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Urteil

Nie Trinken ohne Therapeut

19.04.2018

Von FABIAN ZIEHE

Prösterchen! Allen Kur-Patienten sei aber zur Vorsicht geraten: Trinkt der Therapeut nicht mit, macht die Versicherung im Unfall-Fall Ärger. Foto: Jens Kalaene/dpa

Todtmoos/Stuttgart. Es gibt falsche Freunde und falsche Anlässe. Den ersten Fall illustrieren drei Worte, die ähnlich klingen, aber verschiedenes meinen. Eine „Tinktur“ kann Alkohol sein, wird aber nicht getrunken, sondern einmassiert. Die „Trinkkur“ meint eine innerliche Anwendung – doch alkfrei. „Trink-Tour“ ist eine innere hochprozentige Anwendung, aber kaum Teil einer therapeutischen Maßnahme.

Womit wir bei den „falschen Anlässen“ wären – und einem aktuellen Fall. Das Landessozialgericht hat nun einen Kläger abgewiesen, der während einer Kur in einem Wirtshaus gestolpert war und sich den Ringfinger gebrochen hatte. Die Kammer stellte fest: Das war kein Arbeitsunfall. Beim Kneipenbesuch gehe es nicht um Gesundung, sondern um Geselligkeit und „Genusserleben“.

Der verunfallte 53-Jährige hatte 2016 in Todtmoos (Kreis Waldshut) zur Kur geweilt. Zum Malheur kam es bei einem Ausflug mit Rehabilitanden. Nach Ansicht des Mannes war das Teil der Therapie. Die Kurklinik widersprach: Es habe keine Empfehlung der Ärzte zum Kneipenbesuch gegeben, sondern nur den Rat, mit anderen etwas zu unternehmen. Die Gruppe sei auch nicht von Therapeuten begleitet worden.

Wäre die Trink-Tour verordnet, wäre ein Therapeut mit am Tresen gesessen, hätte der Kläger Chancen gehabt. Dann hätte er sich aber fragen müssen, ob der Therapeut nicht ein „falscher Freund“ ist. Und der medizinische Begleiter hätte darüber sinnieren sollen, ob Kuren nicht generell denkbar „falsche Anlässe“ sind für gesellig-genussvolle Gelage. Fabian Ziehe

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Erstellt:
19. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
19. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. April 2018, 06:00 Uhr

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