlich häufiger als Hausärzte in der Grundversorgung. Dennoch liegt der Anteil von Arzneimitteln, die in den letzten fünf Jahren auf den Markt gekommen sind, in Deutschland insgesamt nur bei etwa 6 Prozent, klagt Plischke. In Ländern wie Frankreich, Spanien und Italien sei er mehr als doppelt so hoch. Sicher ist dagegen, dass die Ausgaben der Krankenkassen für Medikamente auch in den nächsten Jahren überdurchschnittlich steigen, und das trotz hoher Rabatte der Hersteller. Seit 1998 nahmen die Ausgaben jährlich im Schnitt um etwa 1,4 Mrd. EUR zu. Die Steigerungsrate ging allerdings von 7,5 Prozent auf etwa 5 Prozent zurück. Häussler erwartet, dass sie auch künftig jährlich um etwa 5 Prozent zunehmen. Damit würden sie weiterhin deutlich schneller steigen als die gesamten Ausgaben der Krankenkassen. Dafür spricht auch, dass die forschenden Pharmaunternehmen bis 2013 mit der Zulassung von rund 440 neue Arzneimitteltherapien rechnen. Das wäre eine deutliche Steigerung, denn im vergangenen Jahr waren es 31. Da kann Plischkes Forderung nicht verwundern, die Patienten müssten unmittelbar am medizinischen Forschritt teilhaben. Jede Einschränkung ginge unmittelbar zu Lasten der Patienten. Insbesondere sollten die Ärzte nicht mehr auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Verordnungen achten müssen. Wie das finanziert werden soll, lässt er offen.

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24.07.2009, 12:00 Uhr
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