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Hobby

Oma hat beim ersten Outfit geholfen

Rund 90 Kostüme hat Sina Voss geschneidert. Wenn die Cosplayerin nicht auf Conventions unterwegs ist, arbeitet sie bei der Messe Stuttgart – dort, wo bald die „Comic Con Germany“ stattfindet.

15.06.2019

Von MELISSA SEITZ

Sina Voss hat an dem „Castlevania“-Kostüm rund sechs Tage gearbeitet. Foto: Ferdinando Iannone©

In einem Moment sitzt Sina Voss noch völlig unscheinbar auf einem Sessel in ihrer Altbauwohnung in Esslingen. Sie trägt ein weißes T-Shirt, eine schwarze Stoffhose und hat die Haare zu einem Dutt zusammengebunden. Keine 20 Minuten später ist sie ein komplett anderer Mensch. Die braunen Haare sind unter einer blonden Kurzhaar-Perücke verschwunden, von Kopf bis Fuß ist sie in einem langen Mantel aus blauen und schwarzen Stoffen gekleidet, eine große Kapuze ziert den Rücken. „Das Kostüm stellt die Figur Sypha aus der Netflix-Serie Castlevania dar“, sagt sie. Das ist nicht das einzige Outfit, das Sina Voss in ihrem Sortiment hat. In ihrer Freizeit ist sie Cosplayerin. Im Alltag arbeitet sie genau dort, wo am 29. und am 30. Juni die „Comic Con Germany“ stattfindet: auf dem Messegelände in Stuttgart.

Circa 90 Kostüme hat Sina Voss, die als Projektleiterin Lifestyle und Freizeit bei der Messe arbeitet, in den vergangenen 15 Jahren geschneidert. „Angefangen habe ich mit japanischen Anime- und Manga-Charakteren“, sagt sie. „Meine Oma hat mir beim Schneidern des ersten Kostüms geholfen.“ Damals versuchte sie sich am Outfit des Charakter Haku aus der Manga-Reihe „Naruto“. Eine Freundin hat Sina Voss auf den Cosplay-Geschmack gebracht. Sie erzählte ihr von einem kleinen Treffen in Stuttgart-Zuffenhausen und die Projektleiterin ging mit. Seitdem lässt sie die Cosplay-Szene nicht los. Waren es am Anfang noch Manga-Charaktere, die sie verkörperte, orientierte sie sich jetzt an Figuren aus westlichen Medien und Serien: zum Beispiel Belle von „Die Schöne und das Biest“, Daenerys Targaryen aus der Kult-Serie „Game of Thrones“ oder Prinzessin Leia aus dem Film „Star Wars“.

Für Sina Voss ist das Cosplay ein Hobby: „Ich finde es toll, etwas mit den Händen zu erschaffen.“ Dabei ist das manchmal eine richtige Herausforderung. In der Szene gilt nämlich eine Grundregel: Das Kostüm soll, so gut es geht, dem Original entsprechen. In Foren teilen sich Cosplayer über Stoffe und Schnitte aus. Sina Voss macht sich dann in den regionalen Bastel- und Stoffläden auf die Suche nach dem passenden Material. Über die Zeit hat sich davon einiges angesammelt: Ein Teil ihrer Wohnung ist voll und ganz dem Schneidern von Cosplay-Kostümen gewidmet. In einem Regal stappeln sich Stoffe, überall liegen Knöpfe und Fäden. Eine Näh- und eine Stickmaschine stehen auf dem Boden. In der Szene gilt aber auch das Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“: „Ein Freund hat mir eine Waffe mit seinem 3D-Drucker hergestellt“, erzählt Sina Voss.

Hat man als Cosplayerin nicht mit Vorurteilen zu kämpfen? Sina Voss nickt: „Ja, damals als noch niemand wusste, was das eigentlich ist. Aber inzwischen ist das Cosplay salonfähig.“ Wer sich als Manga-Figur, Filmcharakter oder als Gestalt aus einem Videospiel verkleide, sei kein Freak. Den Begriff „Nerd“ verwendet sie gerne, denn: „Das Wort ist für mich nicht negativ behaftet. Ein Nerd zu sein bedeutet, sich für etwas zu begeistern und leidenschaftlich dabei zu sein“, sagt sie.

Wenn Ende Juni die „Comic Con Germany“ in der Landesmesse stattfindet, wird Sina Voss nicht als Cosplayerin unterwegs sein. „Ich werde arbeiten, denn nicht alle Kollegen können mit meinen Kostümen etwas anfangen oder es verstehen, wenn ich verkleidet im Meeting neben ihnen sitze“, sagt sie und lacht. Aber wenn sie von der Stuttgarter Convention spricht, beginnt sie zu schwärmen. „Dieses Mal werden auch nachgebaute Sets zu sehen sein“, erklärt sie. So kann man sich zum Beispiel auf dem Dragonstone-Thron aus „Game of Thrones“ ablichten lassen oder auf dem Speeder-Bike aus „Star Wars“. Rund 500 Aussteller aus ganz Europa werden auf der Messe sein. Es gibt Merchandise-Produkte, Filmrequisiten und vieles mehr zu kaufen.

Zwei Neuheiten im Programm

Erstmals findet auch ein Mittelaltermarkt und Zukunftskongress parallel zur „Comic Con“ statt. Schmiede zeigen ihre Handwerkskunst, daneben gibt es frisch gebackenes Brot aus alten Holzbacköfen – serviert mit einem Becher Met oder Honigbier. Der Zukunftskongress bringt Wissenschaftler mit Science-Fiction-Autoren ins Gespräch. Dabei geht es um Fragen wie: Wie kann man nachhaltiger leben und wirtschaften? Und wie sieht modernes Wohnen aus?

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Erstellt:
15. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2019, 06:00 Uhr

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