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Ausstellung

Ordnung ist des Künstlers Leben

Sie sind museal: Bildobjekte aus Leitz-Ordnern und Klebeetiketten, Skulpturen aus Radiergummis.

06.02.2018

Von BURKHARD MEIER-GROLMAN

Nur das Wort „Ordnung“ lässt sich auf Thomas Neumaiers Schreibmaschine tippen. Foto: Gerda Meier-Grolman

Bietigheim-Bissingen. Ein Hauch von Nostalgie weht durch die Städtische Galerie in Bietigheim-Bissingen. Hier darf sie zurückkommen, die gute alte Zeit, als in den Amtsstuben noch heftig und ausdauernd auf die Tastaturen der schweren Triumph-Schreibmaschinen eingehämmert wurde, Lineale und Radiergummis die Runde machten und die Topfpflanzen auf den mit Leitz-Ordnern voll gestopften String-Regalen kurz vor Dienstschluss noch einmal aus der quietschgelben Gießkanne begossen wurden.

Aber dass heutige Künstlerinnen und Künstler ohne Not ihre angestammten Ateliers verlassen und sich freiwillig in staubgesprenkelte Büroetablissements zurückziehen, um dort die Ordnungsliebe der Altvorderen zu studieren, das mutet schon etwas ungewohnt und seltsam an. Wenn der 1965 geborene Matten Vogel erklärt, dass das systematische Arbeiten bei ihm zwanghaft sei und dass er, wenn er kein Künstler wäre, ganz sicher Beamter geworden wäre, dann muss man sich doch fragen, wohin die Kunst da geraten ist.

Tragisch ist das natürlich alles nicht, denn die Beschäftigung mit den Büromaterialien vergangener Tage hat ihren nicht unerheblichen Reiz. Mit Klebeetiketten-Bildkompositionen, Radiergummi-Skulpturen und Aktenordner-Objekten lassen sich hochwertige Kunstarbeiten fertigen, die ob ihres bemerkenswerten ästhetischen Mehrwerts manch andere Ausstellungs-Exponate übertrumpfen.

Die Out-of-Office-Schau hat aber noch einen weiteren wichtigen Nebeneffekt: Mit den in die Kunst hereingeholten ausgedienten Büro-Utensilien wie Ordnern, Schreibmaschinen oder Radiergummis wird uns demonstriert, wie die fortschreitende Digitalisierung viele auch haptisch wunderbar erfahrbaren Teile unserer Alltags- und Arbeitswelt schon auf Nimmerwiedersehen aufgesogen und gefressen hat. Burkhard Meier-Grolman

Info „Out of Office“: bis 8. April in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen; Di, Mi, Fr 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr.

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Erstellt:
6. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2018, 06:00 Uhr

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