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Neue Hinweise auf verborgene Kammern

Nofretete auf der Spur

Radarscans in Tutanchamuns Grab zeigen sehr wahrscheinlich zwei verborgene Kammern, die Metalle und organisches Material enthalten.

18.03.2016
  • MARTIN GEHLEN

Kairo. Seine frühere Skepsis hat Mamdouh Eldamaty abgelegt. Er sei nun zu "90 Prozent sicher", dass die fünf Radarscans japanischer Spezialisten in der Gruft des Tutanchamun zwei bisher unbekannte Kammern zeigen, erklärte der ägyptische Antikenminister in Kairo. Noch wisse man nicht genau, wie groß die Hohlräume seien. Doch die Computerauswertung der weiß-blau gestreiften Aufnahmen habe ergeben, dass die Kammer hinter der Nordwand wahrscheinlich Metalle und organisches Material enthalte, die hinter der Westwand organisches Material.

Ob der Inhalt eine Mumie sein könnte, darauf wollte sich Eldamaty gestern auf der Pressekonferenz nicht festlegen. "Aber wir haben allen Grund weiterzumachen - und am Ende könnte die Entdeckung des Jahrhunderts stehen", erklärte der Wissenschaftler, als er die Analyse seines Kollegen Hirokatsu Watanabe aus Tokio vorstellte.

Ausgelöst wurden die ungewöhnlichen Untersuchungen an der weltberühmten Grablege des Tutanchamun durch den Ägyptologen Nicholas Reeves, der in den USA an der Universität von Arizona lehrt. Der Amarna-Experte hatte argumentiert, das 1922 von dem britischen Archäologen Howard Carter entdeckte Grab KV 62 sei größer als bisher bekannt. Der jetzt durch die Radarscans ermittelte westliche Nebenraum könnte weitere Grabbeigaben Tutanchamuns enthalten und der nördliche Zusatzraum das "ungeplünderte Grab" der Nofretete, schrieb Reeves.

Denn das vermutliche Gesamtdesign der unterirdischen Anlage im Tal der Könige bei Luxor gleiche eher einer Königinnen-Gruft und sei zunächst für Nofretete allein gedacht gewesen. Als ihr Stiefsohn und Nachfolger, der 19-jährige Tutanchamun, überraschend früh starb, habe man hastig die beiden vorderen Kammern zu dessen Grab umgewidmet, die hintere der Nofretete abgetrennt und zugemauert.

Die jetzt veröffentlichten Scans von November stützen bislang die Nofretete-Theorie Reeves . Denn die Aufnahme von der Nordwand der Grabkammer, die mit Malereien dekoriert ist, teilte sich genau in der Mitte in zwei unterschiedliche Muster. Die linke Hälfte deuten die japanischen Experten als massiven Fels, die rechte Hälfte als eine nachträglich eingezogene Wand, in der sich eine kleine zugemauerte Servicetür ausmachen lässt.

Noch hat die ägyptische Expertenkommission, die die Forschungen überwacht, keine Entscheidung getroffen, ob die vermuteten Hohlräume angebohrt und ihr Inhalt mit einer Spezialkamera analysiert werden soll. "Vorher brauchen wir hundertprozentige Gewissheit", erklärte Antikenminister Eldamaty, der an der Uni Trier mit einer Arbeit über den Tempel in Dendera promoviert hat. Und so sollen in zwei Wochen am 31. März durch noch leistungsfähigere Radarscans die Dicke der Trennwände und die genauen Dimensionen der benachbarten Felskammern vermessen werden.

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18.03.2016, 08:30 Uhr
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