Rottenburg · Coronahilfe

Notfallfonds statt Gutschein

Der Gemeinderat bewilligt die Einrichtung eines Fonds für unbürokratische finanzielle Hilfe ein.

31.07.2020

Von Angelika Bachmann

Familien mit geringem Einkommen sind besonders von den Corona-Schließungen betroffen. Das Schulessen fiel weg, frische und gesunde Lebensmittel sind teurer geworden, die Tafel war zwischendurch geschlossen, so schrieben die Linke und die FaiR-Fraktion in einem Antrag, über den der Gemeinderat am Dienstag zu entscheiden hatte.

Und dann noch die Waschmaschine

Sie schlugen vor, dass jeder Rottenburger Haushalt, der die Kreisbonus-Card besitzt oder eine Berechtigung für die Nutzung der Tafel hat, einen Restaurant-Gutschein über 50 Euro erhalten solle. Es wäre „ein Zeichen der Anerkennung“, argumentierte Linken-Stadtrat Emanuel Peter. Zudem würden die coronageschädigten Gastronomie-Betriebe davon profitieren.

Eine Mehrheit fand der Antrag freilich nicht, zumal die SPD zur selben Sitzung einen Alternativ-Antrag eingereicht hatte. Sie schlug vor, einen Notfallfonds in Höhe von 20000 Euro einzurichten, der vorerst ein Jahr lang laufen soll.

Aus diesem Fonds soll „in begründeten Einzelfällen“ Hilfe für Einzelpersonen und Familien bis zu einer Höhe von maximal 300 Euro (Einzelpersonen) und 600 Euro (Familien) geleistet werden. Über die Hilfszahlungen entscheidet ein Gremium, dem ein Vertreter des Bürgrbüros und die Diakone Jörg Stein und Susanne Mehlfeld angehören.

Hermann Josef Steur sah zwar eine „gute Absicht“ im Antrag von Linken und FaiR. Doch „ein Restaurant-Gutschein ist schnell weggevespert.“ Es gebe jedoch viele Familien, die kein Hartz IV beziehen und normalerweise gerade so mit niedrigem Einkommen über die Runden kommen. Wenn allerdings coronabedingt die Überstunden wegfallen, die für den Lebensunterhalt fest einkalkuliert sind – und dann auch noch die Waschmaschine kaputt geht, dann ist Not am Mann. In solchen Fällen soll der Notfallfonds einspringen und „unbürokratisch Hilfe geleistet“ werden.

Nicht gegeneinander ausspielen

„Warum ist das ein Alternativantrag?“, fragte sich Peter. Man könne doch den Betroffenen eine Freude machen und müsse nicht einen Restaurant-Gutschein gegen Stromrechnungen ausspielen. „Lassen Sie uns über beide Anträge wohlwollend abstimmen.“ Oberbürgermeister Stephan Neher fügte an: „Und zwischendurch ein bisschen aufs Geld schauen.“

Die Ratsmitglieder stimmten am Ende mehrheitlich für den Notfallfonds und lehnten den Antrag für die Restaurant-Gutscheine ab.

Zum Artikel

Erstellt:
31. Juli 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Juli 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2020, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+