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Finanzbranche

Nur wenige Befürworter

In der kommenden Woche wird die Deutsche Bank vielleicht auf die Frage anworten, ob die Fusion mit der Commerzbank kommt.

20.04.2019

Von ROLF OBERTREIS

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Foto: Foto: Boris Roessler/dpa

Bis Ostern sollte mehr Klarheit herrschen. Davon ist nichts zu sehen. Fest steht nur: Die große Mehrheit der Beschäftigten von Deutscher und Commerzbank lehnt den Zusammenschluss ab. Bei der Commerzbank fordert der Betriebsrat Vorstandschef Martin Zielke auf, das Vorhaben abzublasen. Fast 83 Prozent der Beschäftigten in der Zentrale der Bank sind gegen das Zusammengehen. Hintergrund der deutlichen Absage ist vor allem der drohende Abbau von 30 000 oder noch mehr der insgesamt rund 140 000 Stellen in beiden Häusern, sollten sie zusammengehen. Bei der Deutschen Bank sehen viele die Integration der Postbank immer noch nicht bewältigt.

Während Commerzbank-Chef Zielke auf den Zusammenschluss („Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht“) drängt, weil sein Haus nur mit höheren Marktanteilen vorankommen könne, bremst sein Gegenüber Christian Sewing nach dem Motto: Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Schließlich sei die Sache höchst komplex. Auf den Tagesordnungen für die Hauptversammlungen am 22. Mai bei der Commerzbank und am 23. Mai bei der Deutschen finden sich die Themen Fusion und Übernahme mit keinem Wort. Das sei kein Indiz, sagt ein Commerzbanker. Man könne die Tagesordnung ja noch ergänzen.

Neben Zielke gibt es nur drei weitere Befürworter eines Zusammenschlusses: Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Finanzstaatssekretär Jörg Kukies. Letzlich ist es aber allein Sache der Banken und ihrer Aktionäre. Dazu gehört auch der Bund: Er ist nach wie vor mit knapp 16 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.

Kritische Stimmen sind zuhauf zu hören. Selbst unter Großaktionären der Deutschen Bank, wie dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock oder Vertretern des Scheichtums Katar. „Welches Problem soll hier gelöst werden?“, fragt Blackrock-Top-Manager Philipp Hildebrand. Motto: Aus zwei lahmen, im Umbruch steckenden und international abgeschlagenen Banken wird nicht automatisch ein Spitzeninstitut. Die US-Investmentbank JP Morgan Chase hat im ersten Quartal satte 8 Mrd. EUR verdient. Die Deutsche Bank kam im gesamten Jahr 2018 auf gerade mal 341 Mio. EUR, die Commerzbank auf 865 Mio. EUR.

Unterschiedliche Kulturen

Betriebsräte, Gewerkschaften und Beschäftigte bezweifeln, dass die Kulturen zusammenpassen. Es reicht ein Blick auf die Gehälter. Der neunköpfige Vorstand der Deutschen Bank bekam 2018 fast 56 Mio. EUR, die sieben Top-Manager der Commerzbank erhielten nur 8,8 Mio. EUR, ein Viertel weniger als 2017. Im Schnitt brachte ein Beschäftigter der Deutschen Bank 130 000 EUR nach Hause, ein Commerzbanker nur knapp 70 000 EUR.

Frankfurter Finanzprofessoren sind ebenfalls skeptisch. Skaleneffekte einer Fusion seien nicht sicher. Die Deutsche Bank erziele bei sehr hohen Kosten nur niedrige Erträge. Das Problem werde durch die Übernahme der Commerzbank nicht gelöst. In einer Simulationsrechnung rechnet Banken-Professor Volker Brühl mit dem Wegfall von rund 25 000 Stellen und Integrationskosten von 2,5 Mrd. EUR. Die Einspareffekte taxiert er auf rund 2,2 Mrd. EUR.

Auch eine Deutsche Commerz hätte immer noch mit hohen Kosten zu ringen. Um 1 EUR umzusetzen müsste sie laut Brühl 93 Cent ausgeben. Auch deshalb, weil kein Deutschbanker auf die gute Bezahlung verzichten dürfte und Commerzbanker auf gleiche Entlohnung pochen werden. Im Übrigen müsste die Deutsche Bank laut Analysten bis zu 10 Mrd. EUR frisches Kapital einsammeln, um die Commerzbank schlucken zu können. Dabei hat sie seit der Finanzkrise im Jahr 2008 rund 32 Mrd. EUR an frischem Geld eingesammelt. Das ging aber komplett für Straf- und Vergleichszahlungen und die Gehälter der Investmentbanker drauf.

Angeblich stehen die italienische Unicredit und die niederländische ING für die Übernahme der Commerzbank bereit. Beobachter glauben, solche Gerüchte würden gezielt gestreut, um Deutsche und Commerzbank zur Fusion zu bewegen. Schließlich soll, so Finanzminister Scholz, ein „deutscher Champion“ entstehen.

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Erstellt:
20. April 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. April 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 06:00 Uhr

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