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Noch immer drehen im Mössinger Freibad Frühschwimmer ihre Runden
Hart, härter, Frühschwimmerinnen: Während andere sich morgens noch die Nutella-Brötchen schmieren, sind diese Mössingerinnen schon dabei, Bahnen abzureißen. Bild: Franke
Die Unverdrießlichen - bis Sonntag, dann ist Ende

Noch immer drehen im Mössinger Freibad Frühschwimmer ihre Runden

Es gibt nicht „zu kalt“ zum Schwimmen und es gibt nicht „zu früh“:

15.09.2017
  • Claudia Jochen

Am kommenden Sonntag schließt das Mössinger Freibad. „Zurecht!“ werden manche Leser nun hinter ihrer Zeitung hervorstoßen – denn das Wetter derzeit lädt nicht gerade zum Plantschen ein. Und doch gibt es auch am Rande der Nachsaison unverwüstliche Männer und Frauen, die unter den tropfnassen Hängen des Mössinger Firstberges nicht nur schwimmen – sondern auch noch in aller Herrgottsfrühe schwimmen.

Die Geschichte der unermüdlichen Mössinger Frühschwimmer geht zurück bis zur Eröffnung des Freibades vor 30 Jahren, wie Ute, 66, dem TAGBLATT berichtet: „Damals war ich schon jeden Tag mit meinen Kindern hier, auch als ich noch gearbeitet habe.“

Edith, 74, kommt seit dem 1. Juli 2005 regelmäßig zu den Frühschwimmern. Das Datum weiß sie deswegen so genau, weil sie an diesem Tag in Rente ging. Als sie noch arbeitete, hatte sie nur am Wochenende Zeit und beneidete die Frauen, die jeden Tag zu den Frühschwimmern kamen.

Auch Ellen, 78, kommt jeden Tag: „Das ist unser Geschäft, bevor der Tag anfängt. Wenn man einmal nicht gegangen ist, ärgert man sich den ganzen Tag“ ist sie überzeugt und ergänzt: „Kaltes Wasser und viel Lachen, das hält jung!“ Die umstehenden Frauen nicken und erzählen von einer 98-jährigen aus ihrer Gruppe, die bis vor ein paar Jahren immer im Bikini beim Frühschwimmen auftauchte. „Sie war schon auch ein Vorbild für uns“, erklärt Ellen. „Meine Eisbären“ – so nennt Mössingens Bademeister Michael Bauer die Frühschwimmer, erklären die Frauen lachend.

Es ist halb acht am vergangenen Freitag. Stromausfall. Das Mössinger Freibad ist dicht, heute geht auf den Bahnen nichts mehr. Während die Frühschwimmerinnen vor dem Bad stehen, fährt der erste männliche Frühschwimmer vor und wird von der versammelten Weiblichkeit begrüßt: „He Karl, heut ist Stromausfall! Kein Frühschwimmen!“ Karl nimmt es gelassen und macht kehrt. Eine Frühschwimmerin schaut ihm hinterher und schwärmt: „Jetzt schauen Sie sich doch mal die schönen Beine an! Das kommt nur vom Schwimmen!“ Karl reagiert nicht, es wird gelacht wie unter Teenagern.

„Ich hab schon Angst davor, wenn das Freibad zu macht. Wohin dann zum Schwimmen?“ fragt sich Edith. Das Mössinger Hallenbad wird im Winter renoviert, ebenso das Hechinger. Vielleicht könne maneine Fahrgemeinschaft nach Pfullingen bilden, sagen die Frauen. Auch Annerose (81) beteiligt sich nach Klärung der morgendlichen Lage gleich an der Diskussion, was man nun im Winterhalbjahr unternehmen solle, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen: „Laufen, Schwimmen, Schwätzen: Das ist unser morgendlicher Triathlon“ und Ellen ergänzt: „Ich fahr‘ auch noch mit dem Fahrrad her“.

Lisel, 69, kommt seit über 20 Jahren aus Dußlingen zum Frühschwimmen: „Ed so regelmäßig, wenn ich halt grad Zeit hab. Es kommt halt manchmal ebbes dazwischen“. Gabriele, 72, ist vor Kurzem nach Ofterdingen gezogen und gehört nun auch zur Frühschwimmer-Gruppe. „Mal sehen, ob mein Mann schon das Frühstück gemacht hat“, seufzt Gabriele. Es ist Tradition bei den Frühschwimmerinnen, dass im Sommer die Männer das Frühstück herrichten, erzählen die Frauen. „Ich bin schon satt, wenn ich meine Tabletten alle genommen habe“, meint Edith. „Ich geh jetzt heim und vernasch meinen Mann!“, ruft eine und es wird herzlich gelacht. Vor einigen Jahren gehörte es auch zur Tradition, zum Saisonabschluss gemeinsam vom „Alten Morgen“ nach Beuren zu wandern und dort zu frühstücken.

Hans ist aus Ofterdingen und ist einer der wenigen Männer bei den den Frühschwimmern. Er legt den Kopf schief und mustert die TAGBLATT-Journalistin: „Sie sind sicher nicht zum Schwimmen gekommen“, sagt er ihr auf den Kopf zu. „Woher wissen Sie das?“ fragt die Reporterin. „Ich erkenne meine Hennen an ihren Federn“, erklärt er. Die Damen lachen. „Er ist halt unser Hahn im Korb“, tönt es und es wird noch mehr gelacht.

An diesem Tag, wegen Stromausfall, wird nicht mehr geschwommen. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke kommt auf die Gruppe zu und erklärt: „Da ist ein größeres Problem, heute bleibt das Freibad zu.“ – „Dann wollen wir Verlängerung!“, ruft Hans. Der Stadtwerkemann ergänzt lachend: „Bis Dezember! Mindestens!“

Am kommenden Sonntag ist freier Eintritt

Letzter Badetag im Mössinger Freibad ist der kommende Sonntag, 17. September. Am diesem letzten Öffnungstag ist der Eintritt frei. Zahlreiche Fundsachen sind in dieser Saison gefunden worden und können bis dahin abgeholt werden. Das Hallenbad in Mössingen wird seit dem Frühjahr saniert und ist auch noch im Herbst und Winter 2017/2018 geschlossen. Die Sanierungsarbeiten werden voraussichtlich im Herbst 2018 abgeschlossen sein.

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15.09.2017, 01:30 Uhr
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