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CDU

Noch eine wie Angela

Die neue Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Merkel haben viel gemeinsam. Als politisches Signal wollen sie das nicht verstanden sehen.

20.02.2018

Von ELLEN HASENKAMP

Weichenstellung in der CDU: Parteichefin Angela Merkel macht die Saarländerin Annegret Kramp-Karrenbauer zur Generalsekretärin. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Angela Merkel ist tatsächlich aus dem Häuschen. Zumindest ein bisschen. Als die Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzende am Montag in Berlin ihre neue Generalsekretärin Annegret KrampKarrenbauer vorstellt, passieren gleich mehrere ungewöhnliche Dinge. Da ist zum einen die Wortwahl Merkels. Die Meisterin des Understatements gerät förmlich ins Schwärmen: Von „großem Glück“ ist die Rede, von einer „spannenden Sache“ und der „wunderbaren Partei“ CDU.

Und dann hat Merkel auch noch einen veritablen Aussetzer: Als „erste Frau in dem Amt“ preist sie die Saarländerin an. Es dauert dann ein paar Sekunden, ehe Merkel ihren Irrtum bemerkt. Die Kanzlerin schneidet eine Grimasse und bekennt: „Das war 'ne echte Fehlleistung“. Denn erste Generalsekretärin der CDU war: Angela Merkel.

Diese biografische Parallele ist durchaus ein Signal. Auch wenn Merkel sofort abwinkt: „Die Geschichte wiederholt sich nicht.“ Und auch wenn Kramp-Karrenbauer mit dem Titel der Kronprinzessin wenig anfangen kann: „Ich habe mich noch nie für Prinzessinnenrollen geeignet – auch in der Fastnacht nicht“, sagt die Saarländerin, die mit Kopftuch und Kittelschürze lieber als Putzfrau Gretel gereimte Bühnenreden hält.

Ausfegen soll Kramp-Karrenbauer nun also bei der CDU. Die Debatte gestalten, die in ein neues Grundsatzprogramm münden soll. Und die Verunsicherung beenden über die Richtung zwischen der AfD und Sozialdemokratie.

Die Partei gibt sich erst einmal begeistert. Als „eigenen Kopf“ lobt sie der Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann. „Mehr General als Sekretärin“, freut sich der Außenpolitiker Elmar Brok. Und Staatssekretär Jens Spahn lobt: „Sie steht für einen erfolgreichen Wahlkampf.“

Tatsächlich hat Kramp-Karrenbauer vor knapp einem Jahr nicht nur die Landtagswahl im Saarland gewonnen, sondern auch den Lauf von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gestoppt. Und sie hat die inzwischen schon magische Marke von 40 Prozent genommen. Das Ziel setzt sie auch gleich für den Bund, 30 Prozent plus x reichen ihr nicht.

Merkel und Kramp-Karrenbauer – Ähnlichkeiten liegen auf der Hand. Die praktische Frisur. Die nüchterne Art. Die Schnelligkeit im Kopf. Und die politische Härte, wenn es drauf ankommt: Merkel legte einen Grundstein für ihren Aufstieg mit ihrem eigenmächtig veröffentlichten Aufruf zur Loslösung von CDU-Übervater Helmut Kohl.

Kramp-Karrenbauer erwies sich 2012 als ähnlich kaltblütig, als sie die bundesweit erste Jamaika-Koalition auf Landesebene in Saarbrücken im Alleingang beendete. Ausgerechnet am Dreikönigstag, als die Liberalen sich in Stuttgart feierten. FDP-Landeschef Oliver Luksic hielt gerade seiner Frau im Kreißsaal die Hand, als er vom Aus des Regierungsbündnisses erfuhr. Von „schlechter Stil“ bis „Unverschämtheit“ reichten die Vorwürfe. Kramp-Karrenbauer zuckte die Achseln, setzte Neuwahlen an und regierte weiter.

Ein Knochenjob

Die Saarländerin, die nächste Woche vom CDU-Parteitag offiziell ins neue Amt gewählt werden soll, tritt einen politischen Knochenjob an. 350?000 Kilometer hat ihr Vorgänger Peter Tauber nach eigenen Angaben in seinen vier Jahren als CDU-Generalsekretär zurückgelegt, 553 Partei- und Wahlkampftermine an der Basis absolviert, an 95 Präsidiumssitzungen teilgenommen und sich in insgesamt 15 Wahlkämpfe gestürzt.

Das alles kommt nun auf Kramp-Karrenbauer zu, deren heimatliches Püttlingen sieben Autostunden entfernt von Berlin liegt. Ihren Mann, den sie mit 22 Jahren geheiratet hat, und die drei erwachsenen Söhne, wird sie künftig wohl noch weniger zu sehen bekommen.

Amtsvorgänger Tauber hatte am Sonntag seinen Rückzug vom Amt des Generalsekretärs verkündet. Bei dem 43-Jährigen wurde vergangenes Jahr eine schwere Darmerkrankung festgestellt, Operationen und lange Krankenhausaufenthalte folgten. Derzeit erholt sich Tauber in seiner hessischen Heimat.

In sein Amt als Generalsekretär war er als „schwarzer Peter“ gestartet, doch sein Einsatz für ein Einwanderungsgesetz und die Ehe für alle wurden ihm von Teilen der Partei verübelt. Wie auch seine Unterstützung für Merkels Flüchtlingspolitik.

„Generalsekretäre sind nicht dafür da, dass sie beliebt sind“, schrieb Tauber zum Abschied. Wobei das mit dem Abschied noch nicht gesichert scheint: Merkel sagte, sie freue sich „auf die zukünftige Zusammenarbeit mit Peter Tauber“.

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Erstellt:
20. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2018, 06:00 Uhr

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