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Ohne Druck, aber mit viel Selbstbewusstsein fliegt Jackie Baumann nach Rio
Hürdenläuferin Jackie Baumann. Archivbild: Hensel
„Ich weiß, was ich drauf habe“

Ohne Druck, aber mit viel Selbstbewusstsein fliegt Jackie Baumann nach Rio

Mit 20 Jahren zählt sie zu den jüngsten Olympia-Teilnehmerinnen im 450-köpfigen deutschen Athleten-Aufgebot für Rio. Deshalb setzt sich Jackie Baumann, am 15. August über 400 Meter Hürden am Start, auch nicht sonderlich unter Druck. Trotzdem geht sie das Jahres-Highlight mit viel Selbstbewusstsein an.

03.08.2016
  • Bernhard Schmidt

Tübingen. Jackie Baumann ist gut eine Woche vor dem Abflug nach Rio ein gefragter Gesprächspartner: Zuerst das Treffen mit dem TAGBLATT, danach TV-Auftritte beim SWR in der Landesschau und bei „Sport im Dritten“ (siehe unten). Die öffentlichen Auftritte hat sie so elegant gelöst wie der 400 Meter-Sprint über die zehn Hürden. Und dann hat sie am Sonntag bei der Olympia-Verabschiedung in Mannheim noch mal eben bewiesen, dass sie den nicht ganz gelungenen EM-Auftritt in Amsterdam gut verarbeitet hat. Sie siegte über ihre Spezialdisziplin in 57,69 Sekunden, stellte unter Beweis, dass sie sportlich auf dem richtigen Weg nach Rio ist.

Die offizielle Eröffnungsfeier am kommenden Freitag wird Jackie Baumann verpassen. Was ihr nicht viel ausmacht: „Vielleicht schau‘ ich’s mir ja im Fernseher an.“ In Rio gelandet, gehöre die ganze Konzentration und Vorfreude dem Wettkampf am darauffolgenden Montag, 15. August (21.30 Uhr Ortszeit). „Was gibt es Größeres, als vor so vielen Zuschauern in diesem Riesenstadion zu laufen“, sagt Baumann. Da rückt auch das oft gepriesene Treffen der Weltjugend im olympischen Dorf ein bisschen in den Hintergrund.

Frustrierend: Doping, das dominierende Thema

Nein, unter Druck setzen will sich die Olympia-Starterin aus Tübingen nicht. Das hat die 20-Jährige, der noch weitere internationale Highlights bevorstehen, auch gar nicht nötig. Was allerdings nicht heißt, dass es ihr an Ehrgeiz mangelt. „Ich bin in der Lage, Bestzeit zu laufen, wenn’s der Tag und das Rennen hergeben“, sagt sie selbstbewusst, „ich will jedenfalls eine gute Performance hinlegen. Ich weiß, was ich drauf habe.“ Was sie auf jeden Fall vermeiden will: sich irgendwann vorwerfen zu müssen, beim großen olympischen Auftritt nicht alles probiert zu haben.

Dass es für Rio reichen könnte, war ihr spätestens klar, als sie ihre Bestzeit innerhalb eines Jahres von 56,62 auf 56,19 Sekunden verbesserte und der DLV die Olympia-Norm runtergesetzt hatte. Bis zum Wettkampf in Mannheim hat Baumann die vollen Trainingsumfänge absolviert, erst wenige Tage vor dem Abflug wird sie die Einheiten reduzieren. In Rio ist der Bundestrainer für die Hürden-Kurzsprinter ihr Ansprechpartner. Umso wichtiger, dass sie – den sozialen Netzwerken sei dank – den Kontakt zu ihren Trainern, zu Mutter Isabelle Baumann und zu Sven Rees halten kann.

Vor dem Zika-Virus hat die Tübingerin keine Angst. „Den kann ich mir mittlerweile auch in der Schweiz einfangen. Außerdem bin ich ja auch nicht schwanger“, sagt Baumann und gibt zu bedenken: „Viel härter sind diese Infektionskrankheiten doch für die armen Leute in Brasilien, die in einer Favela leben müssen.“ Nicht nachvollziehbar sind für sie auch die Diskussionen über angeblich fehlende Standards in den Unterkünften. „Da wäre mehr Gelassenheit angebracht. Es ist doch klar: Man darf da kein Luxusressort erwarten.“

Natürlich habe sie sich auch gehörig geärgert über das mittlerweile viele andere Aspekte verdrängende, das Image der Leichtathletik nachhaltig beschädigende Doping-Thema, ausgelöst durch den offensichtlich staatlich geförderten Betrug in Rußland. Grundsätzlich müsse sie aber, solange keine gegenteiligen Beweise vorliegen, davon ausgehen, dass sie in Rio gegen Konkurrentinnen läuft, die sauber sind. „Es ist aber ein ganz falsches Signal, wenn Yuliya Stepanova, die Kronzeugin, die alles aufgedeckt hat, in Rio nicht starten darf“, kritisiert Baumann mit dem Verweis auf Athleten, die, wie der US-Sprinter Justin Gatlin, schon zwei Mal wegen Doping-Missbrauchs gesperrt worden waren und jetzt wieder starten dürften.

Die Mutter Trainerin, der Vater Olympiasieger – Jackie Baumann, Lehramtsstudentin für Geschichte und Sport, ist Leistungssportlerin mit Leib und Seele, nicht zuletzt der Herkunft wegen. Doch auch ihr, so räumt sie freimütig ein, kämen immer mal wieder Zweifel. Nach einer besonders harten Einheit beispielsweise: „Da frag ich mich dann schon mal: Warum tu ich mir das an?“

Die Olympia-Novizin lässig und gelöst im SWR-Studio

„Ihr Name steht für Qualität“, schickte der Moderator in Anspielung auf den Papa, Olympiassieger von Barcelona, dem Beitrag voraus. Das gilt in mehrfacher Hinsicht: Fröhlich, locker und gelöst präsentierte sich Jackie Baumann als Gast von Michael Antwerpes bei „Sport im Dritten“ am Sonntagabend. Maßgeblich dazu beigetragen hat der andere Studiogast, Marathonmann Arne Gabius. Die Kombination schuf viele Gelegenheiten, sich die Bälle gekonnt zuzuspielen: Die Tübingerin und der Ex-Tübinger, die Sprinterin und der Langstreckler, die Olympia-Novizin und der verhinderte Rio-Fahrer – beide Leistungssportler zwar, aber auf ganz unterschiedlichen Distanzen und mit unterschiedlichen Lebensentwürfen. Dazu Einspielungen aus der Heimat mit der Unistadt als perfekte Kulisse: Jackie Baumann beim Training auf der blauen Bahn im SV 03-Stadion, in der Freizeit auf der Platanenallee mit Blick auf Tübingens Schokoladen-Front.

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03.08.2016, 01:00 Uhr
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