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Niederlage für IS in Libyen
Regierungstreue Kämpfer während einer Anti-IS-Operation Anfang August in Sirte. Foto: afp
Miliz aus Sirte vertrieben – Westliche Spezialkräfte heimlich im Einsatz

Niederlage für IS in Libyen

Der Versuch der Terrormiliz IS, in Libyen ein Kalifat zu errichten, scheint gescheitert. In Sirte erlitten die Dschihadisten eine entscheidende Niederlage.

13.08.2016
  • MARTIN GEHLEN

Sirte. Stolz und strahlend posieren die Angreifer mit der libyschen Flagge für Siegerfotos. Ihre Geländewagen mit Maschinengewehren parken vor dem einstigen Ouagadougou-Konferenzzentrum in Sirte. In dem protzigen Marmorpalast zelebrierte „der Führer aller arabischen Führer und König aller afrikanischen Könige“, Muammar Gaddafi, im November 2010 noch seinen letzten arabisch-afrikanischen Gipfel. Im Juni 2015 machte der „Islamische Staat“ (IS) den weitläufigen Komplex mit seinen Bunkern zum Hauptquartier, aus dem die Terrormiliz jetzt nach wochenlangen Kämpfen vertrieben werden konnte.

„Sirte kehrt nach Libyen zurück“, posteten die Kämpfer auf Facebook. „Die Schlacht um Sirte geht in die entscheidende Phase“, erklärte General Mohamad Ghassri, der Sprecher der Milizen. Denn noch gibt es nach Berichten lokaler Medien Gefechte mit versprengten IS-Kommandos in einigen Wohnvierteln. Doch die meisten Dschihadisten sind tot, verletzt, festgenommen oder geflohen. Ihr Versuch, am Mittelmeer ein Ersatzkalifat zu errichten, steht vor dem Scheitern, ein weiterer schwerer Rückschlag für die Anhänger des selbsternannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi. In den mächtigsten Zeiten kontrollierte seine Miliz einen etwa 400 Kilometer langen Küstenstreifen rund um die Geburtsstadt Gaddafis. Im Februar und April 2015 richteten die IS-Schlächter am Mittelmeerstrand 21 ägyptische und 28 äthiopische Christen hin und drohten mit einem Angriff auf „das gottlose Rom“.

Der Nationalen Einheitsregierung von Tripolis, die durch Vermittlung der Vereinten Nationen zustande kam, gibt der Erfolg in Sirte wichtigen Auftrieb. Erst vor zwei Wochen hatte Premierminister Fayez al-Sarraj die USA um Luftunterstützung für seine Truppen gebeten. Seitdem greifen US-Kampfjets und Drohnen Stellungen des IS an. Unterstützt werden die Streitkräfte am Boden von amerikanischen, britischen, französischen und italienischen Spezialtruppen, obwohl jede westliche Militärpräsenz auf libyschem Boden bei der einheimischen Bevölkerung sehr unpopulär ist. Ende Juli distanzierte sich die Nationale Einheitsregierung öffentlich von Frankreich, nachdem nahe Bengasi ein Armeehubschrauber mit drei Mitgliedern des französischen Auslandsgeheimdienstes an Bord abgestürzt war. „Hände weg von Libyen“, skandierten anschließend Demonstranten und verbrannten französische Flaggen. Italiens Regierung verweigert dem Parlament in Rom bisher jede Auskunft über Kommandoaktionen auf libyschem Gebiet. Und wie die „Washington Post“ diese Woche berichtete, sind auch US-Spezialkräfte im Einsatz.

Nach dem Erfolg in Sirte könnte in Libyen die Konfrontation zwischen der international anerkannten Regierung in Tripolis und der Gegenregierung in Tobruk eskalieren. Beide haben unabhängig voneinander neue Geldscheine drucken lassen, der Osten in Russland, der Westen in Großbritannien. Die im Osten operierende Libysche Nationalarmee unter General Khalifa Haftar verweigert sich den Befehlen aus Tripolis. Und so droht nun die nächste Konfrontation zwischen den Milizen Tripolis und den Truppen Haftars.

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13.08.2016, 06:00 Uhr
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