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Odyssee der E-Autos
Stecker rein und schon fließt der Strom: Doch bisher sind Ladestationen für E-Autos noch rar. Foto: dpa
Netz der Ladestationen in Deutschland wächst nur langsam

Odyssee der E-Autos

Die Kaufanreize der Bundesregierung sollen den Deutschen die E-Autos schmackhaft machen. Doch wo kann das Auto überhaupt „betankt“ werden?

05.09.2016
  • DPA

Berlin/Stuttgart. Welchen Stecker, welches Kabel? Und wo überhaupt kann man ein E-Auto laden, wenn man keine eigene Garage oder eine großzügige Firma mit Ladesäule hat? Wer sich gerade die Subventionen der Bundesregierung gesichert und ein Elektrofahrzeug gekauft hat, steht vor einer ganzen Reihe von Fragen. Denn obwohl es inzwischen mehr E-Autos gibt: Etwa 14 000 Tankstellen in Deutschland stehen nur etwa halb so viele öffentliche Ladesäulen mit unterschiedlichsten Technologien gegenüber.

Die Stecker In der Theorie muss jeder Ladepunkt in der EU und jedes Fahrzeug europäischer Hersteller das sogenannte Combined Charging System (CCS) unterstützen, mit dem die Nutzer ihr Auto sowohl in normalem Tempo als auch in einigen Minuten aufladen können. In der Praxis gibt es allerdings immer noch drei verschiedene Steckersorten, auch wenn sich das von der EU favorisierte System langsam durchsetzt. Erst zukünftige Ladesäulen müssen mindestens für einen Typ-2-Stecker für Wechselstrom ausgelegt sein, sagt Johann Schwenk von der Projektleitstelle „Schaufenster Elektromobilität“ Bayern-Sachsen.

Die Kabel Mehrere hundert EUR kostet ein Ladekabel - je nach Ausfertigung kann das so viel sein wie ein Satz neuer Reifen. Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) liefern die Hersteller die Autos je nach Kundenwunsch zwar inklusive Ladekabel aus. Das heißt, es gibt ein Notkabel für den „normalen“ Schuko-Stecker und ein Ladekabel mit Typ-2-Stecker. Die sind aber nicht unbedingt kostenlos.

Ob an den Ladesäulen ein Kabel angehängt ist, ist höchst unterschiedlich. „Schnellladesäulen entlang der Autobahnen bieten grundsätzlich Kabellösungen“, sagt Schwenk. Das hat nach Einschätzung von Norbert Verweyen, Geschäftsbereichsleiter Effizienz der RWE-Tochter Innogy, Vor- und Nachteile. „Solche Installationen in der Öffentlichkeit bergen das Risiko, beschädigt zu werden“ sagt er. RWE verzichtet bei öffentlichen Säulen inzwischen auf Displays, weil sie bemalt wurden. Die Säulen werden stattdessen per App bedient.

Die Ladesäulen Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gibt es in Deutschland rund 6500 Ladepunkte in knapp 1000 Städten und Gemeinden. Die höchste Dichte findet sich in Großstädten wie Berlin und Hamburg, aber auch in Baden-Württemberg. Jedoch werden die Ladesäulen wenig genutzt. Laut der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) laden über 80 Prozent der E-Auto-Fahrer ihre Fahrzeuge zu Hause oder beim Arbeitgeber auf. Für 2020 sieht die NPE trotzdem einen Bedarf von 70 000 öffentlichen Ladepunkten und 7100 Schnellladesäulen. „Die heutigen Standard-DC-Schnelllader an Autobahnen benötigen noch rund 20 bis 30 Minuten für 100 Kilometer Reichweite.“ Künftig soll das in 10 Minuten gehen.

Die eigene Steckdose Perspektivisch, davon geht die NPE aus, wird der Anteil der Menschen, die ihr Auto zu Hause oder bei der Firma laden, sich bei 60 bis 70 Prozent halten. Wer von einem speziellen E-Auto-Tarif profitieren will, den manche Stromversorger anbieten, braucht einen eigenen Zähler. Theoretisch kann das Auto an die normale Steckdose gehängt werden. Das dauert wegen der niedrigeren Spannung allerdings länger und kann zu einer Netzüberlastung führen. Der VDA empfiehlt daher einen Schutzschalter für Fehlerstrom und Überlast. Stromanbieter und Autohersteller bieten Ladeboxen an, die solche Sicherungsmechanismen beinhalten und über einen Anschluss für E-Auto-Stecker verfügen.

Das Bezahlen Wie viel eine „Tankfüllung“ kostet, hängt nicht nur vom Tarif, sondern auch von der Batteriegröße ab. Wer sich clever anstellt, muss für seinen E-Auto-Strom derzeit überhaupt nichts bezahlen. „Es gibt laufende Programme, die Strom an öffentlichen Ladesäulen kostenfrei zur Verfügung stellen“, sagt Projektleiter Schwenk. Aldi Süd etwa bietet Kunden mancherorts kostenlosen Strom für bis zu eine Stunde Ladezeit an. „Das wird aber immer weniger“, sagt Schwenk. Für den Strom aus der eigenen Steckdose gibt es bei ersten Anbietern spezielle Tarife für E-Autos. Das Laden an Säulen unterschiedlicher Anbieter ist kompliziert. „Wenn ich an einer Ladesäule mit einer App auflade und in der nächsten Stadt eine Ladekarte benötige, ist das nicht anwenderfreundlich.“ Wichtig sei, dass die Systeme miteinander kooperieren. Roaming-Plattformen erleichtern das Laden an „Fremdsäulen“ – aber nur sofern kein Chip nötig ist.

Erst die geplante Ergänzung der Ladesäulen-Verordnung der Bundesregierung soll das Problem lösen. Der BDEW zum Beispiel fordert, dass sich Autofahrer künftig ohne zusätzliche Kosten mit Hilfe von Apps an jeder Ladesäule anmelden können. Als Zahlungsdienst sollen neben Kreditkarten auch gängige Online-Bezahldienste eingesetzt werden.

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05.09.2016, 06:00 Uhr
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