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Gravierender Priestermangel

Neun Tübinger Professoren unterzeichnen Aufruf zur Kirchenreform

Auch neun Tübinger Theologie-Professoren haben den Aufruf zu kirchlichen Reformen unterzeichnet, darunter Dekan Albert Biesinger. „Wir wollen in diesen Dialog voll einsteigen, den Erzbischof Robert Zollitsch eingeleitet hat“, sagt Biesinger.

06.02.2011

Von RAIMUND WEIBLE

Tübingen. Für den Dekan ist die Situation so dramatisch geworden, dass es nicht so weitergehen könne wie bisher. „Es gibt nicht nur das Problem Missbrauch“, betont Biesinger, „es gibt viele strukturelle Probleme.“ Deswegen hat er das Theologen-Memorandum unterschrieben, das von einer Gruppe initiiert und formuliert worden ist.

In dem Aufruf fordern die 156 Unterzeichner (Stand Freitag, 13.30 Uhr) die Abschaffung des Pflichtzölibats, die Zulassung von Frauen zum Priesteramt sowie die Mitsprache des Kirchenvolks bei der Bestellung von Pfarrern und Bischöfen. Aufhören soll die Kirche mit der Diskriminierung von Geschiedenen und Menschen, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben.

Neun Professoren der Katholisch-Theologischen Fakultät haben das Papier unterzeichnet: Albert Biesinger, Ottmar Fuchs, Bernd-Jochen Hilberath, Andreas Holzem, Andreas Odenthal, Hans-Reinhard Seeliger, Michael Theobald und die Emeriti Peter Hünermann Mann und Dietmar Mieth. Sechs weitere, darunter Walter Groß, Johannes Brachtendorf und Norbert Greinacher, stehen nicht auf der Liste. „Manche unterschreiben so etwas generell nicht“, sagt Biesinger, „und manche sind mit bestimmten Formulierungen nicht einverstanden oder wollten es schärfer formuliert haben.“

Auffällig am Memorandum ist der moderate Ton. Reizworte werden vermieden. So unterbleiben Termini wie Zölibat und Priesteramt der Frau. Der Text sei „dialogisch abgefasst“, sagt Dekan Biesinger, offenbar deswegen, um die andere Seite nicht abzuschrecken.

Tübingens berühmtester Theologe, Hans Küng, hätte klarere Formulierungen erwartet, etwa zur Abschaffung des Zölibatsgesetzes. Einige Sätze seien höchst vage. „Weich gespülte Reformforderungen haben wir schon lang gehört“, merkt der Präsident der Stiftung Weltethos an. Der Aufruf geht ihm nicht weit genug. Trotzdem hätte er ihn unterschrieben. Küng wundert sich darüber, dass man ihn als den „einzigen noch lebenden Konzilstheologen“ neben dem Papst nicht dazu eingeladen hat. Das sei gleichermaßen merkwürdig wie denkwürdig. Dass er nicht zur Unterschrift gebeten wurde, führt der 82-jährige Küng auf Berührungsängste zurück.

In seinem im März erscheinenden Buch „Ist die Kirche noch zu retten?“ will Küng deutlicher werden. Er verspricht eine gründliche historische, systematische und exegetische Analyse, die von dort her zu einer Diagnose und zu einer sehr praktischen Therapie führe.

Bistumssprecher Thomas Broch sieht in dem „sehr differenzierten“ Memorandum viele Intentionen des Bischofs bestätigt. Es sei das verständliche Recht von Theologie-Professoren, sich in den Dialogprozess einzubringen.

Eines der wichtigsten Probleme, die das Memorandum anspricht, ist für Biesinger der Priestermangel, der zu „XXL-Pfarreien“ führe. Deswegen müsse man den Zugang zum Priesteramt öffnen. Von den 300 verheirateten Diakonen im Bistum würden sich genug finden, die sich weihen ließen.

Bilder: Metz, Mozer

Hans Küng

A. Biesinger

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Erstellt:
6. Februar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
6. Februar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Februar 2011, 12:00 Uhr

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