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Der Videobeweis im Fußball ist nicht mehr aufzuhalten

Nur eine Frage der Zeit

Der Profifußball wird immer schneller, der Job des Schiedsrichters wird immer anspruchsvoller. Der Videobeweis soll die Referees künftig entlasten - nicht nur bei der Frage: Tor oder kein Tor.

12.02.2016

Von GEROLD KNEHR

Heftig diskutiert wurden die Entscheidungen von Schiedsrichter Winkmann beim Spiel zwischen Borussia Dortmund (in Gelb) und Ingolstadt. Foto: Imago

Ulm. Hand aufs Herz: Schaffen Sie es bei einem Fußball-Spiel, egal ob live im Stadion oder am Fernsehgerät, jede einzelne Sekunde hochkonzentriert zu verfolgen?

Genau dies aber wird von einem Fußball-Schiedsrichter erwartet. Und der sitzt nicht bequem wie der TV-Zuschauer auf dem Sofa oder der Stadionbesucher etwas weniger kommod auf der Tribüne, sondern ist 90 Minuten lang auf dem Platz unterwegs. Zudem ist das Spiel in all den Jahren immer schneller geworden.

Anders als beispielsweise in den nordamerikanischen Profiligen, wo die Schiedsrichter auf elektronische Hilfsmittel zurückgreifen können, hat sich für die deutschen Fußball-Schiedsrichter im Profibereich kaum etwas geändert. Zu Beginn der Bundesliga-Saison wurde nach langen Diskussionen die Torlinientechnik eingeführt. Das "Hawk Eye" signalisiert dem Referee, ob der Ball im vollen Umfang über der Torlinie war. Im Bundesliga-Alltag freilich spielte dieses Hilfsmittel bislang aber kaum eine Rolle.

Jetzt gehen die Überlegungen weiter. Ein Handspiel von VfB-Kapitän Christian Gentner am letzten Bundesliga-Spieltag, das übersehen wurde, ein Foulelfmeter, der keiner war, die umstrittenen Szenen in der Begegnung zwischen Borussia Dortmund und dem FC Ingolstadt haben die Rufe nach dem Video-Beweis befeuert. "Wir sind nicht die hundertprozentigen Traditionalisten, die den Fußball so erhalten wollen wie er ist. Wir hätten den Videobeweis in einigen Situationen gebrauchen können, um die großen Fehler, die wir gemacht haben, zu vermeiden", ist Schiedsrichter Knut Kircher keinesfalls abgeneigt gegen technische Hilfsmittel.

Der TV-Sender Sky hat mit dem ehemaligen Bundesliga-Referee Markus Merk bereits Feldversuche unter Echtzeitbedingungen unternommen. "Die Plätze werden mit Messpunkten kalibriert. So können wir mit einer hohen Präzision beispielsweise eine Abseitssituation klären", sagt Dirk Böhm, Kommunikationsdirektor Sport beim Pay-TV-Sender. Die virtuelle Abseitslinie auf dem Bildschirm wird genau in dem Moment gezogen, wenn der Ball den Fuß des Passgebers verlässt "da gibt es keine Grauzone". Auch bei Fouls könne ein Video-Schiedsrichter mit Hilfe eines technischen Redakteurs innerhalb von zehn bis zwölf Sekunden entscheiden, glaubt Böhm. Und er entkräftet auch das Argument der Gegner, das ganze sei zu teuer. "Man kann mit Kosten zwischen 800 und 10 000 Euro pro Spiel rechnen."

Sinn macht der Einsatz bei Strafraum- und Torszenen sowie Ereignissen, die sich außerhalb des Blickfelds des Schiedsrichters abspielen. Nicht zum Einsatz kommen soll er bei banaleren Dingen wie etwa einem Einwurf. "Es wird aber auch mit Videobeweis noch Situationen geben, wo die Öffentlichkeit sagt: darüber müssen wir diskutieren", glaubt Knut Kircher - etwa wenn ein Foul aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird.

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Erstellt:
12. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2016, 08:30 Uhr

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