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Ein Zeuge des Unglücks

Oskar Eyb beliefert Zeitungen mit Bildern von Unfällen

Er ist zur Stelle, wenn es brennt oder Unfälle auf der Autobahn passieren: Oskar Eyb. Dennoch mag der 29-Jährige den Begriff "Unfallfotograf" nicht. Und ein Paparazzi sei er erst recht nicht, betont er.

03.09.2012

Von SEBASTIAN STEEGMÜLLER

Stuttgart Sobald es auf Stuttgarts Straßen richtig knallt, ein Haus in Flammen steht oder irgendein schreckliches Unglück passiert, sind sie da, die Einsatzkräfte der Polizei, der Rettungsdienste und der Feuerwehr. Meistens sind sie in unter zehn Minuten am Ort des Geschehens - dicht gefolgt von Oskar Eyb, der kein Schaulustiger, sondern Unfallfotograf ist.

"Den Begriff schätze ich nicht sonderlich", sagt der 29-Jährige, der in den vergangenen acht Jahren fast 1000 Unfälle ablichtete. "Ich bin kein Paparazzi, sondern dokumentiere unter anderem für die Medien die Arbeit der Rettungskräfte." Auch den Tod hält er in regelmäßigen Abständen in seinem Sucher fest. "Das lässt sich nicht verhindern. Jedoch bemühe ich mich, dass man die Opfer auf den Fotos nicht sieht."

Auch ein Schuh, der unter einer Abdeckplane herausschaut, sei tabu. "Es ist schon befremdlich, wenn man die zugedeckten Leichen sieht", so Eyb weiter. "Was machst Du hier eigentlich", sei ein Gedanke, der ihm immer wieder durch den Kopf geht. "Wenn ein Geisterfahrer in eine Familie rast, geht das einem schon nahe." Betrunkene, die ihren Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit um einen Baum wickeln, dagegen eher weniger.

Den Einstieg in seinen Beruf fand Oskar Eyb schon während seiner Schulzeit. "Als freier Fotograf für eine kleine Lokalzeitung." Irgendwann haben ihm die "Karnickelzüchtervereine" gereicht. Er wollte seine Kamera ausreizen. "Vor allem Nachtaufnahmen und Brände sind eine Herausforderung." Autodiktatisch brachte er sich den Umgang mit Blende und Belichtungszeiten bei.

"Vor rund sechs Jahren habe ich dann bei Unfallbildern gemerkt, dass nicht nur meine Lokalzeitung, sondern auch die anderen Medien Interesse an meinen Fotos haben und diese nutzen möchten." Mit Erfolg - heute beliefert "7aktuell", so der Name seines Unternehmens, mit der Unterstützung von zehn freien Mitarbeitern ganz Baden-Württemberg mit Fotos und Informationen sowie sämtliche deutschen Fernsehsender mit Videos aus der Region.

"Selbst in Österreich und in der Schweiz wurden schon Beiträge von uns gesendet." Ein weiterer Geschäftszweig von Eyb und seinem Team ist die Produktion von Imagefilmen, zudem gebe er sowohl der Feuerwehr als auch der Polizei Öffentlichkeitsschulungen. "Was darf ich den Medienvertretern sagen, was muss ich zulassen, sind grundsätzliche Fragen, die beantwortet werden."

Sich auf seinen Lorbeeren ausruhen und seine Mitarbeiter machen lassen, ist für den Geschäftsführer, der zudem Wirtschaftswissenschaften studiert, nicht drin. "Auch wenn es durch das Team entspannter wurde, bin ich eigentlich 24 Stunden im Dienst." Die Kamera und das Notebook zum schnellen Versand der Bilder habe er immer im Auto mit dabei. Der falsche Ansatz sei es, nur auf die Rosinen zu warten und einen Termin nicht wahrzunehmen, weil er anfangs unspektakulär klingt. "Da würde ich viel verpassen. Oft wissen selbst die Einsatzkräfte vor Ort nicht, wie sich eine Situation entwickelt."

Apropos Rosinen - eine Formel für ein möglichst umsatzträchtiges Foto gibt es laut Eyb nicht. "Ich habe schon Bilder ohne Verletzte oder hohen Sachschaden sehr gut verkauft, als Featurebilder für Magazine beispielsweise, und andere indes überhaupt nicht. Man kann nie wissen." Auch das Sprichwort der "frühe Vogel fängt den Wurm" treffe nicht immer zu. "Natürlich versuche ich, so schnell wie möglich bei einem Unfall zu sein. Oft kann ich aber erst nach einer Stunde ein verwertbares Bild machen." Beispielsweise wenn ein Opfer aus einem Wrack geschnitten wird. Dann fotografiere er und sein Team so, dass niemand zu erkennen ist. Sollte das mal nicht möglich sein, weise man die Redaktionen auf ihre Pflicht zum Unkenntlichmachen hin.

"Zudem ist es mir wichtig, dass "wir uns unauffällig verhalten. Die Polizei und auch die Feuerwehr kennen uns und wissen, dass wir seriös arbeiten." Der gute Draht zu den Einsatzkräften sei in seinem Beruf das A und O. "Weil sie uns vertrauen, informieren sie uns teilweise schon kurz nach Eingang des Notrufs." Sowieso habe er vor dem Rettungsdienst den allergrößten Respekt. "Das Hilfesystem in Baden-Württemberg funktioniert super. Was an Unfallorten geleistet wird, ist außergewöhnlich, fast übermenschlich. Die Rettungskräfte sind so nah dran, auch vor der Arbeit der Bestatter ziehe er den Hut. "Sie alle erleben die Schicksalsschläge ganzer Familien direkt mit."

Fotograf Oskar Eyb bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn. Rund 1000 Mal ist er in den vergangenen acht Jahren im Einsatz gewesen. Foto: 7aktuell.de

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Erstellt:
3. September 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. September 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. September 2012, 12:00 Uhr

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