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Start mit vielen guten Wünschen, Musik und einem Gummibärometer

Nill ist neuer List-Schulleiter

Der Neue ist vielen altbekannt: Hartmut Nill wurde gestern offiziell als Leiter der Friedrich-List-Realschule eingesetzt. Dort unterrichtet er seit 2004 als Lehrer.

22.07.2009
  • Gabi Schweizer

<strong>Mössingen.</strong> Sisyphos muss ein glücklicher Mensch gewesen sein, denn er hatte eine Aufgabe, philosophierte der französische Schriftsteller Albert Camus. Und der Grieche Perikles wusste: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.“ Ihn zitierte Konrektor Joachim Stuhlinger bei der Begrüßung in der Aula. Und schenkte dem „Neuen“ einen bergförmigen Stein – eine Anspielung auf Nills Hobby, das Skifahren – mit einer echten Marmorkugel an der Spitze und dem Schriftzug „Freiheit“. Das ganze Kollegium werde ihm helfen, wenn er sich eines Tages wie Sisyphos fühle, versprach Stuhlinger. Denn der griechische Held musste in der Unterwelt fortwährend einen großen Stein einen Berg hochwälzen, der ihm kurz vor der Spitze immer wieder entglitt.

Ein halbes Jahr lang hat Stuhlinger die Realschule kommissarisch geleitet nach dem Weggang des ehemaligen Rektors Rainer Wahl, der Ende 2008 ans Regierungspräsidium wechselte. In dem halben Jahr ist viel passiert: Gespräche über ein neues Schulhaus, Fenster für den Erweiterungsbau, Lehrer, die gingen, Lehrer, die neu dazukamen. Der Schulzug bewegte sich, wenngleich der „Lokführer während der Fahrt abgesprungen war“, packte Stuhlinger seine Eindrücke in ein Bild – ein Zug, bedroht von „Wegelagerern“, gegen den „der Orientexpress harmlos“ sei.

Eine offene Schule

ist das Ideal

Der Amoklauf in Winnenden fiel in Stuhlingers Amtszeit und damit auch die Angst vor einem Nachahmungstäter. „Jemand sagte einmal im Hinblick auf meine befristete Zeit als Schulleiter: Sie nehmen auch alles mit.“ Dennoch empfand Stuhlinger die sechs Monate als schöne Zeit, weil er viel Unterstützung vom Kollegium bekommen habe. Selbst bewerben wollte er sich nicht für das Amt des Rektors – wegen eines Unfalls, dessen Folgen nicht klar absehbar waren, aber auch, weil man sich das „gut überlegen“ müsse.

Der 47-jährige Nill fasste sich kurz in seinem Ausblick: Eine offene Schule ist seine Idealvorstellung, eine Einrichtung also, an der Schüler, Eltern und Lehrer einander „zuverlässige Partner sind“. Was kann die Schule leisten, um die Jugendlichen auf das Berufsleben vorzubereiten? Wie werden die Eltern beteiligt? Fragen, die Nill sich stellen will. Die Eltern haben schon sehr konkrete Forderungen an die Bildungseinrichtung. Geduld, Verständnis, Vertrauen, Verlässlichkeit, individuelle Förderung – das und noch viel mehr bräuchten die Kinder: Waltraud Berndt-Mohr, Andrea Bartel und Christel Härle aus dem Elternbeirat zählten dies in einer Sketch-Einlage auf.

750 Jungen und Mädchen besuchen die Friedrich-List-Realschule, betreut von etwa 50 Lehrern. Dass die Realschulen im Land ziemlich stiefmütterlich behandelt würden, ließ der Personalratsvorsitzende Wolfgang Kargl in seiner ironischen Ansprache klar durchblicken. Sie hätten die größten Klassen und die wenigsten Mitarbeiter im Ministerium. Zugleich seien die Klassen sehr heterogen, vergleichbar mit Grundschulen.

Im Rektorat muss

eine Pflanze stehen

Ruhe, Verständnis und das richtige Augenmaß wünschte die Öschinger Rektorin Christa Eichert dem neuen Kollegen – „dass es gelingen möge, Gesetze und Vorschriften so auszulegen, dass die Menschlichkeit nicht zu kurz kommt.“ Die geschäftsführende Leiterin der Mössinger Schulen will Nill noch eine Pflanze überreichen, ein Symbol des Wachsens und des sorgsamen Umgangs – auch mit sich selbst: „Die hat in ihrem Rektorat zu stehen“, mahnte sie. Nur: Sie kann nicht mehr damit drohen, dass sie nachschauen werde, ob das Gewächs noch lebt, den sie geht selbst in wenigen Tagen in Pension. „Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen“, zitierte sie den Philosophen Meister Eckhart.

Heidrun Bernhard von der Stadtverwaltung sprach Grußworte, ebenso Schuldekan Meinrad Dusba, der zu gegenseitigem Respekt mahnte. Die Schülermitverwaltung schenkte Nill ein Handtuch, „falls er bei der Arbeit ins Schwitzen kommen sollte“, und die Lehrerkollegen ein „Gummibärometer“. Nervennahrung. Zwischendurch musizierte sehr schön die Bläserklasse 6 b unter der Leitung von Reinhard Kolb – für Stücke wie „Flower Cup“ oder „Final Countdown“ bekamen sie viel Applaus.

„Schule geht nur gemeinsam, also gehen wir alle zusammen in die richtige Richtung“, sagte der Deutsch-, Mathe- und Physiklehrer Nill am Schluss. An Tübinger Schulen hat er Station gemacht, am Oberschulamt gearbeitet und in den 80er-Jahren sogar eine Kinder- und Jugendbuchhandlung in Tübinger mitbegründet. Nun also wieder eine neue Station. Stuhlinger hat für ihn ein Gedicht von Rose Ausländer abgewandelt: „Jetzt bist du da / Sei, wie du bist / Gib, was du hast.“

Nill ist neuer List-Schulleiter
Oberschulamtsleiter Roland Hocker (links) überreicht Hartmut Nill die Ernennungsurkunde zum Rektor der Friedrich-List-Realschule Mössingen – im Hintergrund die Bläserklasse 6 b. Bild: Rippmann

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22.07.2009, 12:00 Uhr
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