Stuttgart

CDU-Politiker Nopper neuer Oberbürgermeister von Stuttgart

Stuttgart steht nicht länger unter grüner Führung. Der neue Oberbürgermeister der Stadt heißt Frank Nopper. Der CDU-Mann verspricht, die Schwabenmetropole zum Strahlen zu bringen.

29.11.2020

Von dpa/lsw

Blick auf den Stuttgarter Ratshausturm. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Stuttgart. Der CDU-Kandidat Frank Nopper hat die Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart gewonnen. Der 59-Jährige erreichte am Sonntag im zweiten Wahlgang 42,3 Prozent der Stimmen, wie die Stadt Stuttgart mitteilte. Er folgt damit auf den Grünen-Politiker Fritz Kuhn, der nicht mehr zu Wahl antreten wollte. Noppers stärkster Konkurrent Marian Schreier konnte 36,9 Prozent der Stimmen für sich verbuchen - ein Achtungserfolg für den 30-Jährigen, der als unabhängiger Kandidat ins Rennen ging.

Nopper betonte nach seinem Sieg, er wolle ein „Bürgermeister für alle sein“. Er wolle die Beschleunigung und Entbürokratisierung von Verwaltungsverfahren angehen, kündigte er im Lokalsender Stuggi.TV an. Ferner wolle er an den Stuttgarter Schulen Sanierungen und Digitalisierung voranbringen. Nopper sprach von einer „Stunde des Aufbruchs in ein Stuttgart, das nicht länger unter seinen Möglichkeiten bleibt“. „Stuttgart soll wieder mehr leuchten in der Region, in Deutschland und in Europa.“

Klassische Stichwahlen gibt es in Baden-Württemberg bei Bürgermeister-Wahlen nicht. Erreicht in einer ersten Wahl keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen, gewinnt in einer offenen zweiten Abstimmung der Bewerber, der die meisten Stimmen erhält. Insgesamt konnten 450 000 Wahlberechtigte abstimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,7 Prozent.

Stuttgart galt bislang als Stadt mit einer starken grünen Wählerschaft, im Gemeinderat stellen die Grünen die größte Fraktion, der Regierungspräsident gehört der Partei an und alle vier Direktmandate für den Landtag gingen in der Stadt an die Grünen. Die OB-Kandidatin der Grünen stand aber im zweiten Wahlgang gar nicht mehr auf dem Wahlzettel: Nach einem enttäuschenden Abschneiden im ersten Durchgang und gescheiterten Gesprächen mit den anderen Bewerbern des Mitte-Links-Lagers hatte die Vertreterin der Öko-Partei, Veronika Kienzle, ihre Kandidatur zurückgezogen.

„Die CDU kann auch Großstadt - das haben wir heute gezeigt“, betonte der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl. Frank Nopper werde mehr aus der Stadt herausholen. „Frank Nopper wird unsere Landeshauptstadt Stuttgart wieder zum Strahlen bringen“, sagte die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2021, Susanne Eisenmann.

Nopper hatte bereits den ersten Durchlauf vor drei Wochen deutlich für sich entschieden. Der Backnanger Oberbürgermeister galt als Favorit für die Nachfolge von Kuhn, der der erste grüne Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt wurde und sich nach acht Jahren an der Rathausspitze zurückzieht. Der scheidende Oberbürgermeister gratulierte seinem Nachfolger. Kuhn (65) wünschte dem CDU-Politiker bei einem Empfang im Rathaus viel Erfolg und dass er das umsetzen könne, was er sich vorgenommen habe. „Sie kriegen einen perfekten Übergang“, sicherte Kuhn Nopper zu.

Auch Schreier gratulierte dem Wahlsieger. Er wünsche Nopper alles Gute für die Gestaltung der Stadt, sagte der 30-Jährige bei Stuggi.TV. Er habe sich über die Aufholjagd gefreut. Sein Ergebnis zeige, dass man Politik abseits der festgefahrenen Strukturen und unabhängig von der Unterstützung einer Partei machen könne.

Stuttgarts Stadtrat Hannes Rockenbauch (40) vom Fraktionsbündnis SÖS/Linke kam mit 17,8 Prozent auf den dritten Platz. Er kündigte an, im Gemeinderat Druck auf den neuen OB machen zu wollen. Gemeinsam mit Grünen und SPD wolle er die Grundlagen dafür legen, dass Nopper Themen wie bezahlbare Mieten, Klimawandel und Verkehrswende angehen müsse, sagte Rockenbauch bei Stuggi.TV. „Dann können wir auch Frank Nopper - glaube ich - gut sagen, wo es langgeht.“

Auf den neuen Stuttgarter Oberbürgermeister kommen aus Sicht des Kommunikationswissenschaftlers Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim harte Verhandlungen im Gemeinderat zu. „Er wird es nicht leicht haben“, sagte Brettschneider der Deutschen Presse-Agentur. Nopper habe kein fulminantes Wahlergebnis erzielt. Das öko-soziale Lager im Gemeinderat habe eine Mehrheit. Nopper müsse versuchen, Mehrheiten zu organisieren. Offen sei auch, ob das öko-soziale Lager wieder zusammenhalte oder das Zerwürfnis aus dem Wahlkampf weitergehe, so Brettschneider.

Nach dem ersten Wahlgang hatten Rockenbauch, Kienzle und Schreier versucht, ein Bündnis im Mitte-Links-Lager mit einem einzigen Kandidaten für die zweite Wahl zu schmieden. Allerdings konnten sie sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Kienzle zog zurück, die beiden Männer traten erneut an. Rockenbauch betonte am Sonntag erneut, er wäre für Kienzle als gemeinsame Kandidatin gewesen. Das Ergebnis zeige aus seiner Sicht, dass Kandidaten, die ansprechen, was die Wissenschaft fordere, als zu radikal und nicht anschlussfähig gelten, sagte er mit Blick auf die Klimapolitik.

Frank Nopper (CDU). Foto: Marijan Murat/dpa

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Erstellt:
29. November 2020, 10:23 Uhr
Aktualisiert:
29. November 2020, 10:23 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. November 2020, 10:23 Uhr

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