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Unter den Stadtwerken wächst die Unruhe

Ökostrom-Boom treibt kommunale Kraftwerke in die roten Zahlen

Die Stadtwerke ächzen unter der Energiewende. Neue Kraftwerke, die ihnen einen höheren Anteil an der Stromerzeugung sichern sollten, rechnen sich nicht mehr. Sie sind sie zu selten am Netz.

26.01.2013

Von DPA

Essen/Aachen Die Riesen am Energiemarkt wie Eon und RWE klagen lautstark über Gewinneinbrüche mit ihren Gas- und Steinkohlekraftwerken. Doch auch die Verbünde der Stadtwerke, über die sie gemeinsam Kraftwerke betreiben, kommen nicht mehr über die Nulllinie hinaus, weil der Strompreis an der Börse durch die Wind- und Sonnenstromschwemme abgestürzt ist. Der Verbraucher spürt davon aber fast nichts, weil auf den Endkundenpreis noch die Kosten für die Ökostromförderung und die Netzentgelte aufgeschlagen werden.

Aber die Stadtwerke haben dennoch Probleme: Wegen des Einspeisevorrangs der Erneuerbaren Energien kämen manche Kraftwerke gerade noch auf 500 bis 1000 Betriebsstunden im Jahr, sagte der CDU-Bundestagsfraktionsvize Michael Fuchs. Die Gewinnzone liegt bei etwa 4000 Stunden.

Mangels der nötigen Erträge für die Deckung der Kapitalkosten werden branchenweit Neubauprojekte verschoben. Gleichzeitig müssen aber auch die Stadtwerke viele Millionen in Erneuerbare Energien investieren, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen.

Vor diesem Hintergrund herrscht Unruhe beim größten deutschen Stadtwerke-Konsortium Trianel in Aachen, an dem neben der Ulmer SWU Energie beispielsweise auch die Stadtwerke Schwäbisch Hall, Sindelfingen und Tuttlingen beteiligt sind. Zu Jahresbeginn wurde die Insolvenz der Flensburger Förde Energiegesellschaft bekannt. Das Unternehmen aus dem Stadtwerkebereich hatte sich mit einer Beteiligung am Trianel-Kraftwerk in Lünen übernommen. Der Verbund Trianel von über 50 Stadtwerken und Regionalversorgern rechnet zwar 2012 noch mit Schwarzen Zahlen, aber etwa vom jahrelang lukrativen Gaskraftwerk in Hamm komme 2013 kein Gewinn mehr, sagt Vorstandschef Sven Becker.

"Die Energiewende hat alles aus den Angeln gehoben." Bei den geplanten Investitionen von 800 Mio. EUR für ein modernes Gaskraftwerk in Krefeld laufe das Genehmigungsverfahren weiter, der Zeitplan werde aber überprüft. Trianel fühlt sich doppelt belastet: Die konventionellen Kraftwerke bringen nichts mehr, und beim Off-Shore-Windpark Borken sieht Trianel aktuell einen entgangenen Gewinn von rund 100 Mio. EUR durch den verspäteten Anschluss. Trianel klagt deshalb gegen den Netzbetreiber Tennet.

Auch die acht Steinkohlekraftwerke des fünftgrößten deutschen Versorgers Steag - mehrheitlich in der Hand von Ruhrgebietsstadtwerken - haben nach Aussage eines Insiders 2012 gerade mal eine "schwarze Null" erwirtschaftet.

Die Stadtwerkeunternehmen müssten aufpassen, dass sie ihre Kräfte in der Energiewende nicht überstrapazierten, warnt ein seit vielen Jahren in der Branche tätiger Berater. Er will seinen Namen aus Rücksicht auf die Kundschaft nicht veröffentlichen. Erneuerbare Projekte seien investitionsintensiv, die nötige Investitionskraft fehle den Unternehmen aber oft, weil Gewinne von den Stadtwerke-Kommunen in die allgemeinen Haushalte abgesaugt würde.

Einen Lösungsvorschlag für den gesamten Energiemarkt sieht CDU-Mann Fuchs darin, Ökostrom-Produzenten sollten verpflichtet werden, zu ihrem Wind- und Sonnenstrom einen bestimmten Anteil an gesicherter Leistung - in der Regel konventionelle Energie - dazuzukaufen. Das würde die Nachfrage nach Gas- und Kohlestrom und damit die Preise wieder deutlich erhöhen.

Das Gaskraftwerk der Trianel-Gruppe in Hamm schrammte im vergangenen Jahr knapp an roten Zahlen vorbei. Foto: Trianel

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Erstellt:
26. Januar 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Januar 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2013, 12:00 Uhr

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