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„Nur E-Auto – das ist Harakiri“
IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hält nichts von einem festen Datum, von dem an Verbrennungsmotoren verboten sind. Foto: Thilo Rückeis/picture alliance Foto: Thilo Rückeis/picture alliance
IG Metall

„Nur E-Auto – das ist Harakiri“

Gewerkschaftschef Jörg Hofmann sieht die Mobilitätswende in Gefahr: Es fehlten eine Strategie sowie Investitionen von Staat und Unternehmen.

09.09.2017
  • ALEXANDER BÖGELEIN

Stuttgart. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann mahnt mehr Tempo bei der E-Mobilität an. Unter den jetzigen Bedingungen werde es kaum gelingen, bis zum Jahr 2030 genügend Schnellladestationen in Deutschland zu errichten. „Wir müssen Leitmarkt für E-Mobilität werden, ansonsten werden wir abgekoppelt und verlieren Innovationskraft“ sagte Hofmann im Stuttgarter Wirtschaftspresse-Club. Der Erfolg der deutschen Autobauer beruhe auf Innovationsstärke. Wenn die wegfalle, seien Arbeitsplätze gefährdet.

Mancher Manager müsse von seinem hohen Ross herunter. „Zukunftssicherung ist nicht, den letzten Diesel zu verteidigen.“ Hofmann betonte zugleich: „Ohne Energiewende gibt es keine Mobilitätswende.“ Eine Politik wie in China, auf E-Autos zu setzen und mit „dreckiger Braunkohle“ zu erzeugen, mache keinen Sinn. „Das muss zusammen gedacht werden, doch davon ist man auch hierzulande weit entfernt.“

Keine Pläne fürs Stromnetz

Es sei erschreckend, dass viele über E-Mobilität sprechen, ohne sich im Klaren zu sein, welche Investitionen in die Infrastruktur dafür nötig seien. „Es gibt keinen Plan für die Investitionen in Milliardenhöhe und keine Gesamtbetrachtung“, bemängelte er. Momentan beträgt der Anteil von E-Autos und Hybridmodellen an den Neuzulassungen rund 2 Prozent. Daraus ergebe sich kein Problem, bei einer Verzehnfachung dieser Zahlen gerate man an Grenzen der heutigen Infrastruktur. Momentan kenne er keinen Plan eines Energieversorgers, die Verteilnetze mit Blick auf die E-Mobilität auszubauen.

Das sei aber eine zwingende Voraussetzung. Raststätten an den Bundesautobahnen könne man zwar über die Konzessionen zu einer bestimmten Anzahl von Schnellladesäulen verpflichten, doch es fehle an entsprechenden Stromverteilnetzen. Angesichts der Vorlaufzeiten für Investitionen in Infrastruktur und mit langen Planfeststellungsverfahren würden bis zur Realisierung noch Jahre vergehen.

Die Autohersteller hätten zwar manches verschlafen, „aber das Problem ist nicht, dass Modelle fehlen es: Es kauft sie nur keiner“, sagt Hofmann. Das liege an den hohen Preisen. Zudem sei der Nutzen des E-Autos derzeit schlechter als der eines Verbrenners, sagt der Gewerkschaftschef mit Blick auf geringe Reichweite, fehlender Infrastruktur und zu wenig Schnellladesäulen, unterschiedlichen Abrechnungssystemen, langen Ladezeiten an herkömmlichen Steckdosen und manchem mehr. Auch fällt die Ökobilanz der E-Autos laut Wissenschaftlern mit Blick auf Ressourcenverbrauch bei der Produktion und dem 40prozentigen Anteil von Kohle an der deutschen Stromproduktion deutlich schlechter aus, als von vielen Fürsprechern der Technologie immer wieder dargestellt wird.

Dabei steht für Hofmann außer Frage, dass die Veränderung zu umweltfreundlicher Mobilität zwingend ist. „Ohne dass Staat und Wirtschaft in Vorleistung gehen, wird es nicht gelingen, die Käufer vom E-Auto zu überzeugen.“ Von einem festen Datum, ab dem Verbrennungsmotoren verboten sind, hält er dennoch nichts. „Wir müssen technologieoffen bleiben. Nur aufs E-Auto zu setzen, ist Harakiri.“

Neben der Optimierung des Verbrennungsmotors müsse man an alternativen Antrieben wie Erdgas oder synthetischen Kraftstoffe arbeiten. Spätestens 2020 werde auch das Thema Brennstoffzelle mit Macht kommen. Der japanische Hersteller Toyota zeige hier einen langen Atem.

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09.09.2017, 06:00 Uhr
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