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Nun steht auch der BayWa-Verkauf vor der Schließung
Die Regale im BayWa-Markt sind noch gut gefüllt. Der Handel schließt Ende Juni. Bild: Metz
Vollendete Tatsachen in der Weststadt

Nun steht auch der BayWa-Verkauf vor der Schließung

Nach der Werkstatt steht nun auch der BayWa-Verkauf in Tübingen vor dem Aus. Die Landwirte sind sauer. Auch über die mangelnde Kommunikation.

23.03.2017
  • Kathrin Kammerer

Die BayWa-Werkstatt in der Weststadt hat Ende Februar den Betrieb eingestellt (wir berichteten). Zum 30. Juni schließt nun auch der Verkauf im selben Gebäude. Unter den örtlichen Landwirten war das laut Jörg Kautt, dem Vorsitzenden des Kreisbauerndverbandes (KBV), schon einige Zeit als „offenes Geheimnis“ bekannt. Nun wurde die Schließung von Thomas Berger, Pressesprecher des Agrar-Großhändlers, bestätigt.

Von Dünger und Saatgut über Hacke und Rechen bis hin zur Pflanzenerde: Hobbygärtner wie Landwirte finden im BayWa-Handel im Schleifmühleweg ein breites Angebot und fachkundige Beratung. Jeden Herbst standen die Autos mit den Apfelsäcken auf dem Anhänger Schlange. Privatleute wie Obstbauern brachten ihr Streuobst zum Mosten. Dieses Bild wird es kommenden Herbst nicht mehr geben. Eine Obst-Annahmestelle in ähnlicher Größe gibt es in Tübingen selbst nicht.

Auf die im Sommer bevorstehende Schließung weist im Markt-Gebäude noch nichts hin: Die Verkaufs-Regale sind gut gefüllt. Seit Mitte Februar sind die vier dort angestellten Mitarbeiter laut Berger über die Schließung informiert. Ob, und wenn ja wie, sie weiter beschäftigt werden, kann er noch nicht sagen. Der Tübinger Handel sei „nicht mehr zeitgemäß“ und werde deshalb vom Standort Talfingen „übernommen“, erklärt er. Die BayWa bündele ihre Kräfte sukzessive in starken Standorten und reagiere somit „auf den langfristigen Strukturwandel in der Landwirtschaft“.

Die Tübinger Landwirte indes sind sauer. Zum einen wegen der Schließung selbst und zum anderen wegen der mangelnden Kommunikation vonseiten des Großkonzerns. Über die Schließung der BayWa-Werkstatt Ende Februar wurden die dortigen Kunden zwei Wochen vor dem Aus in einem – laut dem ehemaligen KBV-Vorsitzenden Christian Reutter „recht einfach gefassten“ – Schreiben informiert.

„Der Kreisbauernverband selbst hat nie eine offizielle Info bekommen“, bestätigt dessen Geschäftsführer Martin Zaiser. Er kritisiert die mangelnde bis gar nicht vorhandene Kommunikation: „Wir wurden lediglich vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Am 3. März habe er dann die BayWa-Zentrale in Müchen angeschrieben und dringlich darauf hingewiesen, wie wichtig die Erhaltung des Agrarhandels im Schleifmühleweg für die örtlichen Landwirte sei. Dessen Schließung habe zu diesem Zeitpunkt noch als Gerücht im Raum gestanden. Die BayWa antwortete am 13. März mit dem Hinweis, dass das zuständige Vorstandsmitglied aktuell im Ausland sei.

„Danach haben wir nichts mehr gehört“, so Zaiser weiter. Bis dann am 20. März das Kündigungsschreiben für die zwei KBV-Büroräume im selben Haus eintraf: Der Verband hatte diese von der BayWa gemietet und dort eine wöchentliche Sprechstunde angeboten. „Lediglich aus dieser Kündigung haben wir geschlossen, dass auch der Verkauf dichtmacht“,
so Zaiser.

Der KBV-Vorsitzende Kautt sieht in der Schließung des Agrarhandels ein weitreichendes Problem. „Das wird den Strukturwandel bei uns beschleunigen“, prophezeit er. In Tübingen seien 75 Prozent der Landwirte im Nebenerwerb und nur 25 Prozent im Vollerwerb tätig: „Besonders die Kleinen trifft das jetzt hart“, sagt der Immenhäuser Landwirt. Die müssen Dünger, Saatgut und ähnliches nun woanders kaufen. „Die Fahrtwege werden länger“, bemängelt Kautt. Außerdem könne man bei anderen Anbieten oftmals keine kleinen Mengen kaufen – „ein Nebenerwerbler braucht aber eben nicht immer gleich eine ganze Palette von irgendwas“, sagt er weiter. Die örtlichen Baumärkte können den Bedarf zumindest für Landwirte laut Christian Reutter nur bedingt auffangen, „das ist einfach kein Ersatz“.

Die BayWa will dieses Problem laut Pressesprecher Berger mit einem Lieferservice lösen. „Wir wollen unsere Kunden ja auch behalten“, betont er. „Was das kostet, will ich gar nicht wissen“, kommentiert dies Kautt.

Auch für die Weinbauern im Kreis ist die Schließung problematisch, so der Unterjesinger Winzer Richard Müller. Pflanzpfähle, Spanndraht und die restliche Ausstattung hätten viele bisher bei der BayWa gekauft. „Die müssen nun eben komplett auf den Raiffeisen-Markt in Entringen umsteigen“, sagt Müller. „Da kriegt man alles.“

Das Gelände, auf dem das zu Beginn der 1990er-Jahre erbaute BayWa-Gebäude steht, gehörte ursprünglich der Bahn. 2002 wurde es an die bahneigene Immobiliengesellschaft Aurelis übertragen. Diese verkaufte es nach eigenen Angaben vor „vier bis fünf Jahren“ an einen lokalen Privatinvestor. Die BayWa war Mieter des Geländes und wird, so Pressesprecher Berger, den Vertrag „zeitgerecht zur Schließung kündigen“.

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23.03.2017, 01:00 Uhr
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