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Jagd

Noch immer bleierne Zeiten

In den meisten Bundesländern wird auf der Jagd mit Blei geschossen. Das soll sich ändern, denn die Rückstände gefährden Mensch und Tier.

24.09.2012
  • PETER GÄRTNER

Berlin. Wenn die großen Vögel auf dem Versorgungstisch der Kleintierklinik in Berlin-Düppel landen, ist es meist zu spät. Die Atmung geht nur noch schleppend, der mächtige Körper des Seeadlers kann sich nicht mehr aufrecht halten, weil sich in den Blutbahnen Blei verteilt und die Lungen angegriffen hat.

Eine Bleivergiftung in Form winziger, im Magen des Greifvogels verteilter Splitter ist inzwischen die häufigste Todesursache der mit einer Flügelspannweite bis zu 2,40 Metern größten einheimischen Adlerart. Das brandenburgische Umweltministerium erklärt, dass Seeadler, die sich ansonsten vor allem von Fischen und Wasservögeln ernähren, in der kalten Jahreszeit recht bequeme Tiere seien.

Wenn die Gewässer zugefroren sind, jagen die Greifvögel nur ungern selbst und stürzen sich gerne auf die Innereien des von Jägern geschossenen Wildes. Dabei nehmen die Aasfresser das Blei aus der Jagdmunition auf.

Umweltschützer und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fordern seit Jahren die bleifreie Jagd. Bleifreie Munition hat sich bereits in vielen Ländern Afrikas, in Japan und Australien durchgesetzt.

In Deutschland stehen nicht zuletzt die Jagdverbände auf der Bremse, denn ein bleifreier Schuss ist bis zu zwei Euro teurer als ein herkömmlicher. Von Mittwoch will an sich die Agrarministerkonferenz in Schöntal bei Heilbronn mit dem umstrittenen Thema beschäftigen.

Seit das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unlängst warnte, der regelmäßige Verzehr mit Bleimunition erlegter Wildtiere könne die Gesundheit der Verbraucher gefährden, ist auch Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) alarmiert. Nach Angaben der Umweltorganisation BUND verschießen die Jäger in Deutschland rund 120 Tonnen bleihaltige Geschosse pro Jahr. Der überwiegende Teil davon verbleibe im Ökosystem.

Im Staatswald Nordrhein-Westfalens darf schon jetzt nur noch mit bleifreier Munition gejagt werden. In Baden-Württemberg hingegen schießen Jäger noch mit Blei - ein Zustand, den der Naturschutzbund kritisiert: "Bleifrei an der Tankstelle ist Standard", sagt der Nabu-Landesvorsitzende Andre Baumann. "Jetzt brauchen wir auch bleifrei in Wald und Feld."

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24.09.2012, 12:00 Uhr
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