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Sportartikel

Nicht alle haben Olympia im Visier

Von den Winterspielen in Pyeongchang profitieren die Sportbekleidungshersteller aus Baden-Württemberg ganz unterschiedlich.

05.02.2018
  • PHILIPP KOEBNIK

Ulm. Unsere Waffen dienen ausschließlich zivilen Zwecken“, betont Julian Klaiber. Der Projektassistent im Vertrieb der Jagd- und Sportwaffenfabrik J. G. Anschütz legt Wert darauf, dass das Ulmer Unternehmen nicht in einen Topf mit anderen Kleinwaffenproduzenten geworfen wird. Rund 12 000 Gewehre verkauft der Traditionsbetrieb jährlich, mehr als 60 Prozent gehen in den Export. Und: Nicht weniger als 97 Prozent aller Biathleten schießen mit den Sportgewehren aus Ulm.

Die Ursprünge des Biathlonsports liegen gleichwohl im militärischen Bereich. Schon vor 250 Jahren maßen sich schwedische und norwegische Grenzsoldaten im Wettkampf, bei dem sie im vollen Skilauf mit dem Gewehr schossen. Daraus entwickelte sich der Militärpatrouillenlauf, der Vorgänger des heutigen Biathlons. Nach 1945 wurde die Sportart für zivile Athleten geöffnet. 1954 erkannte das IOC Biathlon als eigenständige Sportart an.

Jochen Anschütz, 54, führt das Familienunternehmen Anschütz in fünfter Generation. Das Ulmer Werk zählt heute rund 100 Mitarbeiter und erzielt mit seinen Jagd- und Sportgewehren einen jährlichen Umsatz von 12,5 Mio. EUR.

Doch anders als man vermuten könnte, sind Olympia-Jahre nicht die umsatzstärksten Jahre bei Anschütz. „Die Athleten kaufen in dieser Zeit keine neuen Waffen und ändern keine Grundeinstellungen mehr“, erklärt Klaiber den antizyklischen Effekt. „Vor den Olympischen Spielen werden die verschiedenen Komponenten aufeinander abgestimmt und optimiert. Man bereitet sich auf die Wettkämpfe vor.“ Änderungen seien dann nicht mehr erwünscht. „Man muss sich auch an die Waffe gewöhnen“, ergänzt Marketing-Kollege Dominik Walter. Neues Material schafft man in den Olympia-freien Jahren an.

Bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro habe es eine „sehr gute Berichterstattung über das Schießen“ gegeben, erinnert sich Klaiber. „Das war sehr positiv fürs Image.“ Ein gesteigertes Interesse an dem Sport sei während und nach Olympia durchaus spürbar. Andererseits: „Wir produzieren für die Sportler, nicht für eine Fangemeinde“, so Walter.

Gleiches gilt für den Pfullinger Sportbekleidungshersteller Erima. Allerdings: „Die Olympischen Spiele sind ein wichtiger Faktor in unserem Geschäftsjahr“, sagt Pressesprecher Lukas Prießnitz. Die Firma rüstet die olympische und paralympische Mannschaft Österreichs sowie viele Vereine aus. In einem Olympiajahr erziele man ein Umsatzplus von immerhin 10 bis 20 Prozent.

Olympia erhöhe die Aufmerksamkeit der Sportfans, sagt Michael Steinhauser, Sprecher der Intersport Deutschland eG (Heilbronn). „Unsere Händler merken es aber eher weniger.“ Fußball-Großereignisse hätten dagegen einen merklichen Effekt, da die Fans sich mit Trikots, Bällen und Fanartikeln eindeckten.

Randsportarten im Fokus

Der deutsche Sportfachhandel hat 2016 insgesamt 7,3 Mrd. EUR umgesetzt. Mit Blick auf Olympia dämpft der Co-Geschäftsführer der Sport 2000 Deutschland GmbH, eines Verbunds von rund 1000 Sportfachhändlern, allerdings ebenfalls die Erwartungen: „Wir versprechen uns von den Olympischen Spielen keine relevanten Auswirkungen auf das Tagesgeschäft unserer Partner“, so Andreas Rudolf.

Das bestätigt auch Nicole Espey, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI). Die Olympischen Spiele hätten „lange nicht so einen Effekt wie eine Fußball-WM“. Allerdings rückten die Spiele jene Sportarten, die in den Medien sonst wenig präsent seien in den Fokus der breiten Masse. Der Sport stehe im Mittelpunkt, weniger die Produkte bestimmter Hersteller. Langfristig könne das dazu führen, dass mehr Kinder eine „Randsportart“ beginnen. Trotz des nur indirekten Effekts werde Olympia von der Industrie daher durchaus „willkommen geheißen“.

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05.02.2018, 06:00 Uhr
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