Kompakt und aussichtsreich

Neue Wohnanlage des Siedlungswerks am Österberg

Von insgesamt 109 Wohneinheiten sind die ersten 43 fertig: Am Österberghang, wo früher das Kreisaltenheim stand, wird schon wieder gewohnt und gleichzeitig noch heftig gebaut.

08.11.2012

Von Ulrike Pfeil

Tübingen. Die neuen Bewohner der Hundskapfklinge tun gut daran, die Gummistiefel griffbereit zu halten. Denn wenn das Wetter nass ist, kommen sie kaum mit sauberen Schuhen zu ihren Wohnungen – sofern sie nicht ohnehin lieber mit dem Auto fahren. Zu den fünf Häusern der neuen Wohnanlage des Stuttgarter Siedlungswerks, die seit September bezogen sind, kommt man nur durch den dritten Bauabschnitt des Gesamtprojekts. Für den wird gerade erst die Grube im Hang gesichert.

Geduld brauchen auch die vorhandenen Anlieger, vor allem die Bewohner eines älteren Mehrfamilienhauses, das von der Großbaustelle nahezu eingekreist ist. Das Siedlungswerk hätte an dem Grundstück Interesse gehabt – aber der Deal kam nicht zustande.

Immerhin lassen die Häuser und Wohnungen der Pioniere erkennen, wie das gesamte Quartier einmal aussehen wird: Kantig, weiß und klar, ziemlich dicht, aber mit Außenraum für jeden, mit großen Fensterfronten nach Süden und schmalen, hohen Öffnungen an der Nordseite erinnert das neue Ensemble ein wenig an die Bauhaus-inspirierte Siedlung in der Hirschauer Straße am Neckar. Der Bauherr, das Siedlungswerk, ist derselbe; die Architekten waren in diesem Fall die Stuttgarter Büros Becker und Haindl sowie Auer und Weber. Sie gewannen 2007 den städtebaulichen Wettbewerb.

Vom Altenheim „Haus am Österberg“, das bis zu seinem Abriss 35 Jahre lang den Steilhang beherrschte, steckt auch in der neuen Siedlung noch etwas drin: Der zertrümmerte Beton wurde für die Trassen der neuen Erschließungsstraße und der Zufahrten von der unteren Simon-Hayum-Straße aus verwendet.

„Wohnen am Österberg“ gehört „zu den großen Projekten des Siedlungswerks“, sagt Christoph Welz, der Leiter des Planungsteams des Bauinvestors. Wenn der dritte Bauabschnitt (voraussichtlich im Sommer 2014) fertig ist, werden mehr als 300 Menschen hier leben. Vom zweiten Bauabschnitt, der im Februar 2013 bezogen werden soll, stehen die Rohbauten.

Der Großteil der Wohnungen (davon zwölf Doppel- und Reihenhauseinheiten, einige Maisonettewohnungen) hat familiengerechten Zuschnitt, einschließlich der Balkone, die vor den oberen Stockwerken bis zu 2,80 Meter heftig auskragen. Dreiräder, Kinderwagen, kleine Fahrräder vor den Eingängen der bezogenen Häuser weisen darauf hin, dass Familien hier auch wohnungsfündig geworden sind. Die Nachfrage war auf dem angespannten Tübinger Immobilienmarkt bei einem Kaufpreis von 3600 Euro pro Quadratmeter sehr gut. Die ersten zwei Bauabschnitte sind weg, der dritte ist zu 70 Prozent verkauft, wie Projektmanagerin Vanessa Schäfer berichtet.

Dabei stellte das Bauen in dem abschüssigen Gelände besondere Herausforderungen: Die Hänge hinter den Häusern mussten für rund eine Million Euro mit viel Beton und hunderten Ankern gesichert werden. Von dem „Riesenloch“ (Welz) sieht man kaum noch etwas, wenn die Häuser stehen: Die Zwischenräume zum Hang werden aufgefüllt, der kleine Rest wird rasch überwuchert.

Im Prospekt des Bauträgers wird die Österberg-Anlage als „Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit“ angepriesen. Dazu gehören eine gemeinsame Heizzentrale, die mit Holzpellets beschickt wird, und eine Fotovoltaikanlage auf den Dächern, die von Bürgerenergie Tübingen betrieben wird. Für den digitalen Komfort sorgen Glasfaserleitungen der Stadtwerke-Tochter Tü-Net.

Die Landschaftsplaner haben sich bemüht, die dichte Bebauung aufzulockern: mit Durchblicken zwischen den Baukörpern, mit einer verwinkelten Fußgängertreppe und einem privaten „Höhenweg“, der hinter den obersten, jetzt schon fertigen Häusern entlangführt und mit einem Verbindungssteg in das letzte Mehrfamilienhaus. Dort geht es mit dem Aufzug direkt in die gemeinsame Tiefgarage – oder umgekehrt, vom Auto ins Wohnzimmer.

Tiefgarage, Carports, Stellplätze: Die sehr steile Rampe der Hundskapfklinge macht Autos für die Bewohner praktisch unverzichtbar. Auch wenn der Bauträger den Bewohnern der ersten Mehrfamilienhäuser ein Pedelec spendiert hat, um zum Radfahren zu ermutigen.

Klar und kantig in Weiß und Grau: 43 Wohnungen des neuen Quartiers am südlichen Österberg (obere und zweite Reihe links) sind schon bezogen. Von ganz oben ist die Aussicht am besten: über den Neckar, die Bahn, das Depot und die Reutlinger Straße ins Französische Viertel und zum Burgholz. Bilder: Sommer

Ein Blick von oben, zwischen Reihenhäusern hindurch: Begrünte Hänge und Rasenstreifen trennen die einzelnen Baukörper und lassen Luft für Durchblicke.

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Erstellt:
8. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. November 2012, 12:00 Uhr

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