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Nichts zu meckern: meisterlich monströs

Nürnberg schließt Wagners "Ring" mit einer überragenden "Götterdämmerung"

Dass Richard Wagners "Ring" vollkommen rund gerät, ist eher die Ausnahme. Jetzt ist es passiert: 4:0 für Nürnberg. Mit einem grandiosen Finale.

13.10.2015
  • MANFRED F. KUBIAK

Nürnberg Vor Zeiten firmierte man noch als Altmeister, doch im Fußball ist Nürnberg gerade mal noch zweitklassig. In Sachen Musiktheater ging's in den letzten Jahren rapide nach oben. Und seit Sonntag ist Nürnberg gewissermaßen deutscher Opernmeister. Denn an einem Haus, wo eine Monstrosität wie "Der Ring des Nibelungen" so geschmiedet werden kann, führt kein Weg vorbei. "Rheingold", "Walküre", "Siegfried" und nun "Götterdämmerung": Der Weg war lang, das Ergebnis deutlich - 4:0.

Es gab und gibt nichts zu meckern. Auch am Ende nicht, das im Jubel unterging und an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Brünnhilde überlässt den verfluchten Ring nicht etwa den "Rheintöchtern" und womöglich dem Zufall. Sie übernimmt selbst die Macht, nachdem Götter und Menschen sich und die Natur mit ihrer Habgier erledigt haben.

Denn wenn Brünnhilde eines verstehen lernen musste in der Zeit, da sie von Göttervater Wotan als Steigbügelhalter des Nachfolgekandidaten Siegfried missbraucht worden war, dann das: Nur Macht macht mächtig. Also installiert sie im Moment des Untergangs des alten ein neues Regime, bei dem sogar Flüchtlinge instrumentalisiert mitmachen dürfen. Und ab sofort wird nicht mehr am Ring gedreht, wenn die Welt parieren soll, sondern die neue Chefin twittert, was das Zeug hält. Ob sich was ändern wird? Für manche ja, für manche nein. Aber insgesamt? Warum sollte es das.

So zynisch Regisseur Georg Schmiedleitner das Ende der Geschichte deutet, so grandios hat er sie über vier lange, aber niemals langwierige, spannende, stets nachvollziehbare Abende - von Wagners fundamentaler Kapitalismuskritik ausgehend - erzählt. Wenn das ab der Spielzeit 2016 in Nürnberg auch am Stück gereicht werden wird, wird man wohl erst richtig ermessen können, wie unglaublich dicht das Ganze geraten ist.

Und ebenso musikalisch. Generalmusikdirektor Marcus Bosch und die Nürnberger Staatsphilharmonie bieten zum Schluss noch einmal ein Best of dessen, was diesen "Ring" auch nach Noten so überragend macht. Einen so transparenten, von Pathos befreiten, perfekt ausbalancierten Wagner bekommt man zur Zeit wohl nirgendwo sonst geboten. Doch wenn es sein muss, zum Beispiel beim "Trauermarsch", dann kann der Orchestergraben regelrecht explodieren. Gehört haben sollte man, wie die Staatsoper in Nürnberg mehr oder weniger aus dem Haus heraus ein Wagnerensemble aufbieten kann, um das man sie nicht nur in Bayreuth beneiden wird. Allen voran Vincent Wolfsteiner als ein Siegfried, der selbst den dritten Aufzug so gestaltet, als habe er erst zu singen begonnen, Rachael Tovey als Brünnhilde, Woong-Jo Choi als Hagen und, kurz, doch höchst eindrucksvoll, Roswitha Christina Müller als Waltraute.

Info Nächste Vorstellungen am 18. und 25. Oktober, 1. und 29. November.

Nürnberg schließt Wagners "Ring" mit einer überragenden "Götterdämmerung"
Siegfried (Vincent Wolfsteiner) rennt zielllos umher - und sollte doch die Welt retten. Foto: Ludwig Olah

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13.10.2015, 12:00 Uhr
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