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Noch viel Luft nach unten
Lastwagen an Lastwagen (hier am Kieler Hafen). Auch auf den Autobahnen wachsen die Kolonnen. Digitalisierung hilft dabei, die Auslastung der Brummis zu verbessern. Das spart Kosten und ist auch ökologisch gut. Foto: dpa
Digitalisierung krempelt Logistik um: Weniger Leerfahrten, weniger Sprit, verstärkt 3D-Druck

Noch viel Luft nach unten

Mehr als ein Drittel der Lkw-Ladung ist heute – Luft. Digitalisierung soll dieses und vieles andere in der Logistik verbessern. Die Branche ist elektrisiert.

13.08.2016
  • THOMAS VEITINGER

Geislingen. Das Hemd ist einem näher als der Rock. Autofahrer ärgern sich oft über Lastwagen, die auf Landstraßen vor ihnen herfahren und sich auf Autobahnen Überholduelle liefern. Aber dass Brummis frische Lebensmittel oder online bestellte Schuhe bringen, ist wiederum in Ordnung: Bei der Internet-Bestellung kann es nicht schnell genug gehen. Die Logistik-Branche muss manchen Zwiespalt aushalten. In Zukunft wird sich dies zuspitzen, gewaltige Veränderungen stehen den Unternehmen bevor, berichtet Micha Lege.

Beispiel 3D-Druck. Braucht es überhaupt noch Spediteure, wenn Produkte statt in China im heimischen Wohnzimmer von einer Maschine gedruckt, also gefertigt werden können? „Das schon“, sagt der Geschäftsführer der Spedition Wiedmann & Winz aus Geislingen an der Steige. „Es wird noch lange dauern, bis sich qualitativ gute und komplexe Produkte daheim fertigen lassen.“ Aber Reeder testen bereits 3D-Druck auf Schiffen, damit Ersatzteile an Bord entstehen – der Transport entfällt. Große Lagerhäuser von Bosch könnten künftig verschwinden – wer will schon seltene Maschinenteile teuer einlagern, wenn sie sich bei Bedarf herstellen lassen? Daimler testet ebenfalls. 3D-Druck könnte sogar die Globalisierung ausbremsen.

„Unsere Branche verändert sich ständig“, sagt Lege. „Wir können uns nicht auf dem Ledersofa zurücklehnen und sagen: ,Alles läuft gut.‘ Wir waren schon immer Getriebene.“ Die Marge ist mit 1 bis 3 Prozent knapp, osteuropäische Unternehmen unterbieten hiesige Spediteure, Kosten für Lastwagen-Maut und Diesel sind zu stemmen. Die Digitalisierung ist dabei Problem und Lösung zugleich. Zunächst fallen auch hier hunderte Millionen Euro Investitionen an. „Wer sich ihr nicht stellt, ist irgendwann weg vom Fenster“, ist Lege überzeugt.

Gleichzeitig bietet sie aber viele Lösungen zur Kosteneinsparung. „Zum vernetzten Truck gibt es bald Informationen über den Gesundheitszustand des Fahrers, die Verkehrssituation, die Topografie der Strecke, den Straßen- und Wetterzustand und vieles mehr.“ Tiefe Einblicke in den Lkw-Motor lassen drohende Ausfälle erkennen. Stehen längere Ausladezeiten an der Rampe eines Kunden bevor, kann das Fahrzeug entsprechend langsamer anfahren und so Sprit sparen. Lege: „Digitalisierung ist für uns das Verknüpfen von Daten.“

Ein Problem, das es zu bewältigen gilt: 37 Prozent der Ladung besteht heute – aus Luft. Diese unökonomische Leer-Fahrt zu verringern, ist eine der großen Aufgaben der Logistik 4.0. „Heute sind die Fahrzeuge auch oftmals Stehzeuge, weil vorgeschriebene Pausen, Staus und Wartezeiten an den Rampen für Ineffizienz sorgen“, sagt Lege.

Dies wird durch digitale Frachtbörsen anders werden, in denen Unternehmen Transport-Dienstleistung anfordern. Fahrten lassen sich auf diese Weise verknüpfen und optimieren. Dass der kapitalschwächere Mittelstand bei den Umwälzungen auf der Strecke bleibt, befürchtet Lege nicht. „Der Mittelstand ist flexibel, mein Unternehmen etwa arbeitet seit dem Jahr 2000 mit einem intelligenten Telematiksystem, das bringt Vorteile.“

In den Lagerhäusern ist mit Logistik 4.0 dann noch lange nicht Schluss. Datenbrillen und -handschuhe helfen etwa, entnommene Ware sofort automatisch zu scannen und zu überprüfen. Alle für die sogenannte Kommissionierung notwendigen Informationen werden dem Logistik-Mitarbeiter auf der Brille angezeigt. Roboter bringen das Regal zum Mitarbeiter.

Automatische Transportsysteme ermöglichen fast menschenleere Hallen. Vorteile für den Verbraucher Endkunden: Seine Onlinebestellung wird im besten Fall transparenter, günstiger, pünktlicher.

Auch die Umweltbelastung sinkt: Auf der Straße fahren autonome Lastwagen bald in geringerem Abstand hintereinander her, auch das spart Sprit und vermeidet Kohlendioxid. Autofahrer könnten sich über den geringeren Platzbedarf freuen, wenn der zunehmende Verkehr den Vorteil nicht wieder zunichte macht. Eines ist Lege wichtig: „Den Big Bang wird es nicht geben, das alles kommt nach und nach – relativ schnell.“

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13.08.2016, 06:00 Uhr
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