Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

"Wanderer" setzen auf Sicherheit

Nürnberger Berufsschüler übersetzen Risikogehalt von Anlagevarianten in Alltagssprache

"Wanderer" oder "Gipfelstürmer": Nürnberger Berufsschüler haben sich als erfolgreiche Anlageberater entpuppt. Sie machen Sparern mit Alltagsbegriffen die Risiken von Finanzanlagen verständlich.

07.07.2010

Nürnberg Sie haben noch nicht einmal ihre Ausbildung abgeschlossen - als Anlageberater sind sie aber schon jetzt heiß begehrt: Seit einigen Wochen sorgen Nürnberger Bank-Berufsschüler mit einem eigenen Internetportal für Geldanleger in der deutschen Bankenwelt für Furore. Ihr Internet-basiertes Beratungssystem ist so einfach und transparent, dass es einige Banken demnächst in ihrer Kundenberatung einsetzen wollen. Nach maximal zehn Antworten weiß der Anleger bei http://www.anlage-coach.de, ob er bei der Geldanlage eher der Typ "Wanderer" mit geringer Risikobereitschaft, oder eher ein "Drachenflieger" ist, der auch mal den Totalverlust riskiert.

Klare, auch für den Laien verständliche Risiko-Kategorien für Geldanlagen - das war dem Projektinitiator, dem Nürnberger Berufsschullehrer Peter Kührt, von Anfang an ein wichtiges Anliegen: "Die Banken haben ihre Anlageprodukte in fünf Risikoklassen eingeteilt. Viele Privatanleger können sich aber etwa unter der Risikoklasse drei überhaupt nichts vorstellen." Die Berufsschüler der "Berufsschule 4", ausnahmslos angehende Bankangestellte, haben sich daher für acht Begriffe aus der Freizeitwelt entschieden. Wer sich als konservativer Anleger entpuppt, wird als "Wanderer" eingestuft. Wer mit großen Kursschwankungen leben kann, gilt als "Gipfelstürmer".

Wert legten Kührt und sein Kernteam von 23 Bank-Berufsschülern auch darauf, dass Privatanleger die 70 nach Risikoklassen eingestuften Produkte - vom Festgeld bis zum Index-Zertifikat - verstehen und einschätzen können. "Die zentralen Fragen, die sich die meisten Anleger stellen, sind: Wie lange komme ich bei dieser oder jener Anlage an mein Geld ran? Und wie groß ist das Risiko, dass ich einen Teil davon oder sogar alles verliere", erläutert der 58 Jahre alte Berufsschullehrer, der in Frankfurt in Philosophie promoviert hat. Jedes Produkt wird auf der Internetseite - teils mittels Audio- und Videobeitrag oder Powerpoint-Präsentation - erklärt.

Den Anstoß für das Projekt lieferte die Finanzkrise. "Auch Bank-Azubis sahen sich auf einmal erbosten und misstrauischen Kunden gegenüber", berichtet der Berufsschullehrer. Für Frust sorgte bei den jungen Bankern, dass viele Anleger die ihnen angebotenen Produkte gar nicht verstanden. Als Kührt vorschlug, für mehr Transparenz zu sorgen, brauchte er nicht lange nach Freiwilligen zu suchen. Mehr als 40 Bank-Azubis meldeten sich; aber nur 23 von ihnen erhielten von ihrer Bank die dafür erforderliche sechstägige Freistellung.

Geldanleger, die unsicher sind, welcher Risikotyp sie sind, klicken sich einfach auf der Internetseite durch ein Frage-Tableau. Unsichtbar hinterlegt ist ein Rechenmodell, dass zugleich ermittelt, welche Anlagevarianten für den Ratsuchenden infrage kommen und wie sie funktionieren. "Wir haben das erst mal mit 150 Leuten getestet. Und alle haben gesagt, das System bildet das ab, was sie insgeheim vermutet haben", berichtet Kührt. Auf den wichtigsten Suchmaschinen rangiert das Portal inzwischen weit oben - und ist damit stärker bei Internet-Nutzern nachgefragt als manche kommerzielle Programme.

Längst hat das Portal auch die Aufmerksamkeit der Bankenwelt geweckt. So setzt die bayerische Landesbank inzwischen das Internetportal zur Schulung und Prüfungsvorbereitung ein. Mit mehreren Banken verhandelt Kührt über eine Kooperation; geplant sei, dass diese über einen Internet-Link Kunden auf das Portal aufmerksam machen. Ein Bank hat ihm gar den Kauf des Portals angeboten. Das freilich lehnte der Pädagoge ab. dpa

Info http://www.anlage-coach.de

Berufsschullehrer Peter Kührt präsentiert mit Schülern Begriffe für Anlegertypen und Anlageprodukte. Foto: dpa

Zum Artikel

Erstellt:
7. Juli 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Juli 2010, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+