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Volksfest

Nichts für schwache Nerven

Sie haben martialische Namen wie „Hangover“ oder „Gladiator“. Die Fahrgeschäfte, die den Adrenalinspiegel in die Höhe treiben, prägen den Wasen ebenso wie Bierzelte und Schießbuden.

08.10.2019

Von JÜRGEN SCHMIDT

Besucher des Free-Fall-Towers werden auf eine Höhe von 85 Metern gefahren und dann geht es schnell nach unten. Foto: Jürgen Schmidt

Mone ist die Anspannung deutlich anzusehen. Die Frau sitzt mit einem großen gepolsterten Bügel auf ihrem Sitz fixiert im „Hangover“. Der Turm, der für kurze Zeit den freien Fall ermöglicht, ist in diesem Jahr das höchste Fahrgeschäft auf dem Cannstatter Wasen. Ihre Freundin Silke im Sitz daneben lächelt dagegen ganz entspannt, versucht Mone zu beruhigen. Dann geht es los: Die Gondel mit den 24 Sitzen, die im Kreis angeordneten sind, steigt an dem 85 Meter hohen Stahlgitterturm langsam in die Höhe.

Die Betreiber, die Schaustellerfamilie Schneider aus München, wirbt für ihr Fahrgeschäft, dass als eine der Attraktionen beim Stuttgarter Volksfest gilt, damit der „höchste transportable Gyro-Drop-Tower der Welt“ zu sein. „Gyro Drop“ steht für den freien Fall. Zum Aufwärmen steigt die Gondel nur auf 40 Meter Höhe und fällt dann rasend schnell nach unten, bis sie kurz vor der Bodenplatte sanft gebremst wird. Dann geht es für Mone, Silke und die anderen Menschen bis ganz nach oben. Wie ein riesiges Storchennest hängt die Gondel an dem filigranen Mast und dreht sich langsam. Ein paar Augenblicke später geht es mit fast 100 Stundenkilometern in die Tiefe, begleitet vom Kreischen mancher Insassen.

Die Höhenangst überwinden

Nach wenigen Minuten ist die Fahrt schon wieder vorbei, Mone atmet tief durch. „Das ist das erste mal, dass ich mit so etwas gefahren bin“, bekennt die Frau mit den kurzen roten Haaren und fügt mit Blick auf Silke hinzu: „Sie hat mich dazu überredet.“ Böse ist sie darüber aber nicht, im Gegenteil. „Ich bin im Nachhinein froh, dass ich mich überwunden habe.“ Sie hat Höhenangst, meint aber, dass man das überwinden könne und müsse.

Schlecht geworden ist Mone bei ihrer ersten Fahrt 85 Meter über dem Wasen oder im freien Fall nicht. Das komme im Hangover auch nicht vor, meint ein Mitarbeiter an der Kasse. Dazu sei der Effekt des freien Falls zu kurz. Und anders als bei anderen Fahrgeschäften, gebe es keine schnellen Drehungen oder Überschläge, die Schwindelgefühle auslösen könnten.

Dazu gehört beispielsweise der „Gladiator“. Zwei Gondeln hängen dabei an den Enden einer starren Achse, die sie bis auf 62 Meter Höhe tragen. Während der rasenden Runde drehen sich die Gondeln auch noch um sich selbst, die Passagiere stehen – oder besser sitzen – zeitweise Kopf. Eingefleischte Volksfestgänger sind davon begeistert. „Das war saugeil“, sagt Florian, nachdem er wieder aus dem „Gladiator“ gestiegen ist.

„Drei Promille muss man haben“

Der junge Mann in Wasen-Uniform – Lederhose und kariertes Hemd – findet aber, es gibt eine Voraussetzung, um Spaß zu haben: „Du musst mindestens drei Promille haben, um es richtig genießen zu können“, meint er grinsend, bevor er mit seinen Kumpels zum nächsten spektakulären Fahrgeschäft weiterzieht. In die Bungee-Kugel oder eben den Free-Fall-Tower wollen sie auf jeden Fall noch.

Zwischenfälle gibt es bei dem „Gladiator“ kaum, wie eine Mitarbeiterin an der Kasse erklärt. Denn die Fahrgäste werden an allen Fahrgeschäften für den Adrenalin-Kick nicht nur auf gesundheitliche Risiken hingewiesen, sondern auch darauf, dass alle losen Sachen aus Hosen- und Jackentaschen abgelegt oder sicher verstaut werden müssen. Florian hat sogar die Schuhe ausgezogen, bevor er sich in das Fahrgeschäft gesetzt hat. Manchmal sind die Hinweise allerdings vergeblich. „Gestern ist ein Handy runtergefallen“, erzählt die „Hangover“-Kassiererin. Passiert sei allerdings nichts.

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Erstellt:
8. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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