Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Geldpolitik

Neuer Stil für die Europäische Zentralbank

Christine Lagarde kündigt an, die Strategie der EZB zu überprüfen.

13.12.2019

Von Rolf Obertreis

EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Frankfurt/Main. Es dauert 16 Minuten, bis Christine Lagarde vom üblichen Prozedere bei Pressekonferenzen im fünften Stock der Europäischen Zentralbank (EZB) abweicht. Die 63-Jährige hat wie ihre drei Vorgänger das Statement zur Sitzung des Rates vorgetragen, die sie als neue und erste Präsidentin gerade geleitet hat. Lagarde wirkt ein wenig angespannt, Je länger sie auf dem Podium zwischen Vize-Präsident Luis de Guindos und ihrer Sprecherin Christine Graeff spricht, desto souveräner agiert sie.

„So“, sagt die groß gewachsene Französin, nachdem sie das Geklicke der Fotoapparate von mehr als einem dutzend Fotografen zwei Minuten lang hat über sich ergehen lassen. Dunkler Hosenanzug, weiße Bluse und mit schickem Schal locker um den Hals geschwungen, ist sie in den Presse-Saal gekommen. Gut 60 Journalisten warten gespannt, doppelt so viele wie sonst bei Pressekonferenzen der Notenbank. Sie wollen „Madame President“ live erleben, einen ersten Eindruck von der nach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mächtigsten Frau in Europa gewinnen.

„Jeder Präsident hat seinen eigenen Stil zu kommunizieren“, sagt Lagard wie immer in perfektem Englisch, nachdem sie das Statement verlesen hat. Es legt dar, dass der Leitzins bei null und der Einlagezins für Banken negativ bei minus 0,5 Prozent bleibt. Auch an den monatlichen Anleihekäufe für 20 Mrd. EUR ändert sich nichts. Das bestätigt, dass die EZB an ihrer großzügigen Geldpolitik auf längere, noch unbestimmte Zeit festhalten wird – bis sich die Inflationsrate der gewünschten Marke von knapp 2 Prozent annähert. Bis 2022 wird das nicht der Fall sein. Bis dahin erwarten die EZB und Lagarde einen leichten Anstieg auf 1,6 Prozent.

In wenigen Worten macht Lagarde klar, dass sie die EZB anders führen wird. Nach 16 Jahren sei es an der Zeit, die Strategie zu überprüfen. Und die Effektivität der einzelnen geldpolitischen Instrumente. Das soll nicht im Elfenbeinturm der Notenbank passieren. „Ich will dabei das Europa-Parlament konsultieren genauso wie Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft. Wir hören die an, die unsere Politik betrifft“, sagt die 63-Jährige.

Sie nennt drei zentrale Elemente der Strategie-Analyse. Den massiven Strategiewandel, die große Herausforderung des Klimawandels und – was so von ihr bislang nicht zu vernehmen war – die „zunehmende Ungleichheit in unseren Gesellschaften“. Lagarde will zudem die Auswirkungen und die Reaktion der EZB auf den Klimawandel analysieren. Solche Worte, Ideen und Ansätze gleichen fast einer Revolution für die weltweit zweitwichtigste Zentralbank.

Zum Artikel

Erstellt:
13. Dezember 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Dezember 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+