Commerzbank

Neuer Chef gilt als harter Sanierer

Das Führungsvakuum ist schnell gefüllt. Der neue Chef Manfred Knof kommt von der Konkurrenz.

28.09.2020

Von ROLF OBERTREIS

Manfred Knof wird neuer Commerzbank-Chef. Foto: Tobias Hase/dpa

Frankfurt. Knapp zwei Monate nach seinem Amtsantritt hat der neue Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter einen neuen Vorstandschef für Deutschlands zweitgrößte Privatbank gefunden: Am 1. Januar 2021 übernimmt mit Manfred Knof ausgerechnet ein führender Manager der Deutschen Bank den Posten und löst damit Martin Zielke ab. Darauf verständigte sich der Aufsichtsrat am Samstagabend.

Die beiden Vorstandmitglieder Bettina Orlopp und Ronald Boekhout, intern als Favoriten für die Nachfolge gehandelt, gehen leer aus. Vetter wie auch der Bund, mit knapp 16 Prozent größter Aktionär der Commerzbank, begrüßen die Berufung des 55jährigen Knof. Er sei ein erfahrener und durchsetzungsstarker Topmanager, der sich in den unterschiedlichsten Aufgaben der Finanzindustrie bewiesen habe.

Die Berufung von Knof kommt für viele Experten am Finanzplatz Frankfurt unerwartet. Der Jurist war erst vor zwei Jahren mit Lobeshymnen von Deutsche Bank-Chef Christian Sewing zum Leiter des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank berufen worden. Knof war mit zuständig für die Entscheidung der Deutschen Bank, weltweit 18 000 Stellen zu streichen. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Deutsche Bank hierzulande 100 der noch verbliebenen 500 Filialen schließen wird. Und erst am Donnerstag hatte Knof eine weitreichende und exklusive Vertriebsvereinbarung für die Deutsche Bank und die Postbank mit der Zürich-Versicherungsgruppe verkündet.

Jetzt spricht Knof von einer „einzigartigen Kultur“, auf die er sich freue. Die Commerzbank habe für den Mittelstand hohe Relevanz und im Privatkundengeschäft innovative Akzente gesetzt. Allerdings wird sich der 55jährige ab Januar wohl vor allem mit den unausweichlichen Einschnitten befassen müssen. Der US-Investor Cerberus, mit 5 Prozent zweitgrößter Aktionär, hatte Zielke und Ex-Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann im Frühsommer heftig attackiert, weil ihm der Umbau viel zu langsam voranging. Beide verkündeten daraufhin ihren Abschied.

Rolf Obertreis

Zum Artikel

Erstellt:
28. September 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. September 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. September 2020, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App