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Noch eine Chance für Anwalt
Kokain in Massen hat ein Mannheimer Anwalt konsumiert. Inzwischen clean, stand er als Angeklagter vor Gericht. Foto: Christian Charisius/dpa
Urteil

Noch eine Chance für Anwalt

Ein früher kokainsüchtiger Jurist kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Er muss aber eine Therapie machen und regelmäßig zum Drogentest.

10.02.2018
  • ULRICH WILLENBERG

Mannheim. Das Mannheimer Landgericht hat einen drogenabhängigen Rechtsanwalt zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt. In seiner über 20-jährigen Laufbahn hat er zahlreiche Verbrecher verteidigt. Darunter waren Mörder, Totschläger und auch Rauschgifthändler. Dass der 51-Jährige kokainsüchtig war, ahnte in Justizkreisen wohl niemand. Die Strafkammer befand ihn jetzt wegen des Erwerbs und Besitzes von 200 Gramm des Rauschgifts für schuldig. Außerdem habe er Beihilfe zum Drogenhandel geleistet.

Der bekannte Rechtsanwalt zeigte sich sichtlich erleichtert über den Ausgang des Prozesses. Denn das Urteil bietet ihm die Chance, weiter im Beruf tätig sein zu können. Und dadurch seinen Schuldenberg von rund 200 000 Euro abzutragen.

Das Verfahren falle aus dem Rahmen, sagte die Vorsitzende Richterin Bettina Krenz. Es sei „nicht alltäglich, dass ein Organ der Rechtspflege selbst straffällig wird“. Als Verteidiger am Mannheimer Landgericht habe der Angeklagte „oft polarisiert“. Dass der Prozess gegen ihn am gleichen Gericht verhandelt wurde, begründe keine Befangenheit. Inzwischen lebe der 51-Jährige seit längerem abstinent.

Der frühere Kokainbedarf des Strafverteidigers war enorm. So konsumierte er 2016 in sechs Monaten rund 200 Gramm der Droge. Besorgt wurde das Rauschgift von zwei Freunden, darunter war auch ein Mandant. Die beiden lieferten den Stoff in die Kanzlei oder die Wohnung. Das Gericht verurteilte den Anwalt auch wegen Beihilfe zum Drogenhandel. So habe er seine Lieferanten miteinander bekannt gemacht und einen Deal zwischen den beiden mit Marihuana und Ecstasy ermöglicht.

Verteidiger Jens Graf zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Sein Mandant könne jetzt weiter seinen Beruf ausüben. Der Grund: Die höchste aller 15 verhängten Einzelstrafen beträgt neun Monate. Ab einer Einzelstrafe von einem Jahr hätte die Rechtsanwaltskammer die Zulassung widerrufen. Wäre es nach Staatsanwältin Linda Thomsen gegangen, hätte der Strafverteidiger diese jedoch verloren. Sie beantragte in einem Fall eine Einzelstrafe von über einem Jahr. Bei einer Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldauflage von 15 000 Euro. Noch ist offen, ob die Staatsanwaltschaft Rechtsmittel einlegt.

Das Gericht hat dem Anwalt mehrere Auflagen erteilt: So muss er eine ambulante Drogentherapie fortsetzen, Selbsthilfegruppen besuchen und sich im ersten Jahr vier Drogenscreenings unterziehen.

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10.02.2018, 06:00 Uhr
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