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Leitartikel Gesundheit

Nicht gesund

Jeder neunte Deutsche kann nicht einmal einfachste Gesundheitsinformationen verstehen. Nur jeder Dritte vermag im Internet seriöse von unseriösen medizinischen Angaben zu unterscheiden. Für ein Industrieland sind das erschreckende Werte. Die Folgen sind es ebenfalls: So hat mittlerweile jeder Zehnte Diabetes, häufig verursacht durch einseitige Ernährung. Die deutschen Kinder werden immer übergewichtiger. Und: Ärmere sterben früher als gut Situierte.

20.02.2018
  • HAJO ZENKER

Berlin. Insofern ist es höchste Zeit, dass etwas unternommen wird. Mitte vergangenen Jahres gab es mit der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ einen ersten Aufschlag, eine Initiative von Bund, Ländern, Ärzten, Kassen, Krankenhäusern, Apotheken. Nun haben Wissenschaftler einen nationalen Aktionsplan vorgelegt.

Die dort gegebenen 15 Empfehlungen kann man getrost unterschreiben. So soll Patienten geholfen werden, sich im vielfältigen deutschen Gesundheitswesen besser zurecht zu finden. Auch am Arbeitsplatz soll Gesundheit verstärkt ein Thema sein. Die große Kunst ist nur, all das Wirklichkeit werden zu lassen. Jahrelang gepflegte Gesundheits-Kampagnen mit bunten Plakatwänden, Zeitschriften oder Flyern jedenfalls gehen an der Lebenswirklichkeit derer, die Orientierung bedürfen, vorbei. Man muss die Bürger da abholen, wo sie sind.

Etwa im Internet, das heutzutage meist per Smartphone genutzt wird. Intelligent und attraktiv gemacht, lässt sich damit sogar kurzfristig Wirkung erzielen. Ob das geplante nationale Gesundheitsportal, für das es erste Vorstellungen gibt, tatsächlich ein Knaller wird, den bald niemand mehr missen möchte, ist noch nicht absehbar. Denn bisher wählen 80 Prozent der medizinisch Ratsuchenden einfach unter den ersten zehn Google-Treffern aus. Die Seriosität der Informationen spielt dabei keine Rolle.

Zu vergleichsweise rasch greifenden Maßnahmen gehört auch eine Lebensmittelampel, die auf den ersten Blick beim Einkauf signalisiert, ob ein Produkt besonders viel Fett, Zucker, Salz enthält. Die Kritik der Lebensmittelindustrie – und auch gut informierter Verbraucher – an der Ampel, sie sei zu simpel und bevormundend, greift zu kurz. Denn ausreichendes Wissen über gesundheitliche Vorsorgemöglichkeiten korreliert mit dem Bildungsniveau. In sozial schwachen Schichten ist fehlende Gesundheitskompetenz ein doppelt so häufig auftretendes Problem wie in Gruppen mit höherem sozialen Status. Menschen mit Migrationshintergrund und Ältere haben ebenfalls oft nur eine mangelhafte Gesundheitskompetenz.

Damit sich auf längere Sicht spürbar etwas ändert, muss Gesundheit endlich als bildungspolitische Herausforderung angesehen werden. Frühestmöglich, in Kita und Grundschule, sollte man Kinder an die Bedeutung von gesunder Ernährung und Bewegung heranführen, aber auch erläutern, wann man zum Arzt gehen sollte oder warum Impfungen wichtig sind. Spätestens hier wird man im föderalen Deutschland erkennen, wie ernst die Politik das Thema, das mit unnötigem Leid und Tod sowie Milliarden an Kosten verbunden ist, wirklich nimmt.

leitartikel@swp.de

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20.02.2018, 06:00 Uhr
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