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Kundgebung

Nicht Fuß fassen lassen

Gut 200 Menschen protestierten auf dem Rottenburger Marktplatz gegen Neonazis und den Kopp-Verlag.

26.03.2017
  • Dunja Bernhard
Nicht Fuß fassen lassen Kundgebungsredner Lothar Letsche übergibt das Mikrofon an den Moderator Joachim Böck. Die Ölfass-Paletten-Konstruktion diente anschließend wieder als Infostand. Bild: Franke

Samstag, kurz vor 12 Uhr auf dem Rottenburger Marktplatz: Rund 60 junge Erwachsene hatten sich vor einem großen Lautsprecherwagen versammelt. Ein eher verlorenes Häuflein. An zwei Ständen verteilten junge Leute Flyer und Ayran, ein türkisches Joghurtgetränk. Oben am Lautsprecher pustete ein Gebläse Seifenblasen über den Marktplatz.

Doch allmählich gesellten sich immer mehr Leute dazu. Auch etliche in Rottenburg gut bekannte Gesichter mischten sich unter die Menge. 200 Menschen dürften es schließlich gewesen sein. Die am Rande stehenden Polizisten hatten wenig zu tun. Sie teilten nur die Menge, wenn der Linienbus kam.

Eine Mutter von vier Kindern sagte, sie sei schon im vergagenen Juli bei der „Demo gegen Rechts“ durch die Rottenburger Altstadt gewesen. Damals sei sie sich noch „fehl am Platz vorgekommen“ bei all den jungen Leuten. „Aber dieses Mal sind viele aus dem normalen Bürgertum da.“

Organisiert hatte die Kundgebung das „Offene Treffen gegen Faschismus und Rassismus“ (OTFR) aus Tübingen. „In Rottenburg gibt es mehr rechte Tendenzen als in Tübingen“, sagte Pressesprecher Joachim Böck. Neben Göppingen sei Rottenburg ein Aktionszentrum der rechtsextremen Kleinstpartei „Der III. Weg“ in Baden-Württemberg. Auch das „Bündnis Rottenburg gegen Rechts“ und die Rottenburger Gruppe der „Linksjugend Solid“ hatten mit aufgerufen.

Viele Geschäftsleute hatten sich bereit erklärt, Werbeflyer für die Kundgebung in ihren Läden auszulegen, berichtet Böck. 200 Leute hatte das OTFR für die Kundgebung angemeldet. Böck zeigte sich zufrieden mit der Beteiligung. Es seien auch viele Jugendliche aus Rottenburg gekommen.

In der Tradition der NSDAP

Mehrere Gruppen hatten Redebeiträge für die gut einstündige Kundgebung vorbereitet. „Der III. Weg“ sei eine faschistische Organisation, die an Bedeutung gewinne, sagte Marie vom OTFR. „Die Partei tritt offen in die Tradition der NSDAP“ (also der Hitler-Partei). Seit etwa einem Jahr versuche „Der III. Weg“ wiederholt, in Rottenburg Fuß zu fassen. Anhänger der Partei organisierten verschiedene Veranstaltungen in der Umgebung, hinterließen rechtsextreme Aufkleber in der Stadt und bedrohten Flüchtlingshelfer namentlich, sagte Marie.

Einzelproteste von Antifaschisten reichten nicht aus. „Wir müssen diesem Tun entschieden entgegentreten, sonst haben wir eine Mitschuld, dass der III. Weg weiter wächst.“ Es müsse verhindert werden, dass diese rechtsextreme Partei sich in Rottenburg etabliert.

