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Nur das Visum macht Probleme
Austausch in Sunyani: Amos Kabo-Bah, Precious Opoku, Steffen Abele, Harrison Dapaah (vorne, v. l.) und Hans-Peter Stieber, Julia Haelke, Charles Adarkwah und Issaka Abdulai (hinten, v.l.). Foto: Hochschule
Austauschprogramm

Nur das Visum macht Probleme

Ob Abwasserentsorgung oder eine bessere Ernte: Studenten aus Rottenburg und Ghana entwickeln gemeinsam Lösungen.

03.02.2018
  • MADELEINE WEGNER

Rottenburg. Es gibt ganz ähnliche Probleme in Deutschland und Ghana“, sagt Steffen Abele, „damit haben wir die Gelegenheit, viel voneinander zu lernen.“ Abele hat an der Rottenburger Hochschule für Forstwirtschaft eine Professur für Ökonomie ländlicher Räume inne. Er leitet an der Hochschule außerdem ein Projekt, das den Austausch zwischen ghanaischen und deutschen Studenten fördert. Noch bis April sind Anaba Clement Issaka und Huda Ibrahim in der Neckarstadt im Kreis Tübingen zu Gast. Gemeinsam mit ihren deutschen Tandem-Partnern Carlo Forst-Gill und Felix Quick beschäftigen sie sich damit, wie Abwasser dezentral aufbereitet und wie der Ertrag von Feldern optimiert werden kann. Die drei Monate in Rottenburg nutzen die beiden ghanaischen Studenten, um für ihre Abschlussarbeiten zu forschen.

„Es ist überwältigend“, sagt die 21-jährige Huda Ibrahim. Sie ist zum ersten Mal in Europa und besonders froh darüber, dass die Verständigung mit den beiden deutschen Tandem-Partnern so leicht falle: „Sie sprechen so gut Englisch!“ Zusammen mit dem 23-jährigen Felix Quick forscht die Studentin zum Thema Pflanzenkläranlagen. Die gebe es nicht in Ghana, obwohl solche dezentralen Anlagen eine günstige Möglichkeit wären, das Abwasser zu entsorgen. Nach dem Bachelor-Abschluss möchte sie auch noch den Master im Bereich Wasser-Management machen.

Der 29-jährige Anaba Clement Issaka musste sich zunächst vor allem an das Wetter in Baden-Württemberg gewöhnen: „Es ist völlig anders als in Ghana!“ Dennoch sei er glücklich, hier zu sein. Besonders froh ist er über die schnelle und vor allem stabile Internetverbindung: „So kann ich jederzeit forschen und mir Informationen besorgen.“ In Ghana sei nicht nur die Internetverbindung unzuverlässig, sondern auch die Stromversorgung. „Und Professor Abele ist zu jeder Zeit erreichbar“, schwärmt Isaaka. Zusammen mit dem 25-jährigen Carlo Forst-Gill beschäftigt er sich mit einem speziellen Computer-Programm, das die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen verbessern soll und beispielsweise auch helfen kann, den Einsatz von Düngemitteln zu reduzieren. Nach seinem Hochschulabschluss möchte Isaaka mit Landwirten und ökologischen Institutionen zusammenarbeiten.

Unterstützung erhält die Rottenburger Hochschule von der Baden-Württemberg Stiftung, die das Austausch-Projekt mit 130 000 Euro finanziert. Damit sind die Kosten für den Aufenthalt der Studenten und Professoren im jeweiligen Partnerland gedeckt, hinzu kommt ein kleines Taschengeld für die Austauschstudenten.

„Wir sind froh, dass dieses Jahr auch mal ein Mann herkommen konnte“, sagt Nina Schäfer. Sie war schon oft in Ghana, hat dort als Austauschschülerin ihr Abitur und später 2016 auch ihren Bachelor-Abschluss gemacht. „Sie ist schon halb ghanaisch“, sagt Isaaka lachend. Schäfer koordiniert an der Rottenburger Hochschule das Austausch-Projekt. Während es für die deutschen Studenten trotz vieler notwendiger Dokumente recht einfach sei, ein Visum zu bekommen, sei es für die ghanaischen Studenten jedes Mal eine Wackelpartie. Nur zwei von drei Austausch-Studenten haben ein Visum bekommen. Es gehe viel Geld verloren, weil der Bescheid von der Botschaft erst wenige Tage vor dem Abflug komme. Unterkünfte und Flüge sind dann bereits gebucht sind. Vor allem für alleinstehende junge Männer sei es schwierig – obwohl sich die Hochschule verbürgt, im Zweifelsfall alle entstehenden Kosten zu übernehmen. Die Kriterien, wer ein Visum bekomme und wer nicht, seien sehr undurchschaubar. Es sei schade, dass der Austausch so erschwert werde, sagt die Projektkoordinatorin: „Das macht es wirklich schwierig, diese ansonsten so gelungene Kooperation in Gang zu halten.“

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03.02.2018, 06:00 Uhr
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