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Leitartikel · HAMBURG 2024:

Olympischer Albtraum

01.12.2015
  • SWP

Von Wolfgang Scheerer

Tiefschlag für Sport-Deutschland, Schock und Desaster, Dolchstoß für die Entwicklung des Hochleistungs- und Breitensports unterhalb des Fußballs. All diese Schlagworte der Enttäuschung und Fassungslosigkeit, die dem Aus der Hamburger Bewerbung für 2024 jetzt folgen, stammen von den Befürwortern Olympischer Spiele. Die Bürger der Hansestadt haben mehrheitlich gegen den großen Plan votiert. Gründe für den olympischen Albtraum sind schnell gefunden, die Konsequenzen aber von weitreichender Bedeutung.

Nach der 2013 per Bürgerbegehren abgeschmetterten Münchner Bewerbung um Winterspiele 2022 und dem Hamburg-Fiasko ist an Olympische Spiele in Deutschland auf lange Sicht nicht mehr zu denken. Wer weiß, wie der Volksentscheid mit 51,6 Prozent Nein-Sagern in besseren Zeiten ausgegangen wäre? In diesen, auch für den Sport düsteren Tagen passt der Ausgang des Referendums ins Bild: Terroranschläge in Paris, das abgesagte Fußball-Länderspiel in Hannover, dazu die DFB-Affäre, der Fifa-Skandal und flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik - auch das hat die zunächst wachsende Zustimmung kippen lassen.

Die Abkehr von sportlichen Idealen und raffgierige Funktionäre, die sich ihre Taschen nicht voll genug stopfen können, haben viele nachdenklich gemacht. Gegner in solchen Situationen mit Zweifeln, Ängsten und Bedenken zu mobilisieren, fällt generell noch leichter. Die Ungereimtheiten beim Finanzierungsanteil durch den Bund haben die Opposition in Hamburg, angeführt von der Initiative "NOlympia", außerdem noch befeuert.

Mit einer demokratischen Legitimation wollten sich Hamburg und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bei der internationalen Bewerbung Pluspunkte verschaffen. Dabei war auf Nummer sicher gegangen worden: Weil in Berlin eine schwächere Zustimmung erwartet wurde, bekam Hamburg den Vorzug. Die Begeisterung am Austragungsort ist für das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein wichtiges Kriterium. Wie schnell diese olympische Idee zum Scheitern führen kann, hat Deutschland nun zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Jahren schmerzlich demonstriert. Frustrierend ist das auch für die vielen jungen Talente, die Tag für Tag trainieren - Bogenschießen oder Rudern, Fechten oder Judo. Sie hätte die sichere Aussicht auf Olympia im eigenen Land außerordentlich motiviert und angespornt.

Vergleiche London 2012: Da feierte die britische Mannschaft Medaillen-Rekorde. Mit der Entscheidung gegen eine Hamburger Bewerbung ist automatisch auch eine stärkere Förderung des Leistungssports durchgefallen. Nun kommt es nicht zum erhofften Katalysator-Effekt, zur sich multiplizierenden gemeinsamen Anstrengung von Sport, Politik und Wirtschaft für Sommerspiele in Deutschland. Gerade der DOSB hatte sich davon eine Kehrtwende versprochen. Die Ausbeute der deutschen Athleten ist seit der Wiedervereinigung immer geringer geworden. Bei Olympia 1992 in Barcelona waren es noch 82 Medaillen, in London 2012 nur 44. Nach der Abfuhr für Hamburg spricht, auch angesichts der politischen Sparzwänge, alles dafür, dass sich diese negative Entwicklung fortsetzt.

Vor genau 50 Jahren, Ende November 1965, hat München die Bewerbung für 1972 auf den Weg gebracht. Goldmedaillen-Gewinner wie Speerwerfer Klaus Wolfermann sind heute um die 70. Olympia in Deutschland, das war einmal. Selbst Thomas Bach, der IOC-Präsident aus Tauberbischofsheim, kann daran nichts mehr ändern.

Der Leistungssport

wird nach dem

Fiasko leiden

leitartikel@swp.de

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01.12.2015, 08:30 Uhr
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