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Der unbekannte Professor

Neugieriger Blick in die Gelehrten-Galerie der Universität

Und was macht nun eigentlich Thomas Mauch? Der mittlerweile auch schon 50-Jährige war lange unser Mann für die Popmusik. Dann ging er zur taz, zweifellos ein herber Verlust.

21.08.2010

Erkannt: Prof. Walter Hückel.

Mauch, der in Tübingen und Bologna Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaft studiert hat, war zu TAGBLATT-Zeiten aber auch ein wichtiger Mitarbeiter für den Bereich Bildende Kunst, gerade bei den Galerien-Rundgängen. Dass er in seiner Jugend „auch mit dem einen oder anderen Porträt dilettiert hat“, wie jetzt auf „Spiegel online“ steht, das hatte der mitunter etwas wortkarge Mauch uns damals nie offenbart.

Jetzt hat „Spiegel online“ Mauchs Beitrag aufgegriffen, den er für die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) verfasst hat, bei der auch die ehemalige TAGBLATT-Kollegin Christine Prußky Redakteurin ist. Darin beschäftigt er sich unter der Überschrift „Heldenverehrung – Professoren-Porträts in Öl“ mit der schönen Tradition, die Spektabilitäten es Lehr- und Wissenschaftsbetriebs als Porträts für die Nachwelt zu konservieren. Unter anderem eben in Tübingen, wo es eine umfangreiche Professorengalerie mit 306 Konterfeis gibt.

Anlass für deren Entstehung war die Hundertjahrfeier der Universität 1577: Somit stammt das erste Portrait der Galerie datiert aus dem Jahr 1578, und es zeigt den ehrwürdigen Philosophen und Mediziner Jakob Schegk. Die folgenden Porträts, die größtenteils der Rhetoriker Erhart Cellius in Auftrag gab, verewigte dann nicht allein amtierende Kollegen, sondern bereits verstorbene Professoren. So fand dan noch der erste Rektor der Universität, Johann Nauclerus (Vergenhans) nach mehr als hundert Jahren postum Eingang in die Galerie.

Seit einiger Zeit steht die Professorengalerie als Ensemble unter Denkmalschutz des Landes Baden-Württemberg. Und inzwischen steht sie auch im Netz. Bequem lässt sie sich auf den heimischen Computer holen und nach Herzenslust durchklicken:

www.studion.uni-tuebingen.de/mediawiki/index.php/Kategorie:Professorengalerie).

Auch Thomas Mauch wird hier fündig. Zuerst einmal benennt er allerlei Grunde für den Niedergang der Porträtmalerei seit Mitte des 20. Jahrhunderts (nicht schon früher?). Die Fotografie, gewiss. Die Abstrakten, sowoeso. Die Abkehr vom Leinwand-Standardformat, klar doch.

Die alte Heimat Tübingen wiederum ist ihm eine wahre Fundgrube auf der Suche nach dem „Professor in Öl“. Die Galerie: Ein Bestand, der in seltener Geschlossenheit über ein halbes Jahrtausend die Gelehrten (nicht alle natürlich!) für würdig erachtet, die Universitas Eberhardina Carolina in Augenhöhe und mit Blickkontakt zu repräentieren.

Man bekomme „eine Ahnung davon“, hält Mauch fest, „wie prinzipientreu zur mal gefundenen Lösung und wie unverrückbar so eine Einrichtung wie die Universität ist. Eigentlich hat sich hier im Lauf durch die Jahrhunderte nichts geändert. Gut, manche Halskrause hat man auf dem Weg doch verloren und die Bärte der Professoren wurden nach den jeweiligen Moden der Zeit zurechtgestutzt. Sonst aber schauen sie aus ihren Brustbildern immer gleich, die Professoren aus dem 17. so wie die aus dem 20. Jahrhundert.“

Die Gretchenfrage nach dem künstlerischen Wert der Professorenbilder beantwortet Kunsthistoriker Mauch mit einem kernigen „Doch, ja aber.“ Um anzufügen, man schicke „statt einem Kunsthistoriker besser den Ethnologen in die Universitätsgalerien, um dort neben dem Doktorhut, den Talaren und der Rektorkette auch die Professorenporträts als einen besonderen Fall der Sitten und Gebräuche im Universitätsbetrieb zu erforschen.“

Also, auf zur professoralen Street View! Der Popstar Ernst Bloch wird zwar gerade gerahmt, aber ansonsten sind viele Populäre und noch mehr Minderpopuläre anzutreffen. Lassen wir die Vergangenheit ruhen: Aus der Neuzeit stechen drei Porträts ins Auge. Zwei davon durch die eigenwillige Kostümierung: Während sich nahezu alle Gelehrte im akademischen Habit und Ornat gefallen, steht der Orientalist Hans Daiber ganz neusachlich im Straßenmantel Modell, wogegen der furchtbare Unirektor Hermann Hoffmann sich sogar in Nazi-Montur abbilden lässt (beide Porträts hat übrigens Gustav Essig gemalt).

Und dann gibt?s da noch jenen unbekannten Professor. Auf die Leinwand gebannt hat ihn ein Porträtmaler namens Rudolf Nitschke, der später in Balingen aktiv war. Aber wen zeigt dieses Bild? Wer ist der Herr, der ein bisschen wie Martin Heidegger dreinschaut? Fragen über Fragen. Und Antworten gesucht. Bitte melden! Wilhelm Triebold

Ausnahme im Straßenkittel statt im Ornat: der Orientalist Hans Daiber.

Auch in der Online-Galerie: Uni-Rektor und Nazi-Bonze Hermann Hoffmann.

Hückel schließt eine Lücke: In der Professorengalerie harrt ein weiterer Fall der Aufklärung 21.08.2010 Der unbekannte Professor: Neugieriger Blick in die Gelehrten-Galerie der Universität 21.08.2010

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Erstellt:
21. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. August 2010, 12:00 Uhr

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