Immer mehr Nazi-Aufkleber

In Rottenburg gehörten rechtsextreme Sticker und Hakenkreuzsymbole schon fast zum Alltag – auch in Schulen, sagte Luciana von der Rottenburger „Solid“-Gruppe. „Es dauert Wochen oder Monate, bis sie entfernt werden.“ Sie sieht Stadtverwaltung und Schulleitungen in der Pflicht zu handeln. „Aber auch jeder andere Mensch sollte etwa dagegen tun.“ Die Mehrheit dürfe nicht schweigen. „Wir müssen durch unser Handeln laut sein.“

Durch den Kopp-Verlag werde Rottenburg zum Lautsprecher des rechten Randbereichs, sagte Lothar Letsche von der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten). Der Verlag sei eine geistige Bedrohung des friedlichen Zusammenlebens.

Spontan-Demo zum Schluss

Auch ein schwarz-rot-gold-geschmücktes Ehepaar aus Weilheim hatte sich unter die Menge gemischt, mit zwei selbst gemachten Plakaten. Ihnen sei eine Deutschlandfahne aus dem Garten geklaut worden, erzählten sie. „Vielleicht finden wir sie hier wieder.“ Stolz auf sein Vaterland zu sein und gleichzeitig offen für andere Kulturen – das ist für das Weilheimer Paar kein Gegensatz. Ihre Namen wollten sie „aus Angst vor Linksradikalen“ nicht nennen. Am Samstag blieben sie allerdings völlig unbehelligt und zogen dann bald wieder ab.

Nach der Kundgebung – und nach längeren Verhandlungen mit dem Rottenburger Ordnungsamtsleiter Markus Braun – demonstrierte die jüngere Hälfte der Menge mit dem Lautsprecherwagen zum Bahnhof, über die Obere Brücke und die Ehinger Straße. Die Polizei regelte den Verkehr.

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26.03.2017, 20:45 Uhr
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13.04.2017

14:14 Uhr

Gommeringer schrieb:

Samstag morgen, keine konkreten Pläne; da geht man doch mal in die Innenstadt und kuckt, was so geht. Aha, da versammeln sich ein paar versprengte Leute und obendrein gibt's Ayran auch noch gratis; na da gesellen wir uns doch mal dazu und demonstrieren mal mit. Gegen was eigentlich ? ah ja, gegen rechts-extreme, 3. Weg, Identitäre Bewegung, Nazis und alles mögliche was im rechten Spektrum so verortet wird. Klar da packt man mal eben den Kopp-Verlag mit dazu; hat man schon mal gehört oder irgendwo gelesen, das die auch rechte Ansichten vertreten. Der ist auch verantwortlich, dass "Rottenburg zum rechten Sprachrohr wird".....Jetzt mal bitte die Kirche im Dorf lassen und nicht alles und jeden hier pauschal aburteilen und zum Feind erklären. Nicht sehr überzeugend, weder die Veranstaltung, noch die Teilnehmer, noch das schon beinahe hysterische Vorgehen, im Glauben man sei in einer Misssion gegen alles, was nicht links denkt, unterwegs.



30.03.2017

15:11 Uhr

Mat1Klu schrieb:

Meinungsfreiheit scheint für einige nur in homöopathischen Dosen genießbar zu sein. Dass ein bisschen Meinungsfreiheit aber letztlich überhaupt keine ist, können wohl nur die ganz schlichten Gemüter Mangels alltagsrelevanter Konfrontation nicht nachvollziehen. Denn wessen Freiheitsliebe mit der Wahl eines Urlaubsziels, eines Autos oder der Anhängerschaft einer Fußballmannschaft weitgehend befriedigt ist, hat schließlich nichts zu klagen.

Ein bisschen Meinungsfreiheit wäre in etwas das selbe wie ein bisschen Schwanger - beides ist schlicht nicht möglich.

Um einem postulierten Verfall der guten Sitten vorzubeugen scheinen § 187 StGB und § 185 StGB völlig ausreichend.
Aber darum geht es bei derlei Veranstaltungen mitnichten. Hier wird eine ideologische Blockwartmentalität inszeniert, welche tatsächlich eine - nicht nur geistige - Bedrohung des friedlichen Zusammenlebens darstellt.



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