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Von Afrika in die Arktis

Nicola Vollkommer schreibt über ihre Familie

Ihr Onkel John Sperry war Bischof in der Arktis. Aus seiner Geschichte hat Nicola Vollkommer ihr zweites Buch gemacht. Am Donnerstag las sie aus „Am Rande der gefrorenen Welt“ im Rittersaal des Schlosses in Kirchentellinsfurt.

04.02.2012

Von Antonia Kurz

Kirchentellinsfurt. Das Buch heiße ja „Am Rande der gefrorenen Welt“, aber man fühle sich derzeit eher wie mittendrin, scherzte Charlotte Braun, Leiterin der Bücherei in Kirchentellinsfurt, und spielte damit auf die Rückkehr des Winters hierzulande an. Nicola Vollkommer aber wies darauf hin, dass Temperatur relativ sei. „Bei null Grad war es im Iglu richtig gemütlich“, so die Autorin bei ihrer Lesung am Donnerstagabend, die von der Gemeindebücherei veranstaltet wurde. Die Gäste der Lesung – vorwiegend Frauen – konnten sich mit Tee wärmen und durch Snacks stärken.

Weißer Rollkragenpullover, schicke Lederstiefeletten, kleine rote Perlenohrringe und ein freundliches Lächeln – Nicola Vollkommer lebt in Reutlingen und unterrichtet Musik und Englisch an der Freien Evangelischen Schule. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder. Das ganz normale Leben einer Mutter und Ehefrau, könnte man meinen.

Vollkommer aber stammt aus einer interessanten Familie, deren Geschichten sie für ihre Bücher fruchtbar macht. Ihr erstes Werk „Unter dem Flammenbaum“ erzählt von Vollkommers Kindheit in Nigeria, davon, wie ihre Familie zwischen die Fronten eines Bürgerkriegs geriet und ihr Vater – ein Geschäftsmann – viele Leben rettete. Schließlich verließ die Familie den Kontinent und Vollkommer studierte in Cambrigde Germanistik.

In ihrem Erstwerk wird auch der Bruder ihres Vaters erwähnt, der als Bischof in der Arktis lebte. Nicola Vollkommers Lektorin rief an, wies auf diesen interessanten Aspekt hin und ermutigte die Autorin, die Geschichte aufzuschreiben. Von Afrika in die Arktis also. In „Am Rande der gefrorenen Welt“ beschreibt sie das Leben ihres Onkels und dessen Frau unter den Inuit. Als Basis dienten ihr dabei Interviews, die ihre Cousine mit dem Bischof geführt und aufgenommen hatte. Die Briefe, die im Buch enthalten sind, sind aus diesen Protokollen rekonstruiert.

Vollkommers Onkel lebt noch und ist heute 87 Jahre alt. Im Vorwort des Buches heißt es: „In der Welt der Kirchenprominenz, in der mein Onkel als dritter ,Bischof der Arktis? und Leiter der größten Diözese der anglikanischen Kirche weltweit wirkte, hießen er und seine Frau ,the Right Reverend and Mrs Reginals Sperry?. Für mich waren sie ,Uncle Jack and Auntie Betty?“.

Der Leser von „Am Rande der gefrorenen Welt“ taucht ein in die Welt der Eskimos, die an einem Ort leben, „wo niemand hingehen wollte“, die Robben jagen und deren Leben davon abhängt, dass die Wanderrouten der Karibus dieselben bleiben. Nicola Vollkommers Sprache ist einfach, lebhaft und klar. Ihr Onkel John Sperry übersetzte die Bibel in die Sprache der Inuit und wurde schließlich von der kanadischen Regierung für seine Bemühungen um die Erhalt der aussterbenden Kultur ausgezeichnet. Nur dass die Inuit von sich aus richtiggehend um einen christlichen Missionar baten, wie Nicola Vollkommer erzählte, darf wohl als Interpretation angezweifelt werden.

Die Reutlinger Autorin Nicola Vollkommer las im Kirchentellinsfurter Schloss aus ihrem zweiten Buch. Bild: Ulmer

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Erstellt:
4. Februar 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Februar 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Februar 2012, 12:00 Uhr

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