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Umbau

Neues Leben im Neuen Schloss

Seit hundert Jahren nutzt die Landesregierung die ehemals königliche Residenz. Mit der geplanten Renovierung soll der Mitteltrakt nun wieder zu einem öffentlichen Ort werden.

06.02.2018
  • UWE ROTH

Stuttgart. In der Nachkriegszeit hat es in den Ruinen des Neuen Schlosses in Stuttgart eine Wirtschaft gegeben. Sie soll „Siechenbierstuben“ geheißen und bis 1958 existiert haben. Glaubt man Wikipedia, bewirtete der Gastronom damals bis zu 400 Gäste. Im angeschlossenen Biergarten fanden weitere 350 Gäste Platz. Wegen des Wiederaufbaus der im Februar 1944 nach einem Luftangriff völlig ausgebrannten Residenz, ist die Nachkriegsgaststätte geschlossen worden. Der historische Baukörper ist seit Abschluss der Bauarbeiten 1964 wieder vollständig in staatlicher Hand. Die Geschichte könnte sich aber wiederholen. Nach einer Idee aus dem Staatsministerium, ist die Bürgerschaft erneut als Mitnutzer der im Besitz des Landes befindlichen Immobilie im Gespräch.

Konkret soll mit dem anstehenden Umbau des Mitteltrakts die Behördenkantine, die sich derzeit im zweiten Obergeschoss befindet, ins EG verlagert und als normaler Gastro- und Cateringbetrieb öffentlich zugänglich gemacht werden. Wie bei den „Siechenbierstuben“, könnte es eine Außenbewirtung im Akademiegarten hinter dem Schloss geben. Zudem sehen erste Pläne vor, im Erdgeschoss Büroflächen zu einem Ausstellungsraum umzuwidmen. Die Unterstützer der Idee sitzen nicht allein in der Landesregierung, sondern ebenso im Stuttgarter Rathaus: „Wir begrüßen die Planungen des Landes und halten das Bürgerschloss für ein spannendes Projekt“, sagt Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt.

75 Trauungen pro Jahr

Der Grünen-Politiker verspricht sich „einen Mehrwert für die Stadt“. Die Stadt werde „das Projekt deshalb weiter gerne begleiten“. Seit 2014 nutzt das Standesamt den repräsentativen Marmorsaal als „Wunschort für Eheschließungen“. Im vergangenen Jahr gaben sich dort 75 Paare das Jawort. Bei diesem Angebot will es die Stadt auch nach dem Umbau, der im Jahr 2020 abgeschlossen sein soll, belassen. „Eine städtische Nutzung ist aktuell nicht geplant“, sagt dazu der Baubürgermeister.

Der Begriff Bürgerschloss geht auf das Büro Milla und Partner aus dem Jahr 2012 zurück. Die für ihre ungewöhnlichen Ideen bekannte Stuttgarter Agentur hat beispielsweise das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin gestaltet. Zum Bürgerschloss gehörte vor fünf Jahren der provokative Vorschlag, die Beamten von dort komplett zu verbannen und eine Motz-Ecke für Bürger einzurichten.

Bei der jetzigen Neuauflage des Begriffs ist von all dem nicht mehr die Rede, wie ein Gespräch mit Roland Wenk vom Landesbetrieb Vermögen und Bau ergibt. Das Neue Schloss wird wie alle Landesimmobilien von dieser dem Finanzministerium unterstellten Behörde verwaltet. Wenk lässt keinen Zweifel daran, dass der Umbau, für den noch keine Kosten bekannt sind, den Projektnamen „Bürgerschloss“ keinesfalls verdient.

Er sieht es pragmatisch: „Das Gebäude muss dringend modernisiert werden“, stellt er fest. Die Technik und Toilettenanlagen seien veraltet, der Brandschutz ungenügend und die Barrierefreiheit nicht gegeben. Die Nutzung wird nach seiner Aussage lediglich optimiert. Die Verlegung der Kantine nennt der Gebäudeverwalter „trickreich“.

„Mit einer Residenz, in dem einst ein König lebte und regierte, hat das nur noch wenig zu tun“, sagt Wenk. Immerhin diene der Bau seit 1918 nicht mehr als adeliger Wohnsitz. Anfänglich war sogar für einige Jahre das Polizeipräsidium untergebracht. Ungewöhnlich sei ein solcher Werdegang einer Residenz nicht. Auch in das um 1730 fertiggestellte Barockschloss Ludwigsburg seien bereits im Lauf des 19. Jahrhunderts die ersten Beamten eingezogen, um das Land zu verwalten. Inzwischen sind die Ämter aus den Seitenflügeln wieder verschwunden.

Wenig Rokoko, viel 60er Jahre

Wenk vergleicht das Neue Schloss mit dem Berliner Stadtschloss. Lediglich die Außenfassade entspreche der Optik nach noch dem Original. Das Innere dagegen sei jeweils zeitgenössisch gestaltet. Im Neuen Schloss wurden in den hohen Räumen Zwischenstockwerke eingezogen, um möglichst viele Schreibtische unterbringen zu können. Außerdem wurde viel Beton verbaut. Es dominiert der Geschmack der frühen 1960er Jahre – keinesfalls das Rokoko. Was aus dem Stilmix am Ende werde, ergebe sich aus den weiteren Planungen, so Wenk.

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06.02.2018, 06:00 Uhr
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