Sexueller Missbrauch

Kommentar: Nicht wegschauen

Es ist schwer zu begreifen, was in Menschen vorgeht, die Kinder sexuell misshandeln oder sich Derartiges auf Video anschauen.

22.10.2020

Von MICHAEL GABEL

Berlin. Klar ist jedoch, dass Kinder bei diesen Taten besonders großen Schaden nehmen, und zwar an Leib und Seele. Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Strafen bei Gewalt gegen die Schwächsten in unserer Gesellschaft – zum Teil sind sogar Säuglinge betroffen – verschärft werden.

Zwei Dinge fallen an dem Gesetzentwurf auf: Die Höchststrafe von 15 Jahren Haft wird nicht weiter heraufgesetzt, was in Ordnung geht, weil Wiederholungstäter in Sicherungsverwahrung genommen werden können. Und die kann bis zu ihrem Lebensende andauern. Dass allerdings nun für Sex mit Kinderpuppen ein eigener Straftatbestand geschaffen wird, ist fragwürdig. Denn ein Zusammenhang mit realen Strafttaten ist wissenschaftlich bisher nicht erwiesen. Was aber Käufer mit irgendwelchen Sex-Gegenständen zu Hause treiben, ist bisher aus gutem Grund Privatsache.

Um den sexuellen Missbrauch von Kindern zu verhindern, sind schärfere Gesetze sowieso nicht das wirkungsvollste Mittel. Wichtiger wäre es, dass zum einen die Polizei bessere Ermittlungsmöglichkeiten bekommt, indem sie einfacher auf Internetaktivitäten von Verdächtigen zugreifen kann. Zudem trägt aber die gesamte Gesellschaft eine große Verantwortung. Denn egal, ob im Verwandten- oder Bekanntenkreis, in der Nachbarschaft, im Verein oder in Jugendgruppen – wer bemerkt, dass Kindern auf verdächtige Weise zugesetzt wird, sollte das unbedingt an geeigneter Stelle anzeigen. Denn weggeschaut wird bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder noch viel zu oft.

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Erstellt:
22. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Oktober 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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